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Radical Face
The Little Books

Köln, Kulturkirche
12.04.2016

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Radical Face
Das war doch mal ein solides Konzept: Nach der Veröffentlichung des letzten Teiles seines "Family Tree"-Opus, "The Leaves" (das aus mittlerweile drei Longplayern und der EP-Sammlung "The Bastards" besteht), ging Ben Cooper nicht einfach so auf Tour, sondern machte gleich eine Großveranstaltung daraus: An jeweils zwei aufeinanderfolgenden Abenden spielte er in ausgewählten Locations in ausgewählten Städten mit unterschiedlichen Programmen und präsentierte gleichzeitig eine Ausstellung mit passenden Paraphernalien und Kunstwerken, die dann auch noch käuflich erworben werden konnten. Hierzu war er mit eine Riege ausgesuchter Musikanten unterwegs, zu denen auch das Duo The Little Books gehörte, das aus den vielseitigen Multiinstrumentalisten Robin Rutenberg und Rick Colado besteht, die ihr kunterbuntes Songwriter-Programm zunächst als Support-Act präsentierten. Bei dieser Berichterstattung geht es um den zweiten Abend des Stops in der Kölner Kulturkirche, weswegen nicht alle Gags und Kommentare der Musikanten, die sich auf den Vorabend bezogen, unmittelbar selbsterklärend waren. Dass man am Abend zuvor indes zu viel gegessen und getrunken hatte, wurde dann schon deutlich.
Musikalisch verfolgen Little Books keinen bestimmten Stil, sondern achten vielmehr darauf, dass sie ihre immens abwechslungsreichen Songs auch entsprechend eklektisch vortragen. Dazu wechseln Robin und Rick jeweils die Instrumente und teilen sich ein zweiteiliges Drumkit, das sie zuweilen gemeinsam auf kreative Art bedienen. Ansonsten kommen da noch Gitarren, eine Querflöte und ein Keyboard zum Einsatz - wobei Robin dann bei dem Track "Louis Armstrong" sogar mit einem mörderischen Synthie-Bass überraschte. Ob die Songs über Imperien oder Handstände konkrete Botschaften zum Inhalt haben, konnte auf die Schnelle nicht festgestellt werden - fest stehen tut indes, dass es hier vor allen Dingen um Spaß an der Freude geht. Das Material bildete auf seine schrullige Art zudem einerseits einen interessanten Gegenpol zu den dann doch eher morbiden Songs von Ben Cooper, passte aber andererseits mit dem wuseligen Durcheinander auch wieder ganz gut zu dem Folgenden.
Als Cooper und seine Musikanten aus Jacksonville, Florida ("da braucht ihr nicht hinzufahren - ich wollte nur erwähnen, woher wir kommen") dann auf der festlich geschmückten Bühne - zu der natürlich auch stilisierte (und illuminierte) Bäume gehörten - Platz nahmen, gab es erst mal technische Schwierigkeiten zu überbrücken. Cooper ließ sich hiervon indes nicht irritieren, sondern entpuppte sich im Folgenden sogar als gewiefter Conferencier, der umsichtig durch sein Programm führte, und dieses auch anschaulich erläuterte. Es war zwar angekündigt worden, dass an jedem Abend ein anderes Album gespielt werden würde - das war dann aber (zum Glück) nicht der Fall. Cooper reihte hier Songs aus allen "Family Tree"-Alben, "Sisters" von der "Bastards"-Sammlung sowie "Winter Is Coming" und "Welcome Home Son" von seinem Debüt-Album "Ghost" aneinander. Seinen durch eine Werbung bekannten Hit "Welcome Home Son" spielte er dann als Abschluss des offiziellen Konzert-Programms - weil er, wie er sagte, ansonsten nachher eventuell genötigt würde.

Das Interessante an der ganzen Angelegenheit war dann, dass Cooper versuchte, aus den verschiedenen Stories um Mörder, Geisterstädte, Briefe aus dem Krieg, sterbende Zwillingsbrüder oder tanzende Skelette eine Art Geschichte zu konstruieren. Insgesamt passte das sehr schön, auch wenn es natürlich keine richtige Geschichte werden konnte. Interessant waren dann auch die Arrangements: Die Band erhielt ihren bestimmen Sound durch das atypische Drumming Rick Colados und natürlich durch das ungewöhnliche, von Josh Lee gespielte sechssaitige Violoncello. Das wurde dann nach Möglichkeit noch durch Keyboards und E-Gitarre ergänzt. Interessanter aber waren dann noch die Versionen von "We're On Our Way", bei der sich alle Musiker außer dem Gitarre spielenden Ben die Hände wundklatschten und dazu rhythmisch auf dem Boden trampelten und "Severus And Stone", das Ben erstmals solo vortrug - danach aber als "zu traurig" für dieses Treatment verwarf. "Der Song 'Sisters' soll übrigens nach einem vorbeifahrenden Zug klingen", erklärte Ben dann noch, "ich weiß aber nicht, ob das funktioniert." Es funktionierte - wenn man sich ein wenig reinhörte, jedenfalls. Kurzum: Schöner und schlüssiger hätten Ben Cooper und Radical Face sein "Family Tree"-Epos auch dann nicht präsentieren können, wenn tatsächlich an jedem Abend ein ganzes Album gespielt worden wäre.

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Surfempfehlung:
www.radicalface.com
www.facebook.com/RadicalFace
www.facebook.com/theLittleBookstunes
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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