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Pilze im Krautrock

Josefin Öhrn + The Liberation

Köln, Blue Shell
21.04.2017

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Josefin Öhrn + The Liberation
Josefin Öhrn mag Köln. Und zwar weil das die Stadt ist, aus der Nico stammt. Und Holger Czukay und Can. Das macht auch Sinn, denn das, was die Schwedin heutzutage mit ihrer Band The Liberation so treibt, erinnert dann doch eher an die seligen Zeiten, in denen die Musikanten unter Zufuhr aller möglichen bewusstseinserweiternder Substanzen in Dimensionen vorstießen, die nie zuvor eines Menschen Ohr gehört hatte - als etwa an die Goth- und Stoner-Rock-Ecke, in die die Band zuletzt imagetechnisch abzudriften drohte. Kurz gesagt: Bei dem Konzert im Kölner Blue Shell, in dem die Band ihr Headliner-Debüt absolvierte, nachdem sie zuletzt als Support von Goat in einer abgespeckten Version vertreten war, wurden die glorreiche Zeit des avantgardistischen Psychedelia... äh tja - nun was eigentlich - mit einem betont spacigen Trip direkt ins Stammhirn abgefeiert.
Schon auf der aktuellen LP "Mirage", die es hier nominell vorzustellen gab, hatte sich die die musikalische Richtung deutlich von den ursprünglichen Rock-Roots entfernt - hin zu einer recht eigenständigen, treibenden, pulsierenden Mixtur, in der unerbittliche Motorik, mäandernde Vocals und psychedelisch aufgedrexelte Gitarren- und zunehmend auch Synthie-Sounds fröhliche Urstände feierten. Im Prinzip war das auch im Blue Shell nun der Fall - und zwar ohne irgendwelche Hemmungen. Die "Beleuchtung" etwa bestand aus einer auf die Band projizierte Farbkleckserei, in die zuweilen Live-Feeds eingearbeitet wurden und die noch am Besten mit "konstruktiv durcheinander" zu bezeichnen wäre. Die Band zeigte sich dabei betont spielfreudig und sogar Josefin selbst, die ansonsten extrem schüchtern agiert, schien die Sache Spaß zu machen. Nicht etwa, dass sie jetzt mit dem Publikum flirtete, aber immerhin sang sie - mit weit ausholenden Gesten und fliegenden Haaren - weitestgehend mit offenen Augen und bedankte sich nach jedem Song mit einem artigen "Thank You". Das neue performerische Selbstbewusstsein mag auch daher gerührt haben, dass mit der britischen Gitarristin Angela Maki nun auch eine zweite Stimme im Angebot war - wodurch sich dann entsprechend den Fokus etwas verschob. (Allerdings nicht so weit, dass die Lyrics eine besondere Bedeutung gewonnen hätten.) Momentan tendieren Josefin & Co, dazu, sich quasi bei jedem einzelnen Track in Trance zu spielen - auch wenn es nach wie vor sehr gut gelingt, das sich eigentlich anbietende Ausufern zu vermeiden und eigentlich alle Tracks mit einer gewissen strukturellen Choreographie nach Hause zu bringen. Die einzelnen Songs verlieren dabei an Bedeutung: Das ganze Konzert war ein einziger Flow, in dem einzelne Details zuungunsten der allgemeinen Vibes den Gnadentod starben. Das machte aber nix - denn somit zeigte sich - faszinierende Frontfrau hin oder her - The Liberation als tighte Band, in der sich alle mit der gleichen Intensität einbrachten.
Dem Publikum gefiel's: Zunächst noch abwartend zögerlich - dann aber zunehmend unaufhaltsam steigerten sich die Fans fröhlich herumtanzend selbst in die erwünschte Trance. Hierzu nur so viel: Hätten die - meist männlichen - Fans statt der Bierflaschen etwa Milkshakes beim Abhotten in der Hand gehalten, so hätten sie am Ende der Show Butter gehabt. Das letztlich einzige Manko an der ganzen Sache war dann, dass der Spuk schon nach einer Stunde wieder vorbei war. Da man zuvor dann doch zu lange gewartet hatte und danach noch eine dringende Depri-Disco stattfinden musste, gab es überhaupt keine Zugabe. Keine Frage: Wer die 70er Jahre aus technischen Gründen versäumt hatte, der hatte bei dieser Show die Gelegenheit, diese zumindest musikalisch nachzuholen. Nur um Missverständnissen vorzubeugen: Das funktionierte zur Not auch ganz ohne magische Pilze.

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Surfempfehlung:
www.josefinohrn.com
www.facebook.com/josefinohrn.liberation
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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