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Humorlos mit Spaß

Luke Elliot
M. Borgard

Köln, Blue Shell
16.01.2017

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Luke Elliot
Eine eher ungewöhnliche Laufbahn hatte Luke Elliot bereits hingelegt, bevor er nun - auf der von Gaesteliste.de präsentierten Tour - erstmals als Headliner den Weg auf unsere Bühnen fand. Kurz noch mal zur Erinnerung: Der Mann aus New Jersey machte sich zunächst in New York einen Namen als Songwriter, bevor ihn der Regisseur Paul Cantagallo bat, die Musik für seinen Film "Benny The Bum" zu schreiben. Anschließend geriet er zufällig an Christina Schaub, die Managerin Rhinannas, die ihm einem norwegischen Journalisten vorstellte, der ihn einlud, in Norwegen aufzutreten, was wiederum dazu führte, dass er seine Debüt-CD "Dressed For The Occasion" vor Ort in Halden mit einer norwegischen Band einspielte. Nachdem er es als Support von Sivert Höyem bereits punktuell auf unsere Bühnen geschafft hatte, gab es nun - im Rahmen einer (in Norwegen übrigens ausverkauften) Europa-Tour - den Nachschlag als Headliner.
Bei dem Konzert im Kölner Blue Shell stand zunächst mal der Herr Borgard aus Köln auf der Bühne, um seine eigenen Songs und die seiner Band solo vorzutragen. M. Borgard überraschte dabei mit einem erschreckend großen Ego und einer für solche Gelegenheiten bemerkenswert heiteren Attitüde, mittels derer er zwischen seinen Songs hemmungslose Eigenwerbung betrieb. Das war dann fast schon wieder sympathisch. Als Songwriter und wieselflinker Instrumentalist überzeugte M. Borgard mit seinen zum Teil vertrackt, auf jeden Fall aber abwechslungsreich angelegten Tracks deutlich souveräner denn als Sänger. Das liegt allerdings weniger an seiner durchaus durchsetzungsfähigen Stimme, sondern an der eher farblosen Art, in der er seine englischsprachigen Lyrics mit teutonischem Akzent vortrug. Insgesamt war das Ganze nun keineswegs schlecht - nur hätte es bei dem eh schon für 21 Uhr angesetzten Montagskonzert nicht unbedingt noch einen "Anheizer" dieser Art gebraucht. Schon alleine deswegen nicht, weil Luke Elliot und seine Skandinavier die Bühne von der ersten Minute an mit einer beeindruckenden Präsenz und Power dominierten.
Die Sache fing an mit einem ausgedehnten, dramatisch/psychedelisch aufgebohrtem Intro, das - nachdem sich Elliot zu der anfänglich alleine spielenden Band hinzugesellt hatte - allmählich in die Quasi Led-Zeppelin-Kashmir-Hommage der ersten Takte des dramatischen Album-Openers "Get 'Em While They're Hot" überging. Dabei konnte es sich Luke Elliot durchaus leisten, die besten Nummern - wie z.B. eben "Get 'Em" oder die grandiose Ballade "People Like You" - gleich zu Beginn des Konzertes zu verballern. Denn erstens war das, was folgte, im Grunde keineswegs schlechter und vor allen Dingen wurde wirklich alles mit der gleichen, manischen Intensität und Inbrunst dargeboten, die insbesondere Elliot selbst ausstrahlte.

Der eigenartige, dem aktuellen Handball-Lingo entnommene Titel dieser Story - der einen mühelosen Arbeits-Sieg umschreibt -, ist dabei übrigens folgendermaßen zu verstehen: Seine Musik nimm Elliot dergestalt ernst, dass hier nun wirklich kein Anflug von Humor zugelassen wird. Unterhaltsam sind die stilistisch ungemein vielseitig aufbereiteten Tracks zwischen Glam-Rock, Folkpop, Vaudeville- und Gospel-Anspielungen und ein wenig Blues dabei indes allemal und irgendwie scheint die Sache Elliot und seinen Mannen auch tierisch Spaß zu machen - auch wenn niemand wirklich eine Miene verzieht: Elliot selbst singt hochkonzentriert mit geschlossenen Augen und dirigiert dabei mit ausladenden, theatralischen Gesten seine Band (deren hauptamtlicher Geiger erst am Tag zuvor aus Norwegen eingeflogen war), die sich so obercool gibt, dass sie vor Lässigkeit ständig umzukippen droht. Dadurch ergibt sich eine Art von Spannung und Dramatik, mit der man sich bei Club-Konzerten dieser Art eher selten konfrontiert sieht. Zweifelsohne versteht Elliot als Performer etwas von der Kunst der Dramatik. Dabei hilft es, dass er ein kraftvolles, intensives Gesangsorgan sein Eigen nennt, das vom Timbre her zufällig an einen anderen großen Pfauen der Bühne - Rufus Wainwright - erinnert, an den sich der geneigte Kenner dann auch ständig erinnert fühlt. (Zumal Elliot - wie Rufus - souverän zwischen Piano, Gitarre und Solo-Gesang hin und her wechselt.) Das macht aber nix, da Elliot nun doch eine andere Gemengelage bedient. Wes Geistes Kind Elliot als Songwriter ist, zeigte er z.B., indem er Tim Hardins "Reason To Believe" (das sich auch auf seiner CD befindet) als seinen Lieblings-Song bezeichnete und die harmonisch wirklich anspruchsvoll angelegte, abschließende Solo-Ballade "Let It Rain On Me" - genau beobachtet - als seinen besten Song ankündigte. Fast wäre es indes nicht dazu gekommen, da ein loser Stecker eine Interferenz mit einem Bühnen-Spot auslöste, die sich durch ein lautes Brummen bemerkbar machte. Das Problem konnte indes behoben werden, so dass auch einem Zugaben-Block nichts im Wege stand. Luke Elliot zeigte sich hocherfreut über die Rezeption des zwar zahlenmäßig überschaubaren, aber restlos begeisterten Publikums, reicherte das Programm mit Tracks wie z.B. "Benny The Bum" an - und empfahl sich letztlich mit diesem exzellenten Konzert ohne irgendwelche Schwächen im Allgemeinen als heißer Live-Act insbesondere - aber nicht nur - für kalte Winternächte.

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Surfempfehlung:
www.lukeelliot.com
www.facebook.com/lukeelliotmusic
www.mborgard.com
www.facebook.com/mborgardmusic
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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