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Delphine unterhalten

Alice Phoebe Lou
Jackson Dyer

Köln, Gebäude 9
05.05.2016

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Alice Phoebe Lou
Über 100 Tickets hatte die von Berlin aus operierende Südafrikanerin Alice Phoebe Lou bei ihrem Debüt als Bandleaderin in der Domstadt abgesetzt - und das konnte dann unmöglich am schönen Wetter gelegen haben, das den diesjährigen Vatertag auszeichnete. Es ist ja schon irgendwie bemerkenswert, wenn dann mal jemand mit einem Anspruch, der deutlich über den gelegentlichen Pop-Song liegt, auch die breite Masse anzusprechen versteht. Das mag aber auch an Alices selbst gestellter Aufgabe liegen, die darin besteht, für alles und jedermann offen zu sein und auch auf alle zuzugehen. "Empathie" ist der Schlüsselbegriff, den die energisch-sympathische Person auch bei ihren Konzerten gerne und oft wie ein Dogma vor sich herträgt. Das erklärte dann wiederum, dass das Publikum bemerkenswert breit gestreut war und Fans aus allen Alters- und Sozialgefügeklassen zu bieten hatte. Dass dabei die Musik, die an diesem Abend geboten wurde, eigentlich alles andere als massenkompatibel oder genrespezifisch angerichtet wurde, machte die Sache dann umso erfreulicher.
Hinzu kam noch, dass der Australier Jackson Dyer, der mit seinem Set den Abend als Support-Act eröffnete, musikalisch recht gut zu dem passte, was Alice im Folgenden mit Band zelebrieren sollte. Denn wie Alice bezieht auch Jackson Dyer seine Inspirationen aus so unterschiedlichen Genres wie Jazz, klassischem Songwriting, Ambient und Elektronik. Das verquickt er dann zu einem insgesamt recht spröden, stromlinienartig formatierten Flow, bei dem die recht ähnlich angelegten Tracks im Bewusstsein des Hörers allmählich ineinander übergehen. Wenn man sich als Zuhörer auf diesen Flow einzulassen imstande ist, kann das recht lohnend sein, ansonsten kommt das Ganze vielleicht eine Spur zu distanziert rüber, um wirklich mitreißen zu können - zumal Dyer keinen gesteigerten Wert auf dynamische oder harmonische Eskapaden legt. Dass er sich indes nicht ins Zeug legen würde, kann man ihm nicht vorwerfen: Mit teilweise geradezu komischen Grimassen (die dem Umstand geschuldet sind, dass er sich halt so reinsteigert), bemühte er sich redlich, seinen Songs zumindest emotionale Tiefe angedeihen zu lassen.
So einfach ist die Sache bei Alice Phoebe Lou freilich nicht. Denn die Dame legt Wert darauf, sich eben NICHT auf ein bestimmtest Setting festzulegen. Beispielsweise darf behauptet werden, dass die soeben erschienene, offizielle Debüt-CD "Orbit" lediglich ein grob gezimmertes Sprungbrett für das wurde, was Alice mit ihren beiden Musikern - dem Multiinstrumentalisten Matteo Pavesi und einem neu hinzugekommenen Drummer - präsentierte. Zum einen nämlich gerieten die Live-Versionen, die Alice im Band-Setting präsentierte, natürlich wesentlich druckvoller und auch lauter als auf der Konserve (schon alleine, weil im Live-Kontext auf akustische Elemente verzichtet wurde) und passagenweise stellte sich sogar eine Club-Stimmung ein, als sich Alice zu Matteo ans DJ-Pult gesellte. Und dann driftete die Setlist spätestens zu dem Zeitpunkt, als Alice ihre Jungs für eine Pause von der Bühne schickte, in ganz andere Sphären ab. So gab es dann zunächst ein paar Solo-Songs ("Paper Castles", "The Ocean") und ein neuer, noch namenloser Song, in dem sich Alice Gedanken über den Prozess des Frau-Werdens im allgemeinen machte. "Ich betrachte mich gelegentlich nämlich noch als Kind", fügte sie scherzend hinzu.

Als die Herren dann wieder dazu kamen, ging es weiter mit Titeln, die sich - bis auf den allumfassenden Titeltrack - ebenfalls nicht auf "Orbit" befinden. "Rebel Rose", "Grey" und besonders Alices ältere Hits wie "Galaxies" oder "Berlin Blues" kamen dabei zu unerwarteten Speed-Metal-Ehren. Während Alice nämlich - insbesondere bei ihren Solo-Nummern - einen jazzigen Ansatz verfolgt, ging dann plötzlich die Post ab. So sehr sogar, dass Matteo bemüht war, seinen enthusiastischen Trommlerkollegen zu bremsen. Und Alice ließ en passant ein paar Rock-Riffs einfließen, die man so eigentlich gar nicht von ihr erwartet hätte. Die Party ging dann zum Schluss hin einfach weiter und selbst aus dem auf der Scheibe eher bluesig swingenden "Walking In The Garden" wurde dann noch eine echte Partynummer. Kurz vor dem Ende der Show gab es noch eine unerwartete Zwischengabe (das ist eine ungeplante Zugabe vor dem eigentlich amtlich letzten Track des Abends). Als nämlich Matteo zu einer Pinkelpause abwesend war, trug Alice noch ihren Tierrechtssong "Tiger & Dolphin" vor, der sich - aus der Sicht der Tiere - darüber mokiert, wie ungehörig es doch ist, Tiere als Ausstellungsstücke und unterhaltsame Spielzeuge zu betrachten. "Ich bin ein Delphin aus dem Ozean und eigentlich solltet ihr doch mich unterhalten", formuliert es Alice. Überhaupt ließ sie keine Gelegenheit aus, ihre politischen Überzeugungen deutlich zu machen und forderte das Publikum aus, außerhalb eingefahrener Schemata zu denken, etwas zu wagen und natürlich empathisch auf jedermann zuzugehen. "Meine Musiker hören nicht auf mich", erklärte sie, als diese ein technisches Problem diskutierten, "ihr solltet aber auf mich hören." Das kann man natürlich sehen, wie man möchte - aber irgendwie lässt man sich von einer unkonventionellen Querdenkerin wie Alice Phoebe Lou ja auch wieder lieber Lebensratschläge erteilen, als etwa von hauptamtlichen Politikern. Denn Alice Phoebe Lou hat ihre Erfahrungen schließlich auf der Straße gesammelt und ist somit ja auch in etwa eher eine von uns...

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Surfempfehlung:
www.alicephoebelou.com
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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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