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Konzert-Bericht
 
Colognese

Sara Hartman
Kilian & Jo

Köln, Luxor
15.11.2016

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Sara Hartman
Obwohl die in Berlin lebende und arbeitende US-Amerikanerin Sara Hartman (immer) noch keinen Longplayer veröffentlicht hat, konnte sie es sich leisten - nicht zuletzt aufgrund ihrer Single-Titel "Monster Take Me Home" und "Satellite" -, bereits jetzt eine erste Headliner-Tour durch ganz Europa in Angriff zu nehmen - nachdem sie sich im Laufe des letzten Jahres bereits punktuell mit ihrer Band einem Live-Publikumstest unterzogen hatte. Deswegen war es nicht mal anmaßend, dass sie gleich bei ihrem ersten Gig auf deutschem Boden im mittelgroßen Kölner Luxor aufspielte, der dann auch erfreulich gut gefüllt war als es kurz vor 20 Uhr mit dem Set der beiden Elektronik-Frickler Kilian & Jo los ging.
Kilian & Jo sind etablierte Club-Produzenten, kommen - wie Sara Hartman - aus Berlin, sind Labelkollegen und haben zusammen mit Sara den Song "Bloody Nose" produziert. Das erklärte also die Anwesenheit der musikalisch zu Saras Power-Pop vollkommen inkompatiblen E-Pop-Jongleure, die ihr Programm durch Knopfdrücken, ein wenig E-Drumming und der vokalen Mithilfe des androgynen Gastängers Erik Rapp präsentierten. Da das Set aus weitestgehend vorprogrammierten Sounds, abgerufenen Sequenzen (inklusive eingespielter Vocal-Tracks) und ein wenig Sound-Tweaking bestand, passierte auf der Bühne natürlich nicht viel. Zumal die Herren hinter ihrem gewaltigen Equipment, das auf einem breiten Tisch am Rande der Bühne aufgebaut war, kaum zu sehen waren (weswegen Rapp hinter ihnen auf einem Koffer stehend gestikulierte). Obwohl das R'n'B-inspirierte Club-Material - wie gesagt - musikalisch so gar nicht zu dem organischen Ansatz passte, den Sara Hartman verfolgt und (auch wegen des rein elektronischen Settings) ziemlich steril rüberkam, ernteten die Jungs immer wieder artigen Szene-Applaus. Das mag auch damit zusammen hängen, dass Sara Hartman die Verbindung zu den Jungs selbst immer wieder kolportierte. Musikalisch machte das Ganze jedenfalls nicht so viel Sinn.
Wie gesagt gibt es von Sara Hartman bislang noch keinen Longplayer - das bedeutet aber nicht, dass die Dame nur über ein eingeschränktes Repertoire verfügt. Auf ihrer Setlist tummelten sich immerhin 15 Tracks, von denen nur einer - immerhin "Gold Lion" von den Yeah Yeah Yeahs - eine Coverversion darstellte. Auf der Bühne präsentiert sich Sarah mit ihrer nur zweiköpfigen Band in einer Art organischem Power-Pop-Setting, das aber durch zahlreiche elektronische Mittel augmentiert wird. Dabei verzichtet Sara, die selbst Gitarre spielt, bemerkenswerterweise auf einen eigenen Bassisten, sondern überlässt diesen Part ihrer Keyboarderin Julia Hügel (die sie - wie auch Drummer Markus Perner - aus der Band von Thees Uhlmann entliehen hat), die zudem mit dem Abrufen der o.ä. Elektronischen Effekte und dem Harmoniegesang die vielbeschäftigteste Musikerin auf der Bühne war (sieht man mal von Perners Einsatz als Bühnenfotograf ab). Sara und ihre Musiker präsentierten ihr Material mit einer schon ansteckenden Begeisterung (wobei Sara augenzwinkernd meinte, dass sie trotzdem cool bleiben wolle) und überzeugen insbesondere in den druckvolleren Passagen durchaus auch im Rock-Sinne. Es sollte aber noch darauf hingewiesen werden, dass der Sound im vergleichsweise kleinen Luxor-Club sehr viel differenzierter und brillanter ausgepegelt war, als bei den Festival-Auftritten im Sommer.

Angesichts ihres offensichtlich jugendlichen Alters überzeugt Sara Hartman als Performerin mit einer zwar ausgeschlafenen, aber nicht unsympathischen Routine und einem direkten Rapport zum Publikum - ganz so, als mache sie das alles schon seit 20 Jahren. Stilistisch bietet das Material so einige Überraschungen - wie z.B. den "spanking new song" namens "Anchor", der als flotte Disco-Nummer daher kommt, die als E-Pop-Nummer ausgelebte Kollaboration mit Kilian & Jo, "Bloody Nose", die - natürlich mit den Protagonisten als Gästen - Weltpremiere feierte oder die solo dargebotene letzte Zugabe "Someone Like Me", die Sara als Anleitung zu lernen sich selbst zu lieben verstanden werden möchte. Überhaupt machte sich Sara die Mühe, die Entstehungsgeschichte einiger ihrer Songs - so auch für die Nummer "From The Other Side Of The World", die sie für ihre damals siebenjährige Schwester geschrieben hatte - zu erläutern und machte auch mal Späße mit dem Publikum; zum Beispiel als sie anregte, die Sache zu einer Colognese zu machen (weil nämlich ihr Korrekturprogramm "Bolognese" als Alternative zu "Cologne" vorgeschlagen habe, als sie den Abend auf Twitter ankündigen wollte). Natürlich gab es auch die "Hits" aus dem Repertoire Saras - womit die bislang veröffentlichten Tracks "Monster Lead Me Home" und "Satellite" gemeint sind, die Sara und ihre Band in recht ordentlichen Live-Versionen präsentierte, die dennoch den Geist der Studio-Produktionen inne hatten. Mal abgesehen, dass vielleicht ein wenig zu intensiv von dem Mittel des "Oh oh - oh oh"-Chorgesangs Gebrauch gemacht wurde, gefielen die Songs durch eine abwechslungsreiche Darbietung, wobei Sara zwischen elektrischer und akustischer sowie gar keiner Gitarre wechselte und Julia Hügel neben etlichen Keyboard-Settings auch immer wieder vorprogrammierte Passagen von einem Computer abrief (die freilich nicht störend ins Gewicht fielen). Sogar, was die Setlist betraf, hatte sich Sara eine gewisse Dramaturgie überlegt und die "Hits" im Programm verteilt und eine "emotionale" Strecke mit mehreren Balladen eingebaut. Am Ende dürfte dann dieser Konzertabend als ziemlich perfekte Visitenkarte für die Live-Performerin Sara Hartman in Erinnerung bleiben. Nun wird es aber wirklich langsam mal Zeit mit dem Longplayer...

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Surfempfehlung:
www.sara-hartman.com
www.facebook.com/sarahartmanmusic
www.facebook.com/kilianandjo
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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