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Konzert-Bericht
 
Irish Cologne

Wallis Bird

Köln, Studio 672
12.09.2016

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Wallis Bird
Langsam hat es sich herumgesprochen, dass Wallis Bird gerne in Köln so etwas wie ihre Record Release Partys ansetzt. Jedenfalls war das Konzert im Studio 672 schon ausverkauft, als die Tour noch gar nicht so richtig angekündigt - geschweige denn das neue Album "Home" in Sichtweite gewesen wäre. Insofern war es denn auch erklärlich, dass die zur Zeit in Berlin lebende, wuselige Irin die Gelegenheit nutzte, die ganze Veranstaltung sogar zu so etwas wie einer öffentlichen Probe zu nutzen. Denn Wallis hatte nun Nägel mit Köpfen gemacht, und sowohl Emma Greenfield, als auch Sam Vance-Law (alias Traded Pilots alias Dear Reader) in ihre Band zu integrieren ("Ich habe die ganze Band von Dear Reader geklaut", meinte Wallis hierzu) - was natürlich noch einige Abstimmungen notwendig machte, insbesondere in Bezug auf das neue Material und die neue Klangfarbe durch Sams Geigenspiel. Doch Wallis kann sich sowas leisten. "Wenn ich in Irland spiele, sind mir immer die Auftritte in Cork am liebsten", begrüßte sie das von der ersten Minute frenetisch mitfeiernde Kölner Publikum, "ihr seid mein Cork in Deutschland!"
Das Konzept für die Show war vergleichsweise einfach: Zunächst spielte Wallis solo ein Set mit je einem Stück ihre fünf bisherigen Veröffentlichungen (inklusive der "Branches Untangle EP") - und zwar in ihrem gewohnten Setting mit akustischer Gitarre und Stomp-Board. Da gab es dann - spätestens beim Titel "Hardly Hardly" vom letzten Album "Architect" kein Halten mehr. Auch vorher schon zeigte Wallis ihren gewohnten Enthusiasmus und sprengte gleich beim zweiten Song die Bass-Saite von ihrer Gitarre. "Man, ich schwitze hier gleich weg", meinte sie zwischen den Stücken, "das fühlt sich an, als würde ich mich selbst duschen." Da war was dran, denn das Konzert fand an einem dieser merkwürdigen Früherbst-Hochsommer-Tage statt und dass das Studio 672 aus allen Nähten platzte, wirkte sich auch nicht gerade förderlich auf die Wellness-Lage aus. Doch es war ja eigentlich auch niemand zum Spaß hier. Denn nach dieser "Einleitung" bat Wallis die Band auf die Bühne und dann ging es ans Eingemachte: Es gab nämlich das komplette neue Album "Home" von vorne bis hinten. Angesichts dessen, dass die Fans die neuen Stücke ja - eigentlich - noch nicht kennen konnten, hielt sich die zuvor erarbeitete, frenetische Grundstimmung vergleichsweise lange - auch wenn die Transponierung der elektronischen Aspekte des neuen Albums in ein rein organisches Setting nicht in jeder Beziehung reibungslos klappte. Die neuen Stücke basieren zudem des Öfteren auf ausgeklügelten, vielstimmigen Vokal-Arrangements, die im Laufe der Zeit im Live-Ambiente erst noch eingeschliffen werden müssen. Andererseits erfreute Wallis die Fans mit dem waschechten A-Cappella-Track "Home", der zugleich auch der Titeltrack des neuen Albums ist. Hier wickelte sie die Fans dann auf charmante Art gleich wieder um den Finger und ließ sie auch gleich den Refrain mitsingen. Andere Tracks, wie etwa "Control", "That Leads The Way" oder "Love" bieten dann passagenweise auch wieder jene hektischen Up-Tempo-Momente, ohne die Wallis offensichtlich gar nicht mehr leben kann. Dafür gibt es aber auch eher zurückhaltend inszenierte Stücke wie "Pass The Darkness" zu denen Wallis sich ans Piano setzte - auch wenn das nun nicht gerade das Instrument ihrer Wahl zu sein scheint. "Fuck me" rief sie aus, als sie sich gleich mehrfach in den Tasten verhakelte. "Okay" rief Emma Greenfield von der anderen Seite der Bühne rüber. Zu dem Stück "The Deep Reveal" hantierte Wallis HipHop-mäßig mit Sampler und Beat-Box-Effekten, während es bei "Fantasy" (dem letzten Up-Tempo-Song auf "Home") dann noch mal eine Art Semi-Reggae-Party-Soul-Stimmung zu bewundern gab.
Insgesamt lässt sich schon jetzt sagen, dass Wallis Bird mit ihrem neuen Album sowohl was die kompositorischen Ambitionen, die Strukturierung ihres Materials und was die geschickt gestaffelten Vokalsätze betrifft, jeweils einen großen Schritt nach vorne gemacht hat. Bis das auf der Bühne alles so richtig kugelrund läuft, dauert es wohl noch einen Moment - aber alleine die Qualität des Materials rechtfertigte durchaus schon das Konzept, das alles einfach ein Mal live auszuleben. Die begeisterten Fans durften zudem mit dem Eindruck nach Hause gehen auf einem - selbst für ihre Künstlerin - außergewöhnlichen Abend dabei gewesen zu sein.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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