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Konzert-Bericht
 
Kommt Zeit, kommt Rat

Basia Bulat

Köln, Tsunami
26.04.2016

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Basia Bulat
Kommt Zeit, kommt Rat, kommt Basia. Nach der Veröffentlichung ihrer immerhin bereits vierten CD "Good Advice" hat es die quirlige Kanadierin Basia Bulat endlich auch ein mal als Headlinerin auf unsere Bühnen geschafft. "Das ist mein Köln-Debüt und mir gefällt es hier sehr gut. Ich mache mir auch nichts aus dem Regen", begrüßte sie die Fans im Kölner Tsunami-Club. Basia kommt ursprünglich aus Toronto - und da ist man ja Winterwetter, wie es an diesem April-Tag in der Domstadt herrschte, gewohnt. In der Tat hatte Basia gerade eben erst vor dem Konzert noch gute Miene zum Bösen Spiel gemacht, und zwischen Interviews und Soundcheck - trotz drohender Erkältung - noch eine Open-Air-Video-Session absolviert und mit ihrer fröhlich unbekümmerten Art die bibbernde Crew beschämt. Auch bei dem Konzert sprudelte die anstecken gute Laune, die Basia verströmte, geradezu von der Bühne ins Auditorium.
Schlecht war das nicht, denn aufgrund der beengten Konstruktion des Clubs konnten nur die vier Personen, die direkt vor der ebenerdigen Bühnenecke standen, die Künstlerin so richtig sehen. Jedenfalls dann, wenn sie sich nicht gerade ans Keyboard setzte, was bei ungefähr der Hälfte der Songs der Fall war. Musikalisch schien es sich Basia auf die Fahnen geschrieben zu haben, all jenen eine Nase zu drehen, die NICHT zu ihrer Show gekommen waren, weil ihnen die aktuelle Scheibe zu poppig ausgefallen ist. Dabei hätte man sich doch denken können, dass eine Künstlerin wie Basia Bulat - die auf jeder ihrer Scheiben etwas anderes ausprobiert hat - sich nicht auf ein Genre festlegen lassen würde, wenn sie schon mal mit einer kompletten Band unterwegs war. Und in der Tat boten Basia und ihre Kollegen ein stilistisch erstaunlich breit gefächertes Spektrum dar, bei dem der Pop-Aspekt nur eine der vielen Facetten (und keineswegs die wichtigste) darstellte, die Basia beherrschte. Denn gerade Songs mit einem gewissen Pop-Touch wie zum Beispiel die grandiosen neuen Tracks "La La Lie" oder "Long Goodbye" oder auch ältere diesbezüglich orientierte Nummern wie "Tall Tall Shadow" präsentierten Basia & Co. mit einem druckvollen Rock-Ansatz, der für die überschaubare Anlage des Clubs dann fast schon zu viel des Guten war, da insbesondere die Vocals unangenehm schnarrend und scharf aus den Boxen schepperten. "Rock" meint hierbei nicht "Hardrock", sondern eine Roots-Rock-Variante, die aber zuweilen regelrecht psychedelisch aufgebohrt wurde.
Es ging aber auch gaaaanz anders. "Mögt ihr Folkmusik?", fragte Basia und schnappte sich dann die akustische Gitarre, um einige Folknummern zu spielen, bevor es dann mit Tracks wie "Five, Four" wieder (folk)popigger wurde. Der Titeltrack des aktuellen Albums "Good Advice" wurde als Quasi-Gospel dargeboten (während Basia das Publikum aufforderte, ihr nach der Show ruhig doch mal gute Ratschläge zu erteilen) und das Primal Scream-Cover "Damaged" kam als verschleppter Indie-Blues daher. So richtig faszinierend wurde die Sache aber erst, als sich Basia für den Song "Gold Rush" die Autoharp schnappte. Dieses Instrument wird ansonsten ja gerne von Künstlern verwendet, die instrumentell eher nicht so versiert ausgerichtet sind. Basia indes hat eine Art gefunden, das Instrument so virtuos einzusetzen, dass sich die Sache mit dem "Auto" wieder relativierte, denn - bewaffnet mit mehreren angesteckten Fingerspitzen - huschte sie fingerpickend und wieselflink über die Saiten und entlockte der Autoharp diffizile Melodielinien und Glissandi. Wenn man genau hinhört, dann kann man das zuweilen auch auf den CD-Produktionen entdecken - allerdings ist das da weniger offensichtlich und längst nicht so brillant zu beobachten. Auch dem Song "Wires" entlockte sie so vollkommen neue Nuancen. Und zuguterletzt holte Basia für die letzte Zugabe "It Can't Be You" auch noch eine zehnsaitige Ukulele hervor und bediente diese entsprechend virtuos.

Dass Basia sich auf eine Erkältung vorbereitete, machte sich bei all dem übrigens gesanglich auf durchaus interessante Art bemerkbar, denn Basias auch ohne Erkältung zuweilen brüchige Stimme, kippte während des Vortrages zuweilen ebenso effektiv weg, wie das zum Beispiel bei Janis Joplin im Eifer des Gefechtes geschehen konnte. Sowas sorgt - wie auch hier - eigentlich immer für eine besondere Intensität und jene Credibility, die man sich von einer guten Live-Performance auch erhofft. Und eine gute Live-Performance war das in jeder Beziehung. Basia gefiel die Sache am Ende jedenfalls selbst so gut, dass sie versprach, baldestmöglich wiederkommen zu wollen. (Dann aber bitte in einem größeren Club.)

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Surfempfehlung:
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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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