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Männer, die auf Ziegen starren

Goat
Josefin Öhrn + The Liberation

Köln, Stadtgarten
10.10.2016

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Goat
Im Grunde genommen, waren es am Ende dann doch Männer und Frauen, die auf Ziegen starrten - denn die schwedische Mystiker-Combo Goat hat mit ihrer farbenfrohen Verkleidungs-Revue nicht alleine die Herren der Schöpfung als Fans im Blickwinkel. Bevor aber die psychedelischen Weltmusikanten den Druiden zeigen konnten, wo die Sichel hängt, durfte deren Landsleute Josefin Öhrn + The Liberation die Songs ihres neuen Albums "Mirage" präsentieren, das offiziell erst wenige Tage nach dem Tour-Auftakt erscheinen sollte.
Wie auch Goat sind Josefin und ihre Mannen psychedelisch nicht gerade unbeleckt - verfolgen aber doch eine andere Zielrichtung als Goat. Denn Josefin & Co. bringen - als bekennende Krautrock-Liebhaber und Can-Fans - einen insbesondere rhythmischen Aspekt ins Spiel, der ihren zweifelsohne dominierenden Rock-Ansatz tatsächlich mit einer ziemlich unerbittlichen Motorik unterlegt, die wie dazu gemacht scheint, die - teilweise durchaus auch mystisch angelegten - Songs in einen Extase-Rausch zu überführen, mit dem dann regelmäßig die Tracks auch enden. Großen Anteil daran hat zweifelsohne der Bassist der Band, Patric Thormann (den aufmerksame Beobachter aus der vorletzten Band-Konstellation von Anna Ternheim in Erinnerung haben könnten), der die Tracks mit seinem pulsierenden Spiel sozusagen aus dem Untergrund heraus antreibt. Im krassen - aber durchaus interessanten - Gegensatz dazu ist die eher kontrollierte bzw. fast schüchterne Art zu sehen, mit der Josefin die Lyrics ihrer Songs mehr daherflüstert als singt und diese auch mit einer gewissen Zurückhaltung präsentiert, die sicherlich auch darin begründet liegt, dass sie ihre Persönlichkeit als gleichermaßen intro- wie extrovertiert ansieht. Rechtzeitig zur Tour wurde die Band mit zwei Gitarristen erneuert, was zu einem knackigen Rockdrive führte. Wie auch bei dem folgenden Auftritt von Goat ging es hier teilweise um Beschwörungstheorien, denn auch Josefin & Co. beschworen das Publikum - etwa inhaltlich, wie in dem Track "Sister Green Eyes" oder einfach durch die zur Show getragene Unerbittlichkeit. Dieses war beispielsweise auch bei dem eher unverfänglich beginnenden Song "In Madrid" zu beobachten, der sich dann zu einem Orkan entwickelt. Normalerweise spielt Josefin bei all dem auch noch selbst Gitarre - jedoch hatte sie sich erstens an dem Tag in den Finger geschnitten und musste zweitens den verhinderten Keyboarder ersetzten - denn neben den treibenden Gitarren spielen Synthies eine gewichtige Rolle im Klangbild von The Liberation. Insgesamt ging das Ganze dann als eine Art Visitenkarte für den Tonträger "Mirage" durchaus auch in Ordnung - war dann allerdings (aufgrund dessen, dass Josefin halt nun mal den Support-Part zu spielen hatte) doch ein wenig zu kurz. Da das allerdings von vorneherein klar war, gab es auch keine Misstöne dessentwegen - ganz im Gegenteil: Josefin empfahl sogar ausdrücklich, sich die Goat-Show anzuschauen und tat dieses auch selbst.
Naturgemäß dauerte der nachfolgende Umbau etwas länger, denn es mussten ja zwei komplette Band-Backlines ausgetauscht werden. Die Fans, die zwischenzeitlich den Stadtgarten ganz gut gefüllt hatten (nachdem zu Konzertbeginn nur eine Hand voll Zuschauer anwesend waren), wussten natürlich, was sie im Folgenden erwartete. Die Band Goat gilt ja gemeinhin nicht als eine, die sich oder ihre Musik in irgend einer Weise erklärt - und insofern blieb es dann jedem überlassen, das sich entfaltende Szenario auf seine Art zu deuten. Dazu gehörten zum Beispiel zwei druidische Weihnachtsbäume, von denen einer sogleich in sich zusammenfiel und wieder aufgerichtet werden musste. Und dann waren da ja noch die farbenfrohen Kostüme der Band, die sich im Übrigen nie unmaskiert präsentiert. Hier gab es dann einen Mix aus Hippie-Gewändern, Inka-Masken, Tribal-Accessories, ethnischen Kutten und allen möglichen Paraphernalien, die sonst noch beispielweise in einem mittelprächtig ausstaffierten Mad Max oder Star Wars-Film zu finden wären. Musikalisch ging es darum, das neue, soeben veröffentlichte Album "Requiem" zu präsentieren - bzw. zu beschwören - und das wurde dann auch ausgiebig getan. Und zwar in Form einer ausufernden Tanzparty. Angeführt von den beiden singenden Vortänzerinnen des Ensembles gelang es der Band mühelos das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Es war schon faszinierend zu beobachten, mit welcher Power und Energie die beiden Damen abwechselnd das Publikum, ihre Bandmitglieder und vor allen Dingen sich selbst mit theatralischen und eben beschwörenden Gesten bei Laune hielten und animierten, so weit wie möglich mitzumachen. Rein musikalisch war vielleicht zu beobachten, dass noch mehr Instrumente zum Einsatz kamen, als beispielsweise auf den Konserven zu hören sind - darunter Myriaden von Perkussionsinstrumenten, Blockflöten, Mundharmonikas und Tribal-Instrumenten, die den weltmusikalischen Ansatz der Band durchaus unterstrichen. Allerdings in Form einer angefunkten Rock-Show, denn die beiden Gitarristen dominierten das Geschehen sehr viel deutlicher als auf den Studioaufnahmen und gingen geradezu darin auf, sich mit abwechselndem Rhythmus- und Soli-Geplänkeln gegenseitig zu ergänzen und auch anzutreiben. Im Allgemeinen ging das dann - trotz tüchtigem Kunstnebeleinsatz und psychedelischer Lightshow - eher in Richtung Sly & The Family Stone als etwa in Richtung Hippie-Trance-Party. Und noch etwas fiel auf: Die Band scheint die Stücke insbesondere von "Requiem" heimlich geübt zu haben, denn Songs wie der Opener "All Seing Eye" mit seinen treibenden Tribal-Drums und knackigen Gitarrenriffs, "Union Of Sun And Moon", der solche Details enthält wie synchron gespielte Blockflöten oder die eigenartige African-Reggae-Emulation "Try My Robe" gerieten wesentlich konkreter und weniger zerfasert als auf der Konserve. Und besonders angenehm fiel im Live-Kontext das Timing ins Gewicht. Musik wie diese, die auch viele instrumentale Passagen enthält, droht ja gerne auf der Bühne in endlosen Gniedel-Sessions auszuarten. Nicht so in diesem Fall: Goat schafften es, alle Nummern deutlich unterhalb der Grateful Dead-Schmerzgrenze nach Hause zu fahren, so dass sich die Bewusstseinserweiterung am Ende glücklicherweise dann auch in Grenzen hielt. Insgesamt war dieses also ein angenehm kurzweiliger und abwechslungsreicher psychedelischer Abend.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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