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Nachschlag

Apples In Space

Köln, Kulturcafé Lichtung
08.04.2017

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Apples In Space
"Et hätt noch emmer joot jejange!" heißt "es ist noch immer gut gegangen" auf Kölsch und ist der Satz im Dialekt der Domstadt, den Julie Mehlum (neben Phil Haussmann die andere Hälfte des Apples In Space-Kernduos, das nunmehr allerdings als komplette Band die Bühnen der Republik unsicher macht) aufsagen kann - sofern ihr nicht der Bassist Janusz Hüsges diesbezüglich zuvorkommt. Es ist aber auch das Motto, nach dem die Band von Berlin aus durch die Gegend zieht. Irgendwie wird schon alles klappen. Das Herumreisen in der Rostlaube ist sowieso das Thema, das sich die Band auf die Fahnen (und Julie auf den Rücken ihrer Jacke) geschrieben hat: "A Tin Can Odyssey" ist der Song aus dem AIS-Repertoire, der das ganze Leben als quirlige Musikantentruppe (das sich nun mal großteils on the road abspielt) lebhaft beschreibt - und dieser Song steht auch stets als musikalische Visitenkarte am Ende der Show - so auch hier und jetzt.
Bereits im November letzten Jahres - kurz nach der Wahl Donald Trumps, der die Band seither den zufällig treffend benannten Track "Technical Failure" widmet - waren AIS schon mal mit ihrem aktuellen Album "The Shame Song" auf Tour gewesen. Einen besonderen Anlass für diese neuerlichen Tour-Nachschlag gab es - außer des auch beim Tourauftakt in Köln spürbaren Bedürfnisses, sich musikalisch dringend mitteilen zu müssen - eigentlich nicht. Zumindest aber gibt es es ein neues Video zu dem Song "Upon This Wave (We're Floating)", der bei der Show natürlich auch gegeben wurde und den man ja auch in dem Sinne interpretieren könnte, dass die Apples sich auf der Musik einfach dahintreiben lassen müssen; was ja sicherlich ein richtiger Grund ist, sich als Musiker zu betätigen.
Im direkten Vergleich der Shows vom November und dieser schien die Band wesentlich gelöster zur Sache zu geben - vielleicht auch deswegen, weil man sich mit dem Material ja zwischenzeitlich so vertraut gemacht hatte, dass man daran gehen konnte, mit den Arrangements der Tracks herumzuspielen und diese auch ein wenig aufzubohren. Nachdem das Set zunächst mal mit zwei im Vergleich zu der eher sparsamen CD-Produktion eher aufgepimpten Versionen der Stücke "I Was The Moon" und "Vespa" vom Debütalbum eingeläutet worden war, ging es dann mit dem eher besinnlichen "November" vom zweiten Album "The Shame Song" weiter. Schon hier zeigten sich zwei Dinge: Wie gut auch die Songs vom ersten Album in dem spielfreudig ausgelebten Band-Setting funktionieren - nicht zuletzt auch deswegen, weil sich die Rhythmusgruppe als Teil des Ganzen begreift und sich mindestens genauso ins Zeug legt wie der gerne etwas fahrig, aber enthusiastisch agierende Phil und die eher sortiert wirkende Julie, die aber in den entscheidenden Augenblicken ihr Keyboard auch ganz schön ins Schwanken zu bringen weiß - oder zuweilen das Akkordeon rockt. Die andere Sache, die sich im Folgenden herausschälen sollte, war dann die, dass die eigentliche Apples In Space-Magie sich erst dann so richtig entfaltet, wenn sich Julie und Phil ganz auf sich selbst konzentrieren und dann in den ruhigen Balladen sozusagen ihre Beziehung auf der Bühne ausleben. Oder auch davor: Zu ihrer heimlichen Leonard Cohen-Hommage "Manor Hotel" stöpselte Phil seine Akustik-Gitarre aus und Julie und er begaben sich ins Auditorium, um dort den Song unplugged zu präsentieren. Bemerkenswerterweise geriet diese Performance dann zum intensivsten Teil der Show - und das obwohl Phil zuvor auch schon mal seine elektrische Gitarre hervorgekramt hatte, um dann dem AIS-Folkpop ein wenig Feuer unter dem Allerwertesten zu machen. Es war aber eine ganz andere, emotionale Energie die sich gerade in den besinnlichen Momenten Bahn brach - einfach deswegen, weil Phil und insbesondere Julie sich hier vollkommen glaubwürdig, ernsthaft und inbrünstig in ihre Musik hineinsteigerten und somit wirklich memorable Augenblicke zu kreieren imstande sind.

Noch einige Details, die im Vergleich zur letzten Show ins Ohr fielen, waren der Umstand, dass Julie auf ihrem Keyboard einige coole - fast unwirklich wabernde - Orgelsounds abgespeichert hatte, die dem Klangbild durchaus prägend zuträglich waren und der Einsatz des Akkordeons, der in den entscheidenden Momenten für mehr Klarheit sorgte - denn die recht ambitionierten und anspruchsvollen AIS-Kompositionen laufen schon mal Gefahr, sich im Gefrickel zu verzetteln. Nicht aber an diesem Abend, wo die Sache - auch was die Anordnung der Songs betraf - sehr schön sortiert erschien. Das war dann schlicht Folkpop in der bestmöglichen Auslegung. Und das trotz acht Stunden Autofahrt von Berlin nach Köln. Muss man ja auch erst mal hinkriegen.

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Surfempfehlung:
apples-in-space.com
www.facebook.com/applesinspace
www.youtube.com/channel/UCadLMhG7eM41FdENiIlDlpg
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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