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Völlig durchgedreht

The Fleshtones

Solingen, Cobra
10.11.2016

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The Fleshtones
Keine Frage: Fleshtones-Shows haben schon etwas gospelartiges. Jedenfalls stürzen sich Peter Zaremba und seine Mannen auch noch nach 40 Jahren im Geschäft mit einer Inbrunst ins Geschehen, als gelte es, die versammelte Fangemeinde im apostolischen Sinne zu bekehren. Oder doch wenigstens zu beschwören. "We are back", intonierte Peter zunächst mal einleitend (und im Folgenden immer wieder), bevor sich die Band dann mit "Bigger & Better" erläuternd in die Party stürzte. Für eine Band, die das, was sie tut (Power-Pop, Garagenrock und Punk mit Gusto zu einer eigenen Genussmittelklasse zu verquicken), schon so lange macht, kommen die Herren mit einer Frische und Kraft daher, die zuweilen nicht mal von Bands im Enkel-Alter erwartet würde.
Dabei gelingt den Fleshtones etwas sehr Faszinierendes: Während sich die Jungs als Performer zu keiner Sekunde ernst nehmen, für jeden Irrsinn zu haben sind und total Over-The-Top agieren, liefern sie auf der anderen Seite brillantes musikalisches Fachhandwerk ab, das (rein spieltechnisch) ganz ohne Ironie auskommt, sondern - im Gegenteil - ernsthafte Maßstäbe im Genre setzt. Wes Geistes Kind die Fleshtones sind, lassen sie die Zuhörer zu jeder Sekunde spüren. Wenn Peter Zaremba etwa die Zeitgenossen, Orte und Ereignisse zitiert, an denen die Fleshtones Teil hatten (CBGBs, Max's Kansas City, Patti Smith oder Television, um nur einige wenige zu nennen), läuft dem Kenner der Materie ein kalter Schauer der Ehrfurcht den Rücken herunter. Und wenn die Fleshtones dann den Ramones als wichtigsten ihrer Zeitgenossen die Referenz erweisen, dann gibt es kein Halten mehr. Das gab es aber sowieso nicht, denn Count Zaremba (wie die Bühnenpersona von Peter sich nennt) und seine Kollegen sorgen ständig für Bewegung auf und vor der Bühne. Unter anderem durch das "Wheel Of Talent". Das ist eine Art bewegungstechnischer Gruppentherapie, bei der durch das Drehen auf der Stelle (sowohl der Musiker wie auch des Publikums) Talent-Energie erzeugt wird. Schon alleine in diesem Sinne war die Show der Fleshtones weniger bekloppt (wie es im charmanten Ankündigungstext des Events nicht ganz unrichtig geheißen hatte), sondern vielmehr ganz schön durchgedreht.
Ihre aktuelle CD "The Band Drinks For Free" ignorierten die Jungs bis auf wenige Ausnahmen eigentlich eher - dafür gab es aber alle möglichen Hits. "Moment mal - wir haben doch gar keine Hits", meinte Keith Streng gespielt verwundert. "Doch, haben wir - die sind halt nur nicht von uns", widersprach Peter Zaremba und stimmte das Bonnie St. Clare-Cover "I Surrender" an. Von dieser Sorte gab es noch ein paar andere Beispiele wie z.B. "The Gasser" von den Hondells oder eine spanisch gesungene Version von Arthur Lees "Love Like A Man" als "Ama como un hombre". Daneben amüsierte Peter mit gekonnt improvisierten Deutsch-Brocken. Auch die eigenen Hits vernachlässigten die Fleshtones keineswegs und boten von "Teenage Zombie" bis hin zum abschließenden "American Beat" alles, was das Herz diesbezüglich begehrt. Dazu zogen die Fleshtones alle Register des Showmanship, machten immer wieder Ausflüge ins Publikum (was nicht besonders schwer war, da die Leute ja in der kleinen Eckkneipe nirgendwohin ausweichen konnten), deklamierten immer wieder, dass sie "in the house" oder "on the campus" seien, beschworen das "Wheel Of Talent" und präsentierten wirklich jede Rockstar-Geste, die jemals erfunden worden war. Die eindringliche Bitte Peter Zarembas, die dieser im Vorfeld der Veröffentlichung des neuen Albums ausgesprochen hatte - man möge die Scheibe zwar goutieren, vor allen Dingen aber die Live-Shows der Band besuchen, da sie nur so richtig zu verstehen sei -, war also alles andere als eine leere Floskel gewesen. Und ganz en passant zeigten die Fleshtones auch, dass man auch als Rockmusiker im gesetzten Alter dann wohl doch nicht unbedingt auf den Blues umsteigen muss.

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Surfempfehlung:
www.facebook.com/The-Fleshtones-Official-177240861436/
www.yeproc.com/artists/the-fleshtones
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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