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Wellenritt

Josin

Köln, Die Wohngemeinschaft
07.11.2016

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Josin
Erstmalig trat Josin (die im richtigen Leben Arabella Rauch heißt) in einem größeren Rahmen auf dem Reeperbahn Festival 2015 ins Licht der Öffentlichkeit. Dort präsentierte sie bereits Songs ihrer selbst verlegten EP "Evaporation" und machte weiland schon Hoffnung darauf, dass alsbald dann auch eine LP folgen könnte. Aber das Musik-Machen kann zuweilen eine ganz schön langwierige Angelegenheit sein - jedenfalls dann, wenn man (wie Josin) nach einer ganz eigenen Art sucht, sich musikalisch auszudrücken. Das räumte sie dann auch auf dem ersten Konzert ihrer ersten Headliner-Tour ein, nachdem sie zuvor schon als Support für Acts wie RyX unterwegs gewesen war. Da das Konzert in ihrer alten Heimatstadt Köln angesetzt war, hatte das zur Folge, dass die Wohngemeinschaft am Ende fast vollständig gefüllt war. Es galt des Weiteren auch die Veröffentlichung ihrer ersten Single "Oceans Wait" zu feiern, die nun auf einem offiziellen Label erfolgt.
Worum aber geht es bei Josin? Also: Zu Hause, im stillen Kämmerlein erarbeitet sich Josin imposante Kompositionen auf dem Keyboard und/oder auf der Gitarre, die sie dann auf der Bühne - ganz alleine (nur mit Unterstützung einiger abgerufener Sequenzen, elektronischer Beats und Effekte) zu regelrechten Taschensymphonien aufbläst. Dabei kombiniert sie ihren zuweilen faszinierend sirenenhaften Gesang mit den live gespielten Leitmotiven, die im Folgenden mit den erwähnten Effekten aufgepimpt werden. Dabei gelingt es ihr dann sogar sozusagen mit sich selbst zu jammen - und das teilweise mit dem Keyboard, der Gitarre und manchmal sogar mit beidem. Nur gelegentlich - beispielsweise bei ihrem letzten, noch nicht fertigen Song ohne konkreten Titel - beschränkt sie sich ganz auf ein Instrument wie in diesem Fall die Gitarre. Der Effekt dieser Vorgehensweise ist dann der, dass ein Josin-Konzert - obwohl da ja nur eine Person ohne besondere Showeffekte vor sich hin hantiert - zu keiner Sekunde langweilig wird.
Ganz im Gegenteil: Josin gelingt es mühelos, den Zuhörer in ihren musikalischen Sog hineinzuziehen. Ein gutes Beispiel dafür ist die erwähnte Single "Oceans Wait", die sich weniger als Song, sondern als eine Art musikalischer Welle gebärdet, auf der sich Josin dahintreiben lässt bzw. auf der sie surft (und natürlich den Hörer dabei mitnimmt). Das liegt dann nicht alleine an der beschriebenen Struktur der Performance und der Stücke, sondern auch an der Qualität ihrer Harmonien und Melodien, die sie geschickt jenseits des Erwartbaren auf geradezu hypnotische Art um ihren eindrücklichen Gesang herum aufzubauen weiß. Wenn Musik sozusagen süchtig machen kann, dann hat Josin ein Rezept gefunden, das hinzubekommen. Dass ihre Songs auch eine Geschichte haben, wird aufgrund der mystischen Texte und des eher lautmalerischen Vortrages nicht ohne weiteres deutlich. Josin vermag aber durchaus glaubwürdig zu versichern, dass sich hinter den Texten ganze philosophische Universen und Gedankengänge verbergen. Wichtig scheint bei all dem, dass die Songs weniger eine Geschichte erzählen, als eine haben und dass es Josin eher darum geht, Gefühle zu vermitteln als Handlungen zu beschreiben. Das erklärt dann auch, dass sie ihre Songs konsequent mit geschlossenen Augen darbietet. Deswegen ist ihre Angst, etwa zwischen den Songs gar zu viel zu diesen zu erzählen, unbegründet - denn so lässt sich das Josin-Universum einfach auch besser verstehen.

Noch eines sollte nicht unerwähnt bleiben: Wer insbesondere Josins Up-Tempo-Nummern wie "Midnight Sun" aufgrund der technischen Umsetzung einfach mit einem Radiohead-Rip-Off gleichsetzt (wie das zuweilen schon mal kolportiert wird), der greift schlicht zu kurz, denn Josins Art an die Sache heranzugehen, hat schon eine sehr eigene Note, die mit ein paar harmonischen Referenzen nicht einfach abgetan werden kann. Es wird auf jeden Fall interessant sein zu beobachten, was sich aus diesen Ansätzen noch alles machen lässt - falls denn mal eine LP fertig werden sollte.

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Surfempfehlung:
www.facebook.com/josinmusic
www.soundcloud.com/josinmusic
www.instagram.com/josinmusic
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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