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Konzert-Bericht
 
Mø better Blues


Cosby

Köln, Gloria
09.10.2016

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Mø
Zugegeben: Richtigen Blues gab es an diesem Abend dann doch nicht - da sei mal die Wortspielerei ganz Selbstzweck. Aber immerhin hatte Karen Marie Ørsted auf ihrem T-Shirt stehen: "The Mø Colours... The Mø Better". Mit ihrem Namen zu spielen, versteht die Gute also durchaus auch selbst. Um aber noch ein Mal auf den Blues zurückzukommen: Das war dann eine der wenigen Spielarten schwarzer Musik, die Mø in ihrem Programm nicht zumindest mal antestete.
Die Dänin ist eine der Künstlerinnen, die sich (übrigens ganz in der Tradition ihres Mutterlandes) musikalisch breitestmöglich aufgestellt haben. Geboren aus dem Indie-Rock, transformierte sich Mø in einem länger andauernden Prozess zur allgewaltigen Pop-Künstlerin, die klassische New Wave Torch-Songs a la Lana Del Rey genauso beherrscht wie HipHop- und R'n'B-Anwandlungen, Rap-Elemente, in Ansätzen auch Soul, natürlich E-Pop in verschiedenen Ausprägungen, aber auch musikalischen Party-Unsinn wie z.B. die Nummer "Kamikaze", die auch gleich zu Beginn des Konzertes als dritte Nummer abgefeiert wurde. Das Bemerkenswerte bei all dem ist der Umstand, dass Mø als Auteurin in eigener Sache ebenso erfolgreich ist, wie auch als Kollaborateurin und Zulieferinnen für andere Acts - namentlich etwa Major Lazer im Club-Bereich oder Iggy Azalea auf dem Rap-Sektor.
Gegen eine solch breit gefächerte Vielfalt wirkte der organische E-Pop der Münchener Band Cosby, die den Support im restlos gefüllten Kölner Gloria machte, fast schon bieder. Immerhin hatten Marie Kobylka und ihre Jungs aber kein Problem, das Publikum für ihr Tun zu begeistern und auch zum Mitfeiern zu animieren. Das vielleicht auch deshalb, weil die Band auch schon Songs aus dem kommenden Album vorstellten - auf dem sie offensichtlich von den Fehlern ihrer Vergangenheit gelernt und insbesondere songwriterisch einen Zacken zugelegt hat - wobei sie erstmals auch mit den dringend benötigten, Refrains oder Leitthemen rüberkam, die ihrer Musik bislang immer abgingen. Sicherlich hilft es dabei auch, dass Cosby (wie übrigens auch Mø und ihre Band im Folgenden) als echter Live-Act reüssierten. Denn die organisch gespielten Bestandteile (immerhin mit komplettem Band-Instrumentarium plus analog gespielter Synthies) überwogen bei weitem das in diesem Genre ansonsten so gerne favorisierten (weil bequemeren) Abrufens von vorprogrammierten Sequenzen per Pad.

Bei der Show von Mø ging es dann weniger darum, Werbung für neues Material zu machen (obwohl sich z.B. mit "Riot Gal" und "All I Do" oder "True Romance" auch neue Tracks auf der Setlist befanden) - sondern vielmehr darum, zusammen mit dem begeisterten Publikum eine große Party zu feiern. Dazu wurden dann eher die Hits bemüht - natürlich auch inklusive der aktuellen Tracks wie eben "Kamikaze", "Final Song" oder auch Major Lazer-Produktionen wie "Cold Water" (hier natürlich ohne Justin Bieber, aber dafür akustisch) zum Abrunden. Dazu suchte Mø von Anfang an die Nähe zum Publikum - zunächst indem sie sich an den vorderen Bühnenrand kniete und die ersten Reihen direkt anspielte - später dann indem sie sich (zum Leidwesen eines eifrigen Sicherheitsbeamten, der ihr dann immer nacheilen musste) in den Sicherheitsgraben begab und direkten Kontakt mit den Fans aufnahm. Dazu gab es ein beeindruckendes Bühnensetting mit einem Beleuchtungsobjekt, das entweder "M" oder "Ø" oder beides leuchten und blaue Glühwürmchen auf die Reise schicken konnte und gleich sechs Mirrorballs, die von einer ganzen Batterie von Spots nach einem ausgeklügelten dramatischen Konzept angestrahlt wurden. Wie gesagt agierte die Band dazu höchst organisch (Møs Gitarrist hatte z.B. ein ganzes Rack unterschiedlich gestimmter E-Gitarren zur Verfügung), so dass auch hier die gerne beim E-Pop vorbestimmte Sterilität umgangen werden konnte.

Das mag nun im Detail trotz aller Vielseitigkeit alles nicht besonders neu oder einzigartig gewesen sein - in der Summe aber zeigt Mø ein ziemlich grandioses Konzept, um als genreübergreifende Pop-Künstlerin für Aufruhr zu sorgen. Vielleicht auch deswegen, weil sie einen Weg zwischen Indie-Integrität und hemmungslosem Pop-Appeal gewählt hat und diesen auch durchaus glaubwürdig zu beschreiten weiß. Der Erfolg gibt ihr wohl recht: Zwei Jahre nach der Veröffentlichung des letzten Tonträgers und ohne neuen muss man auch erst mal eine ausverkaufte Tour hinbekommen...



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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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