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Konzert-Bericht
 
Sternenstaub

Line Bøgh
Andreas Vey

Köln, Die Wohngemeinschaft
21.10.2016

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Line Bøgh
Eher erstaunt als erfreut musste Andreas Vey feststellen, dass man von seiner Heimatstadt Paderborn nach Köln eher drei Stunden unterwegs ist, als die anderthalb Stunden, die das Navigationssystem angezeigt hatte. Da er zudem noch ziemlich durch den Wind war, weil er zuvor mit seinem Partner, der Ein-Mann-Rhtyhmusgruppe Michael Klein, so lange für diese Show geübt hatte, dass man sich eigentlich nicht mehr sehen könne, wirkte der Vortrag des jungen, aber großen Songwriters in der Kölner Wohngemeinschaft etwas unorganisiert und fahrig.
Freilich änderte das dann nichts an der Faszination, die sein komplex ausgerichtetes und selbst im hier dargebotenen Minimalsetting abwechslungsreich dargebotenes Songmaterial ausstrahlte. Oder der rauen Kraft seines Gesangsvortrages - wobei der Mann ein Mikrofon eher als unverbindliches Angebot zu sehen scheint und gerne mal an diesem vorbei sein mächtiges Organ röhren lässt. Das verträgt sich aber ganz gut mit dem angestrebten Ziel - denn nicht zu unrecht wird Vey zuweilen mit Jeff Buckley verglichen. Dabei haben diejenigen, die das tun sogar mehr recht, als dies das bloße Namedropping vermuten ließe, denn wer Jeff Buckley ein Mal live erleben hat können, der wird bestätigen können, dass Andreas Vey diesem weniger in der Art, wie er sein Material strukturiert nahe kommt, sondern in der Art, wie er dieses interpretiert. Das war dann fast schon ein wenig uncanny. Heutzutage steht Andreas Vey jedenfalls mit seinem Konzept in der hiesigen Musikszene ziemlich einzig da.
Ein wenig ist das auch bei der Dänin Line Bøgh so. Diese machte in einer ihrer sympathischen und ausführlichen Ansagen zunächst mal grundsätzlich deutlich, was die Dänen denn von anderen Skandinaviern - namentlich den Schweden - unterscheide. Während der Schwede grundsätzlich verlässlich und solide ist, ist er im Vergleich zum Dänen aber auch langweiliger - was im Umkehrschluss bedeutet, dass Dänen unterhaltsamer sind; was Line im Folgenden dann auch mit ihrem Auftritt belegte. Der Humor, auf dessen Level sich das Folgende einpegelte, ist dann aber kein schenkelklopfender Banalwitz, sondern eher eine feinsinnige Angelegenheit, die einlädt, bei den leicht naiven, aber durchaus charmanten Erkenntnissen, die Line aus ihren Beobachtungen gewinnt, mitzuschmunzeln. Ihre aktuelle CD etwa heißt "Something Else And Something Else And Something Else Again". Alles klar? Insofern wundert es dann auch nicht, dass in ihren Texten die banalsten Dinge geradezu magische Qualitäten annehmen - sei es glitzernder Beton, gefrorener Rauch oder Dänemarks einziger Berg (mit einer Höre von 150 m), in dessen "Schatten" sie aufwuchs. Das ist - im übertragenen Sinne - im Ergebnis dann so etwas wie Musik gewordener Sternenstaub, den Line da verstreut.

Spirituell ist das Ganze dabei allerdings weniger - denn obwohl Line den Jakobsweg beschritten hat, sind dabei keine Songs entstanden (wie sie fast entschuldigend erläuterte) und überhaupt beschäftigt sich Line durchaus auch eher mit irdischen Dingen - nur dass sie diese halt von einer eher poetischen Perspektive heraus betrachtet. Musikalisch war das Ganze natürlich nicht wirklich als Rock'n'Roll-Show angelegt. So hatte Line auf jegliche rhythmische Akzente, wie sie auf ihrem Album durchaus zu finden sind, verzichtet, sondern konzentrierte sich darauf, ihr Material - am Piano sitzend - hauptsächlich in Zusammenarbeit mit ihrem Gitarristen Rasmus Ploug darzubieten. Da Rasmus offensichtlich Erfahrungen aus dem Jazz und dem klassischen Gitarrenspiel einzubringen hat und Lines Songs zudem dazu tendieren, sich mit geradezu abenteuerlichen Harmoniewendungen um letztlich wunderschöne Melodien zu ranken, bekam das Ganze einen dezent jazzigen Touch. Normalerweise tourt Line mit ihrer Schwester Johanne. Auf dieser Tour schien diese jedoch verhindert gewesen zu sein und so war Line stattdessen mit einem leicht desorientiert hantierenden Moog-Bassisten unterwegs, der zuweilen dann doch von den technischen Möglichkeiten seines Instrumentes überwältigt zu sein schien und deswegen im allgemeinen Klangbild keine sehr prägende Rolle übernahm. Insgesamt war das Ganze aber - nicht zuletzt aufgrund der ungemein sympathischen Bühnenpräsenz Lines - ein wunderschöner, heiterer und entspannter Konzertabend.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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