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Konzert-Bericht
 
Viva Paraguay!

Rich Hopkins And The Luminarios
Concepcion Romero/ Roger Schaffrath

Köln, Bürgerhaus Kalk
30.11.2001

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Rich Hopkins
Da bekommt man immer wieder zu hören, Rich Hopkins "sei durch", bringe "nichts Neues mehr", "mache immer das Gleiche" etc. pp. Die Leute, die das sagen, wurden an diesem Abend a) Lügen gestraft und haben b) sowieso unrecht. Denn: Rich ist einer jener Americana-Rocker, die sich eben nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen und immer wieder das Gleiche machen. Sagte Rich nämlich noch zur "El Paso"-CD, daß er sich vornehmlich als Gitarrenspieler sehe, so hat sich das doch heutzutage stark gewandelt. Auf der aktuellen CD, "My Lucky Stars", präsentiert sich Rich nämlich immer mehr als Songwriter, Arrangeur und Sänger. Gerade daran hat er zuletzt viel gearbeitet (ohne indes allerdings Gesangsstunden genommen zu haben). Trotzdem: Wer Rich heutzutage auf der Bühne sieht, der findet einen relaxten Performer vor, der zwar nach wie vor mit Begeisterung in seiner Musik aufgeht und wie ein Berserker arbeitet - dabei aber längst nicht mehr dauernd im Mittelpunkt stehen muß. Dieses Mal ging Rich auf seine musikalischen Wurzeln ein.
Dazu muß man wissen, daß er Anfang der 80er Jahre eine Dienstzeit im amerikanischen "Peace Corps" verrichtete, die ihn stark prägte. Die Einrichtung des "Peace Corps" ist zu vergleichen mit unserem "sozialen Jahr". Rich ging damals nach Paraguay, unterrichtete die Bevölkerung über die Wertstoffgehalte von Nahrungsmitteln und brachte - so drückt er sich heute aus - "die Banane nach Mittelparaguay". Dabei lernte er auch Concepcion Romero kennen. Das ist ein paraguayanischer Farmer, Prediger, Arzt, Liebhaber (14 Kinder, 1 Ehefrau, 4 aktuelle Freundinnen) und Gitarrist, der Rich u.a. den einen oder anderen Akkord verriet. Außerdem ist er ein liebenswürdiger, zurückhaltender Zeitgenosse, der auf der Bühne zum sympathisch ungelenken Entertainer wird. Dieser Concepcion - oder "Conchi" wie Rich ihn rief - durfte bei der aktuellen Tour im Vorprogramm auftreten. Munter plauderte er auf spanisch drauflos und dann sang er mit brüchiger Stimme ein paar ergreifende peruanische Folklore-Lieder. Klarer Fall: Das war einer jener Momente, wo es ganz und gar um die persönliche Note und weniger um die musikalische Brillianz ging. Gerade deshalb hatte die Aktion aber ihren ganz eigenen Charme.
Die Luminarios hatten gerade eine längere Tour hinter sich und waren deswegen bestens aufgelegt. Bis auf eine unschöne Episode in Slovenien, bei der Mike Davis seinen Paß, seinen Führerschein und eine Unterschriftenprobe einreichen mußte, um das Land wieder verlassen zu dürfen, war die Tour auch ein voller Erfolg. "Wir waren jetzt erstmals in diesen ehemaligen Ostblock-Ländern", erläuterte Mike mit glänzenden Augen, "und ich dachte mir: Mann, wenn wir es hier packen können, dann können wir es überall packen." Was wieder mal beweist, daß Rock'n'Roll nach wie vor die universellste aller Sprachen ist. Am Freitag ging es dann indes zunächst mal beschaulich zu. Mit gebremster Kraft und betont balladesk tasteten sich Rich und die Jungs langsam mit Songs wie "Walk Away" ins Programm. Die Hardcore-Flanellhemd-Fraktion begann bereits die Stirne in Falten zu legen. Das war aber nicht angebracht! Zum einen war das ein geschickter Schachzug vom Rich, die Show mit einem solchen Spannungsbogen zu versehen, zum anderen waren ja auch Damen anwesend. Wenngleich nicht genügend, wie Rich ganz richtig feststellte. "Wie ist das eigentlich bei Blue Rose mit den Frauen?" fragte er von der Bühne herunter. Ja, wie ist das eigentlich? Wenn es an endlosen Gitarrensolos liegt, daß der weibliche Teil der Bevölkerung den Blue Rose-Konzerten fernbleibt, darf man Rich mittlerweile keine Vorwürfe mehr machen. Nicht nur, daß er mit Ken Andree einen neuen Rhythmusgitarristen hat, der sich sehr zurücknimmt, und dem er dennoch mehrere Soli überläßt, nein, auch Rich selbst haut weniger als bislang in die Saiten - zumindest was Neil Young-Emulationen betrifft. Anstelle dessen gibt es - auch neu bei den Luminarios - Harmoniegesänge. Ken Andree ist ja bereits als jener heroische Mensch bekannt, der bei der Sand Rubies-Tour - damals noch am Baß - das letzte Drittel zwangsweise als Sänger bestritt, weil David Slutes dringend nach Hause mußte. "Wir haben viel am Gesang gearbeitet", beschrieb er den neuen Ansatz, "ich habe mich mit Rich zusammengesetzt und dann haben wir die Harmonien ausgearbeitet. Ich denke, daß das live die Leute ganz schön umhaut." Nun ja: Es war ganz gut. Ken singt wirklich nicht schlecht und sieht auch betont cool aus beim Gitarrespiel - so richtig Beach Boys-mäßig war der Gesang indes noch nicht. Aber das kann ja noch werden. Wichtig ist ja, daß man überhaupt was versucht.

In der Mitte des Konzertes kamen dann auch langsam die Höhepunkte: Zunächst eine grandiose, ewig lange Version von "La Luz" - mit Rich im Overdrive an der Gitarre. Dann kam noch mal Conchi zum Einsatz. Wieder war dies ein ergreifender persönlicher Moment ohne musikalischen Nährwert. Dann allerdings gab's den "60's Dance Contest": Eine Dame aus dem Publikum wurde gebeten, mit Conchi das Tanzbein zu schwingen. Daß dies ausgerechnet Monika Riedel sein würde, eine bekannte professionelle Entertainerin aus dem Kölnischen, konnte natürlich niemand ahnen. Da prallten dann in einem abenteuerlichen Crash der Kulturen charmant-staksige Amateur-Improvisation seitens Conchis und routinierte Selbstdarstellung von Monika aufeinander. Und das bei einer Coversion von "So You Wanna Be A Rock'N'Roll Star". Kurzweilig war es jedenfalls. Dann hatte Rich noch ein Schmankerl vorbereitet. Zu seinem Themenstück des Abends, "Paraguay", lief im Hintergrund ein Video, welches die Lebensumstände vor Ort zeigte. Das wurde dann richtig ergreifend. Schön, daß man auf diese Weise auch mal was über den Background eines Musikers erfahren konnte. Nach einer kurzen Pause ging es dann anläßlich der Zugaben noch einmal richtig los. Beim "Wildhare Lordsburg Blues" betrat der begnadete Ausnahmegitarrist Roger Schaffrath die Bühne. Roger ist ein Slide-Gitarrist aus Köln, den Rich in sein Herz geschlossen hat, nachdem dieser ihm einmal eine Gitarre reparierte. Seitdem geben die beiden hin und wieder Duo-Shows. In der Band spielte Roger an diesem Abend zum ersten Mal mit. Und wie. "Das ist einer von euch", rief Rich begeistert von der Bühne, "und dabei klingt er doch wie ein texanischer Homeboy." In der Tat: Roger spielte Rich und Ken auf eine nette Art und am Rande der Selbstparodie aber doch deutlich an die Wand. Da tauchten auch schon die ersten Beavis & Butthead-Fäuste im Publikum auf und beherzte "Keep on Rockin"-Rufe spornten die Musiker noch mal an. Es folgte noch eines von Rich's Lieblingsstücken - ausgerechnet Eric Burdon's "When I Was Young" (besonders Mike Davis schaute betroffen drein) - und dann ging der Abend langsam doch noch zu Ende. Schade nur, daß nicht mehr Leute den Weg in die für Rich neue Location gefunden hatten. Rich indes war sehr zufrieden. "Diese Band ist einfach klasse", meinte er nachher, "als nächstes mache ich entweder eine richtig harte Rock-Platte oder aber eine mit 60's Pop. Das ist es, worauf ich momentan richtig Lust habe". Warten wir mal ab. Immerhin bewies Rich an diesem Abend eindrucksvoll, daß er eben noch lange, lange nicht "durch ist".

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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