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Can I get a witness?

Joseph Arthur
Joan As Police Woman

New York, City Winery
28.08.2016

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Joseph Arthur
Wie jedes Jahr zur Sommerzeit, so nutzte Joseph Arthur auch dieses Mal die Gelegenheit, das Programm seiner anstehenden Herbst-Tour in der heimatlichen City Winery vorzustellen. Die City Winery ist eine aktive Weinkellerei mitten in SoHo in New York, in der es außerdem ein vollständiges Restaurant mit Bühne gibt, auf der dann zum Essen mehr oder minder illustre Musik-Acts aufspielen. Der New Yorker Joseph Arthur ist dort sozusagen ein Stammgast, dem bereits auch ein eigener Wein gewidmet wurde. In diesem Jahr wartete Joseph zudem mit seiner soeben erschienenen, aktuellen CD "The Family" auf, deren Programm es live zu testen gab. Aus diesem Anlass hatte sich Joe entschlossen, dieses in zwei Settings zu tun - ein Mal mit Unterstützung von Kristin Hersh mit Band und ein Mal mit Unterstützung von Joan As Police Woman akustisch.
Vorab war aber bereits deutlich gemacht worden, dass es hier nicht um das übliche Anheizer-Programm gehen sollte, sondern darum, dass beide Acts jeweils ein komplettes Set spielen würden (immerhin sind alle Beteiligten seit Jahren eng befreundet). Und so kam es denn zu Pass, dass Joan Wasser mit einer Band auftrat, zu der neben Multiinstrumentalist Mike Bartlett auch zwei Drummer, aber kein Bassist gehörte (Joan spielte selbst bei einem Track Bass und Drummer Ben Perowsky meinte dazu, dass Joan die beste Bassistin sei, mit der er je zusammengespielt habe). Das Material ihres anstehenden Albums mit Benjamin Lazar Davis hatte sich die Gute für diese Gelegenheit noch aufgespart. Dafür gab es denn aber eine ziemlich abgefahrene Coverversion von "Don't Let Me Be Misunderstood", sowie ein neues Stück, dessen Text Joan noch gar nicht verinnerlicht hatte und auch Material aus dem gemeinsamen Theaterprojekt "Cock" mit Mike Bartlett. Für ihre Verhältnisse machte die auf der Bühne oft sperrig wirkende Joan in diesem Setting einen vergleichsweise lockeren Eindruck, auch wenn es sichtlich nicht ihre Art ist, das Publikum mit coolen Sprüchen zu unterhalten. Dennoch kam aufgrund der unüblichen Situation, in der das Publikum den Musikern zum greifen Nahe am Essenstisch gegenüber sitzt, natürlich doch eine eher gelöste Stimmung zur Anwendung und es entwickelte sich fast so etwas wie ein Dialog mit dem Publikum. Joan nutzte auch den Umstand, dass Joseph Arthur für sein Set einen Flügel auf die Bühne hatte stellen lassen (der kurz vor der Show noch eigens gestimmt worden war) und spielte einige Songs demzufolge am Piano sitzend, das ansonsten aber von Mike Bartlett bedient wurde. Elektronik gab es - bis auf ein paar Sounds von einem Spielzeug-Keyboard - keine -, dafür aber die treibende Kraft von zwei Drumsets. "Die sind besser als Grateful Dead", rief Joan zum Abschied noch ins Publikum - und das war dann nur halbwegs als Witz gemeint. Es dürfte spannend sein zu beobachten, wie sich diese Show von den anstehenden Terminen mit Benjamin Lazar Davis im Dezember unterscheiden wird.
Das Besondere an Joes neuem Album "The Family" ist der Umstand, dass es vollständig auf einem Piano geschrieben wurde (einem Steinway-Flügel von 1912), das Joe eigens aus diesem Grund erworben hatte. "Entschuldigt bitte, wenn ich Klavier wie ein Boxer spiele", meinte Joe dann auch gleich Eingangs zum Publikum - denn bei allem zur Schau getragenen Enthusiasmus ist er natürlich kein reinrassiger Pianist, sondern stolperte sich stattdessen eher auf dem für ihn ungewohnten Instrument durch sein Material. Das passt aber auch zu dem eher inspirativen Hippie-Setting, das der Meister gerne an diesem Ort Schau trägt. Eine Setlist oder ein konzeptionelles Gerüst würde da eher stören. Und so spielte sich Arthur eher spontan durch sein beeindruckendes Repertoire, ließ alte wie neue Hits einfließen, stellte natürlich das "Family"-Material ausführlich vor und spielte "When Doves Cry" als Hommage an Prince (und erfand dabei dann auch gleich einen Sound, der sich anhörte, als würden die Tauben eben tatsächlich weinen). In Bezug auf die besungene Familie ließ es Joseph offen, ob nun eine fiktive Familie, die grundsätzliche Idee einer Familie oder die eigene gemeint ist. Obwohl: Manchmal rutschte ihm doch eine Referenz raus - indem er zum Beispiel darüber spekulierte, ob er den Song "Hold On Jerry", den er eigentlich für seinen Onkel Jerry geschrieben habe, nicht unbewusst doch vielleicht für Jerry Garcia geschrieben haben mochte.

Meist spielte sich das Ganze im lamentös/balladesken Setting ab, wie z.B. bei dem Titelsong, "Sister Dawn" oder "You Keep Hanging On" - aber manchmal, wie etwa bei dem Anti-Kriegssong "Machines Of War", wurde es - nicht zuletzt dank des beisitzenden Blechbongo-Spielers - ein wenig lebhafter bzw. rhythmischer. Joes Spezialrezept, das Sampeln des eigenen Gitarrenspiels, der Vocals und diverser rhythmischer Impulse musste in diesem Zusammenhang natürlich ein wenig kürzer kommen als sonst üblich (zumal die Elektronik auch mehr oder minder ausfiel, was Joseph erst bemerkte, als ein Roadie sie wieder einstöpselte). Ansonsten ging es dann munter weiter durch das Programm aus dem die Fans auch immer wieder Favoriten wie "I Miss The Zoo", "In The Sun" oder "Currency Of Love" forderten. Nun ist das aber so, dass Joe zwischenzeitlich deutlich über 20 Veröffentlichungen auf dem Buckel und deswegen nicht jeden Song gleich parat hat. "Kannst du mir mal sagen, wie ich das machen soll?", fragte er dann einen Fan, der "I Am The Witness" forderte, "spiel du ihn doch ein Mal." Anschließend versuchte Joseph vergeblich sich an die Akkordfolgen des Songs zu erinnern - was jedoch nicht klappte. "Hat denn keiner von euch Spotify oder sowas?", fragte er schließlich resignierend ins Publikum. Und in der Tat fand sich jemand, der ihm den Song dann auf dem Handy vorspielte. "Jetzt brauche ich aber noch den Text", meinte er dann, als er gerade mal den Refrain zusammen bekommen hatte. Schließlich ließ er sich aus dem Publikum ein Handy mit dem Text zuwerfen, das jedoch immer wieder ausging, als er auf den Bildschirm schauen wollte. Freilich: So etwas gehört zu einer guten Joseph Arthur-Show einfach auch dazu - genauso wie das exaltierte Herumwälzen auf der Bühne, wenn etwas besonders gut gelungen ist oder - zumindest in seiner Heimatstadt - dass der Meister bemüht ist, bei seinen Auftritten auch jeweils ein Bild zu malen. Im letzten Jahr bemalte Joe z.B. während des Vortrages ein Weinfass - dieses Jahr blieb es denn bei einem "normalen" Action Painting (das Joe zur Zeit auch noch unter dem Titel "Gold Tears" auf Instagram zum Erwerb feilbietet.

"Waren wir heute eigentlich gut?", fragte Joe seinen Drummer dann am Ende der Show und kam dann zu dem Resümee: "Ich denke, wir waren heute ganz in Ordnung." Dem kann man sich anschließen - denn schließlich weiß man nie, was einen bei einer Joseph Arthur-Show eigentlich erwartet. Das gilt mit Sicherheit auch für die Shows der anstehenden Herbst-Tournee in Europa, von denen ihn indes nur eine einzige - am 06.11.16 in Köln - nach Deutschland führt.

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Surfempfehlung:
www.josepharthur.com
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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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Mehr über Joseph Arthur:
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