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Emergent Sounds Presents
Ajimal/ Meadowlark/ Rachel Sermanni

Köln, artheater
08.05.2016

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Rachel Sermanni
Die vierte Ausgabe des von der YouTube-Channel-Plattform Emergent Sounds ausgerichteten Konzertreihe fand dieses Mal in einer neuen Location - nämlich im Kölner artheater statt, dessen Konzertsaal - dem Anlass entsprechend - mit Sitzgruppen und Tischen ausstaffiert worden war. Drei recht unterschiedliche Acts aus dem Singer-Songwriter-Genre fanden an einem vielleicht etwas zu sonnigen Maitag, an dem nur hartgesottene Musikfans sich in den Club verirrten, den Weg in die Domstadt.
Der "halbdeutsche" Brite Fran O'Hanlon aus Newcastle agiert unter seinem Projektnamen Ajimal (der nach einem haitianischen Voodoo-Priester gewählt wurde) mit einer wechselnden Schar assoziierter Musiker und präsentiert so - neben einem multimedialen Ansatz - musikalisch eine recht ambientmäßig ausgelegte Variante des klassischen Songwriter-Genres. Schon alleine der Umstand, dass Fran hauptamtlich als Pianist unterwegs ist (gleichwohl er sich für den letzten Track mit einer akustischen Gitarre unplugged an den Bühnenrand setzte), sorgt für eine Ausrichtung seiner Songs, die dem in diesem Bereich ansonsten dominierten Folk-Aspekt zumindest mal eine andere Perspektive abgewinnt. Hinzu kommt, dass seine fast meditativ ausgerichtete Slowcore-Musik, in der Sounds und Atmosphäre mindestens so wichtig sind, wie die Inhalte, durch ihre fast stoische Unerbittlichkeit, den Zuhörer auch tatsächlich zum Zuhören zwingt - etwas, was heutzutage ADS-bedingt, ja nicht eben in Mode ist. Fran nimmt das mit Humor: "Meine Musik ist ja bekannt dafür, dass sie energisch und laut ist und zum Tanzen anregt", erklärte er auf nahezu perfektem Deutsch ironisch, indem er einen Song zum Thema "Hoffnung" ankündigte, um deutlich zu machen, dass es auf seinem Debütalbum "Childhood" keineswegs um ausschließlich melancholische Aspekte geht, sondern eben um alles, was in der Summe solide Jugenderinnerungen auszeichnet. Musikalisch spielte sich Frans Vortrag trotz allem vorwiegend im Zeitlupentempo ab - was aber erklärlich ist, denn um die Stimmungen aufzubauen, die die Band mit Bass, Drums, Piano, Sampler und einem Effektgerät zur Erzeugung multidimensonaler Soundwände erzeugt, braucht es eben Zeit und Muße. Das Publikum jedenfalls, nahm sich dessen an und folgte dem Flow. (Übrigens durchaus auch freiwillig - also ohne den o.a. Zwang).

Das Deutschland-Debüt absolvierte das Duo Meadowlark aus Bristol. Kate McGill und Daniel Broadley haben sich zusammengetan, um gemeinsam einen etwas anderen Ansatz realisieren zu können als jenen, den Kate mit einer Folkpopscheibe unter eigenem Namen zunächst verfolgte. Obwohl das Material des Duos grundsätzlich noch auf Strukturen basiert, die eben dem Folkpop-Setting zuzurechnen sind, kommt insbesondere durch die Hinzunahme elektronischer Elemente und von Effektgeräten, eine poppige Note hinzu. Bislang haben Meadowlark einige EPs veröffentlicht und arbeiten nun an der Veröffentlichung eines ersten gemeinsamen Albums mit dem Namen "Postcards". Bei ihrem Auftritt im artheater agierten Meadowlark als Duo, mit einem reduzierten Klangspektrum, das aus einem Keyboard und einer E-Gitarre bestand. Da aber die Tracks, die Kate und Daniel gemeinsam komponieren, eh so ausgelegt sind, dass sie auch ohne großen produktionstechnischen Aufwand als solche funktionieren sollen, machte das nix; zumal auf diese Weise dem Gesang mehr Raum gegeben werden konnte, was auch insofern von Interesse war, als dass Kate und Daniel im Live-Kontext stärker als Duo agieren - während auf den Produktionen Kate die Leadvocals inne hat. Soeben ist die aktuelle EP des Duos erschienen, die den eigenartigen Namen "Paraffin" trägt. Das ist freilich erklärlich, indem Paraffin nämlich das Synonym für einen Brandbeschleuniger ist - was zu einer Art Leitmotiv des Duos - dem Feuer (der Liebe?) - führt; denn einer ihrer älteren Songs heißt etwa "Fire". Insgesamt überzeugten Kate und Daniel mit ihrer ungezwungenen Art und ihrer bemerkenswert klassischen Songsammlung durchaus - auch wenn es einige Abstimmungsprobleme gab, denn aufgrund dessen, dass man dieses Jahr noch nicht live aufgetreten war, gab es etwa Texthänger und einige technische Problemchen, die aber dann auch nonchalant überspielt wurden. Obwohl die Songs ohne die Produktion der Plattenaufnahmen ganz anders wirkten als eben auf Konserve, sorgte insbesondere Daniels neues Effektgerät für atmosphärische Akzente, die das Material dann wieder aus der Folk-Ecke hervorkitzelten. Für einen Act ohne offiziellen Longplayer verfügen Meadowlark übrigens jetzt bereits über einen bemerkenswerten Fundus attraktiver Songs, die - wie zum Beispiel der nette Popsong "Fly" durchaus auch potentiellen Hitcharakter haben.

Über Rachel Sermanni an dieser Stelle noch etwas zu sagen, ist ein wenig so wie Drachmen nach Athen tragen: Die Schottin spielt ja fast schon gewohnheitsgemäß in der Domstadt und insofern verwunderte es dann doch schon sehr, dass insbesondere jene Fans, die ansonsten regelmäßig auf ihren Konzerten zu finden sind, nicht den Weg ins artheater gefunden hatten. Wie zuletzt üblich trat Rachel mit ihrer Kollegin Jennifer Austin auf, die allerdings getrennt mit dem Zug angereist war und später eingetroffen war, weswegen Rachel den eigentlich schon abgeschlossenen Soundcheck mit ihr noch ein Mal wiederholen hatte müssen, zumal extra für den Abend ein echtes Piano organisiert worden war. Wie ebenfalls üblich spielten Rachel und Jennifer ein gutgelauntes Set aus alten und neuen Songs, die in gewohnter Manier einen Gutteil ernsthafter angelegt sind, als das sonnige Gemüt der Protagonistin eigentlich vermuten ließe. Rachel erzählte von ihren Reisen, kommentierte das Wetter und versuchte sich an deutschen Formulierungen. "Ich kann das aber nicht so gut wie Fran", warnte sie gleich. Als dieser dann einwarf, dass er ja halb Deutsch sei, erklärte die Schottin Rachel, dass das ja gar nichts heiße, da sie schließlich zu einem viertel italienisch sei, aber kein einziges Wort italienisch könne und sogar ihre deutsche Freundin zum Beispiel besser Irisch spreche, als sie selbst. Aber die Sprache von Rachel Sermanni ist ja auch eher die Musik. Und so spielte sie dann Songs ihrer LPs "Under Mountains" und "Tied To The Moon" - aber auch jede Menge nicht-CD-Titel und neues Material. Als Headlinerin war es ihr natürlich auch beschieden, Zugaben geben zu dürfen. Als sie dann allerdings das Publikum fragte, ob es lieber einen weiteren traurigen, oder lieber einen fröhlichen Song spielen solle und dieses sich dann für die fröhliche Option entschied, fiel ihr dann auch auf, dass die Möglichkeiten hier gewissermaßen eingeschränkt sind. Schließlich einigte sie sich mit Jen auf den Song "Two Birds", in dem es darum geht, dass es zumindest okay ist, wenn etwas zu Ende geht und spielte dann noch "Jen's Song", den sie für ihre Freundin geschrieben hat und der anhand der Schilderung gemeinsamer Reiseabenteuer auch ein Dankeschön an Jens Eltern darstellt.

Musikalisch war dieser Abend vielleicht sogar noch interessanter und auf jeden Fall abwechslungsreicher als die vorangegangenen ES-Showcases. Schade, dass sich davon nicht mehr Fans überzeugen hatten lassen.

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Surfempfehlung:
emergent-sounds.com
www.facebook.com/ajimalmusic
www.facebook.com/meadowlarkofficial
www.facebook.com/RachelSermanni
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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