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Lina Maly
Poems For Jamiro

Köln, Studio 672
29.11.2016

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Lina Maly
"Es gibt einen Support-Act", meinte Lina Maly vor der Show auf ihrer ersten Headliner-Tour auf die Frage, wann der Konzertbeginn angesetzt sei, "der ist aber super - den musst du dir anschauen." Das war dann kein leeres Gerede: Beim Auftritt ihrer Hamburger Freundinnen von Poems For Jamiro stand der eigentliche Star des Abends im Türrahmen neben der Bühne und schaute sich selbst den Vortrag von Lina Müller und Laila Nysten an. Mit dem angesetzten Konzertbeginn wurde es allerdings nix: Aufgrund des komplexen elektronischen Equipments der beiden Damen zog sich der Soundcheck für Poems For Jamiro endlos hin, so dass die Sache erst mit fast einer Stunde Verspätung losgehen konnte - dafür dann aber auch richtig.
Poems For Jamiro - die übrigens wie Lina Maly selbst auch auf dem letzten Reeperbahn Festival aufgetreten waren - bieten einen ziemlich einzigartigen Mix, der im Prinzip auf klassischen, englischsprachig vorgetragenen Folkpop-Songs basiert, die aber in einem hypermodernen E-Pop-Setting angerichtet werden, das dann wieder durch den atemberaubenden Harmoniegesang der beiden Damen relativiert wird. Zusätzlich gibt es dann auch noch organische Bestandteile: Nina Müller ist die Pianistin des Projektes und Laila Nysten betätigt sich als Violinistin und gelegentlich mit einem Glockenspiel. Wohl gemerkt: Zusätzlich zu den geschickt gestaffelten elektronischen Bestandteilen, zu denen neben einem Synth-Bass auch diverse Keyboards und Patches gehören, von denen die Damen orchestrale oder rhythmische Elemente abrufen. "Depressive Popmusik" nannte Nina das ganze dann - zweifelsohne nur halbironisch. Das funktionierte in Köln allerbestens (bis auf Problemchen mit einer gerissenen Geigensaite, die aber nur bei der gemeinsamen A-Cappella-Zugabe "Hin zum Tal" Linas, Ninas und Lailas für schräge Töne sorgte). "Mensch, seid ihr scheißviele", freute sich Nina über das zahlreich angetretene Publikum - das ja eigentlich nur neugierig auf den Auftritt von Lina Maly war, aber im Folgenden durchaus aufmerksam und begeistert auf das Material von Poems For Jamiro reagierte. Was auch kein Wunder nahm, denn in Sachen Harmonie- und Melodieführung sind Poems For Jamiro und Lina Maly durchaus kompatibel - auch wenn es sprachlich eine andere Ausrichtung gibt. "Wir sind keine politische Band", stellte Nina dann auch noch klar - auch wenn es dann doch einen Song zum Weltfrieden gab. Weil Frieden ja auch ganz nett sei.
Nach dem Auftritt von Poems For Jamiro war dann ein aufwendiger Umbau notwendig, denn auch Lina Maly und ihre Band hatten so einiges an Equipment mitgebracht. Was aber auch notwendig war, denn bei dem Konzert sollte es schlicht alles geben, was auf der CD auch zu hören war. Dazu gehörte dann, dass die drei beteiligten Herren der Band ständig die Instrumente wechselten, dass es im Mittelteil der Show einen Akustik-Teil gab und dass natürlich auch alle Tracks des Debüt-Albums "Nur zu Besuch" gegeben wurden - ergänzt um die Heinz Rudolf Kunze-Coverversion "Dein ist mein ganzes Herz" (auf der Setlist übrigens liebevoll abgekürzt als "Dein ist mein G-Punkt (ausgeschrieben)". Das alles bedeutete aber zum Glück nicht, dass dann auch alles so gespielt wurde wie auf dem Album. Stattdessen hatten sich die Musiker die Mühe gemacht, ganz eigene Live-Arrangements für die Tracks zu erarbeiten, die immer wieder durch interessante Details überzeugten. Dazu gehörte der Einsatz bestimmter Keyboard-Settings wie Mellotron- oder Orgel-Sounds, eine Bass-Ukulele oder ein Bass-Synthesizer, Gitarreneffekte, ein eigenes Akustik-Drumkit und überhaupt die Spielfreude aller Beteiligten, von denen besonders Drummer Alex durch seine überbordende Begeisterung herausstach (insbesondere als sein Lieblingssong "Wachsen" an der Reihe war) - die dazu führte, dass auch mal ein Drumstick durch die Gegend kullerte oder er fast von seinem Stuhl gefallen wäre. Musikalisch sicherlich am Spannendsten war dabei der Akustik-Block, in dem die Songs "Schön genug" und insbesondere "Ich will, dass du dabei bist" in - gegenüber dem Album - ziemlich stark veränderten Versionen dargeboten wurden und in dem auch der Kunze-Song seinen Platz fand. Als hier allerdings das Publikum beim Refrain von "Schön genug" kurzerhand den Gesangspart als Chor übernahm, schien Lina Maly irritiert. "Das ist sehr seltsam, wenn ihr den Song mit mir singt", meinte sie, "es ist zwar auch schön - aber seltsam."

Als Performerin agierte Lina von allen Beteiligten tatsächlich vielleicht sogar am zurückhaltendsten. Was daran gelegen haben mochte, dass sie ihr Material hochkonzentriert und gerne auch mit geschlossenen Augen präsentierte. Musikalisch zahlte sich das sicherlich aus - denn es war nun wirklich jedes Detail glasklar zu hören. Als Performerin wirkt Lina hingegen weniger locker als im richtigen Leben. Hier wäre vielleicht ein wenig Spontaneität förderlich - denn momentan notiert sich Lina ihre Ansagen noch auf der Setlist. Aber das kann ja noch kommen. Dass es nämlich auch anders geht, zeigte sich gegen Ende, wo sie im Zugabenteil die Entstehungsgeschichte ihres Songs "Hin zum Tal" (der dann ja mit Poems For Jamiro vorgetragen wurde) erläuterte, bevor dann mit dem abschließenden "Rauschen" noch "einer rausgehauen" wurde, nachdem es zuvor ja doch eine ganze Reihe melancholischer Abschiedssongs gegeben hatte. Insgesamt schien Lina Maly von dem begeisterten Zuspruch der Fans zumindest ein klein wenig überrascht gewesen zu sein. "Ihr seid wirklich super", meinte sie z.B. als das Publikum wieder mal den Chor gegeben hatte. "Du aber auch", rief jemand aus dem Auditorium zurück. Dem ist nichts hinzuzufügen.

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Surfempfehlung:
lina-maly.de
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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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