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Perfect Pop forever

The Chills

Köln, Gebäude 9
30.05.2016

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The Chills
Man kennt das ja: Da schaut man sich eine Band zum ersten Mal live an, die man 20, 25 Jahre zuvor mal großartig fand, und dann muss man einen Haufen neuer Songs von einem unsinnigen Reunion-Album durchleiden, und die alten Hits hatte man auch irgendwie besser in Erinnerung, als sie die in die Jahre gekommenen Helden nun auf die Bühne bringen. Ausnahmen von dieser traurigen Regel gibt es nur sehr, sehr selten. Dass sie dennoch existieren, beweisen die neuseeländischen Indie-Pop-Veteranen The Chills bei ihrem mitreißenden Auftritt im selbst an einem Montagabend äußerst gut gefüllten Gebäude 9 in Köln. Dabei wirkt The Chills-Frontmann Martin Phillipps auf der Bühne eigentlich nicht besonders charismatisch, und er sieht auch keinen Tag jünger aus als die 52 Jahre, die er inzwischen alt ist. Trotzdem hat dieses Konzert, das einzige der Kultband in Deutschland, nichts von einer wehmütig-nostalgischen Rückschau oder der letzten Ehrenrunde vor der Rente.
35 Jahre nachdem Phillipps das kleine Örtchen Dunedin und das Flying Nun-Label auf die internationale Pop-Landkarte gebracht hatte, gelingt ihm dieses Kunststück, weil der Sänger, Gitarrist und Songschreiber in der x-ten Besetzung seiner Band eine enthusiastische Gruppe aus jungen Wilden um sich geschart hat und sich immer noch mit fast schon unheimlicher Leichtigkeit herrlich vertrackte, aber dennoch unglaublich lässige Indie-Pop-Hymnen aus dem Ärmel schüttelt. Die warmen Orgelklänge, die Melodien, die sofort ins Ohr gehen, und der leicht melancholische Twang der Gitarren - all das zeichnet auch die Songs des feinen aktuellen Studioalbums "Silver Bullets" aus, die in Köln fast die Hälfte des knapp 80-minütigen Programms ausmachen und von der Band mit viel fast schon punkigem Verve - und im Falle des hyperaktiven Drummers auch mit ebenso viel Theatralik - auf die Bühne gebracht werden. Die neuen Lieder sind sogar so gut, dass gleich mehrfach einige der Resthaarträger, die einen Gutteil des Publikums ausmachen, die Hälse recken, um auf der Setlist zu Phillipps' Füßen den Titel zu erhaschen.
Es ist lediglich der emotionale Ballast, den das zusammen mit Phillipps älter gewordene Publikum mit Evergreens wie "Kaleidoscope World", "Doledrums", "I Love My Leather Jacket" oder dem stürmisch begrüßten Überhit "Pink Frost" verbindet, der bei den alten Stücken für (noch) mehr Begeisterung vor der Bühne sorgt. Auf eine Komplettaufführung ihrer Greatest Hits verzichten The Chills indes: "Rolling Moon" steht zwar auf der Setlist, wird aber kurzfristig aus dem Programm gekegelt, während andere lieb gewonnene Klassiker wie "Never Never Go" oder "Oncoming Day" erst gar nicht im Aufgebot sind, ohne dass jemand deshalb ernsthaft böse ist. Schließlich steht ganz am Ende der "Heavenly Pop Hit", oder besser gesagt: der letzte von vielen, die es an diesem Abend zu hören gibt.

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Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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