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Immer mit der Ruhe

Holly Golightly
Huckleberry Hearts

Köln, Museum
04.11.2016

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Holly Golightly
Aktuelle Veröffentlichungen und Touren miteinander zeitlich zu koordinieren, ist nicht so Holly Golightlys Sache. So erschien zwar 2015 unter dem Titel "Slowtown Now" nach 11 Jahren "Pause" wieder mal ein Tonträger unter eigenem Namen (und mit "Coulda Shoulda Woulda" auch gleich noch eine Brokeoffs-Scheibe) - doch die dazu eigentlich passende Tour fand (nachdem sie schon um fast ein Jahr verschoben worden war) erst jetzt statt. Nicht, dass das irgendeine Rolle gespielt hätte (außer der, dass die Kölner Karaoke-Eck-Kneipe "Museum" bis zum Bersten mit übereinandergestapelten Fans gefüllt war), denn Holly ist Holly und bleibt ihrem typischen Retro-Stilmix auch in der aktuellen Inkarnation treu - daran ändern auch neue Veröffentlichungen nichts.
Den Support machte das Trio Huckleberry Hearts aus Heidelberg. Das deswegen, weil ein aufmerksamer Beobachter festgestellt hatte, dass die Heidelberger mit ihrem Retro-Americana-Zeitlupen-Stilmix musikalisch recht gut zu Holly Golightly passten. Das stimmte in mehrerlei Hinsicht. Denn die Heidelberger kommen mit ihrem (zwar akustisch ausgerichteten Ansatz) in Sachen heiterer Gelassenheit dem recht nahe, was Holly und ihre Musikanten präsentationstechnisch auch so darbieten. Außerdem passen die Huckleberry Hearts auch altersmäßig ganz gut ins Bild. Einen Unterschied gibt es freilich im musikalischen Ansatz, denn die Huckleberry Hearts haben es weniger mit der absoluten Stiltreue, sondern probieren musikalisch auch mal was aus - etwa indem sie eigene Tracks mit einem unbestimmten Jazz-Swing unterlegen, Coverversionen entschleunigen oder auch mal einen Song auf Spanisch intonieren. So richtig mitreißend war das dann am Ende allerdings leider doch nicht - zum einen, weil insbesondere das eigene Material nicht so recht zünden wollte und zum anderen, weil das Trio die Sache mit dem Entschleunigen zu genau nahmen und vor allen Dingen für einen Support-Act unverschämt lange spielte. Weniger wäre hier tatsächlich mehr gewesen.
Holly und ihre Musiker waren erst kurz vor der Show angereist und hatten insofern keine Gelegenheit mehr gehabt, einen richtigen Soundcheck zu machen. Nicht, dass sie das unbedingt nötig gehabt hätten, denn wie sich zeigte, stimmte der Sound von der ersten Sekunde an. Tatsächlich hatte sich die ganze Band konsequent auf das angestrebte 50s und 60s Setting eingeschossen und bot zwischen - sagen wir mal - Rockabilly-Affinität, Mersey Beat-Sound, Motown-Drums-Opulenz, Country-Seligkeit und Vaudeville-Sentimentalität handwerklich exzellente Basisarbeit. Das ging so weit, dass auch klassisches Vintage-Equipment zum Einsatz kam. Die Garagenrock und Punk-Historie von Holly Golightly spielte bei dieser Show nun überhaupt keine Rolle mehr. Stattdessen hat sich Holly auf eine coole Art in ihrem verschleppten Zeitlupen-Retro-Universum eingerichtet und trägt ihr Material auf eine fast stoische und ungemein lässige Art vor. Das soll nicht heißen, dass dabei geschlampt würde (denn musikalisch passiert da so einiges und kommt auch im Live-Kontext wesentlich druckvoller und spielfreudiger rüber als auf den zuletzt etwas schnarchnasig angelegten Studio-Produktionen), es soll aber heißen, dass bei Holly heutzutage der Rock nun überhaupt nicht mehr wichtig ist. Nicht von ungefähr tragen ihre beiden letzten Solo-Veröffentlichungen den Begriff "Slow" im Namen, denn die meisten Songs werden von Holly & Co. betont lässig dahingeschluft. Warum aber sollte die Dame auch hetzen? Sie braucht schließlich niemandem mehr etwas zu beweisen. Ergo bewegte sich Holly ganz ungezwungen im Retro-Setting und kam dabei auch sehr authentisch rüber. Das einzige, was vielleicht ein bisschen nervte, war dabei der Umstand, dass sich die Gute (wie auch auf der aktuellen "Slowtown"-CD) bei all dem stimmungsmäßig überwiegend im Dur-Sektor tummelte. Mehr Moll-Tonlagen (wie sie ja zum Beispiel auf der vorletzten Holly-Scheibe "Slowly But Surely" dominierten) und eine Prise Düsternis hätten hier sicherlich nicht geschadet, sondern - im Gegenteil - die Glaubwürdigkeit des Vorgetragenen noch unterstrichen.

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Surfempfehlung:
www.hollygolightly.com
www.facebook.com/hollygolightlymusic
www.facebook.com/huckleberryhearts
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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