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Konzert-Bericht
 
Der Blues des Manitou

Element Of Crime

Köln, Live Music Hall
17.01.2002
Element Of Crime
Ein Pärchen steht im Eingang eines Reihenhauses und schmust. Meint er: "Komm, laß uns einen Quicky machen." Meint sie: "Neee, so was mache ich nicht." Meint er: "Dann hol mir doch wenigstens einen runter." Meint sie: "Wieso, ich kenne doch hier gar keinen, der hier wohnt."

Das sind Witze in der Art, wie sie Kölner Taxifahrer auswärtigen Musikanten erzählen, berichtet EOC-Bassist Krischan Hartje nach dem Konzert gespielt empört (während im Hintergrund Altmeister Jim Capaldi mit EOC-Gitarrist David Young fachsimpelte). Dennoch ließen es sich EOC nicht nehmen, der Domstadt in Form des vom Merchandising-Roadie vorgetragenen Songs "Unter dem Rhein" ihren Tribut zu zollen. Immerhin: EOC waren in Köln seit jeher gut gelitten. Seltsam also, daß man gerade zu der vom Publikum sehr gut aufgenommenen Scheibe "Romantik" vom E-Werk in die kleinere Live-Music-Hall wechselte.

Element Of Crime
"Die machen im E-Werk immer so einen Ärger mit der Disco nachher", erläuterte Krischan diesen Umstand. Kurze Rede langer Sinn: Die LMH platzte aus allen Nähten. Es war fast so voll, daß es lohnte, darauf hinzuweisen, daß es schwierig war, die Toiletten oder die Bar zu erreichen (aber wir wollen ja nicht übertreiben). Es gab EOC pur. Das meint: Beschränkt aufs Wesentliche, ohne Vorgruppe, ohne jedwede Gimmicks und immer schön überlegt. Der Bogen spannte sich diesmal musikalisch vom zum Finale vorgetragenen "Fallende Blätter" (auch pur ohne Streicher-Samples oder gar Keyboards) von "Romantik" bis hin zu "I'll Warm You Up", dem ersten Stück von der ersten EOC-Scheibe "Basically Sad", das die Band zum letzten Mal im Luxor (dem jetzigen Prime Club) und nun als vierte Zugabe spielte. Selbstverständlich sind wir beim 80s-Revival dabei", meinte Sven Regener süffisant zu diesem Thema, "schon alleine wegen des Alters. Nicht, daß wir das eigentlich nötig hätten." Intelligente und spritzige Kommentare sind das Metier des Jetzt-Literaten Regener. Schade nur, daß er sich mit diesen Bonmots so sehr zurückhält. "Das hat ja schon mal gut geklappt", meinte er z.B. nach dem ersten Track, "da können wir ja gleich noch ein Stück spielen." Und das taten EOC dann auch - mehrmals, sogar. Beim Publikum war zu beobachten, daß die älteren Sachen genausogut ankamen wie die neuen Stücke - "Alle 4 Minuten" zum Beispiel, "Narzissen & Kakteen" oder "Michaela sagt" von "Psycho" - da wurden zumindest die Refrains immer begeistert mitgesungen. Ansonsten zeigte sich das interessant zusammengewürfelte Auditorium, in dem Yuppies einträchtig neben Studenten und Hippies zusammenstanden, nicht sehr aufgeregt. Das hatte eher etwas von einer Abiturfeier, bei der die Band aus Mitschülern besteht. Man kennt sich halt - und das man nicht kreischt, heißt nicht, daß man sich nicht liebt. EOC haben den musikalischen Bogen jedenfalls sehr schön vollendet. Jedenfalls sind wir mal gespannt, was als Nächstes kommen mag. Musikalisch gab es diesmal nur wenige Up-Tempo-Stücke - und selbst diese wurden betont unrockig dargeboten. "Och Sven, sing doch mal was lustiges", rief jemand aus dem Publikum nach der 17. traurigen Moritat über Berlin. Doch richtig lustig sind EOC nicht. Und das ist auch gut so. Immerhin halten sie ja in dieser Form und auf diese Art die Fackel für intelligent gemachte, eigenständige deutsche Rockmusik hoch. Sven Regener's betont unaufgeregte Art, die Stücke vorzutragen und immer im richtigen Moment wie selbstverständlich zur Trompete zu greifen, prägt dabei ungemein. "Ich spiele seit mehr als 20 Jahren Trompete", meinte er nach dem Konzert. Und das hört man. Nicht in dem Sinne, daß Regener den Virtuosen raushängen läßt, sondern in dem, daß er das Gefühl für die richtigen Zwischentöne nicht nur bei den Texten, sondern auch in der Musik auslebt. Daneben ergänzten sich die beiden Gitarristen Jakob Ilja und David Young dieses Mal wirklich (das letzte Mal hatte man eher den Eindruck, als spielten sie so ziemlich das Gleiche) und ab und an kam auch noch Sven mit der Rhythmus-Gitarre dazu. Dennoch verwunderte ein wenig der doch ziemlich schroffe und spröde Gitarrensound. Aber richtig meckern konnte über dieses Konzert so richtig gewiß niemand. An diesem Abend zeigten sich Element Of Crime nämlich - trotz allen Ge-unkels über das Alter und den Tourstreß, den die Jungs immer gerne von sich geben - in Bestform und auf dem Höhepunkt ihrer musikalischen Entwicklung. Was weder heißen soll, daß diese abgeschlossen ist, noch daß sie irgendwie spektakulär verliefe. Nein: Element Of Crime sind momentan lediglich die selbstverständlichste deutsche Kapelle (nichts gegen Jansen oder Fink: Ihr werdet auch dort auch hinkommen) und somit eine Art Ausnahmeerscheinung im Musikbusiness. Weil sie nämlich trotzdem Erfolg haben.
Element Of Crime
Ach so: "Blues des Manitou", erzählte Sven beim Interview zur CD noch, daß die "damals in den 70ern richtig gute Soundtracks" gemacht haben (als Anspielung auf die Streicherarrangements von "Fallende Blätter") und hielt man das ggf. noch für einen Witz, wurde es an diesem Abend ernst: Vor dem Konzert lief ein Martin Böttcher Winnetou-Soundtrack. Aber das machte so richtig auch nix.
Text: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-


 
 

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