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Konzert-Bericht
 
Sad is the new funny

Maximilian Hecker
Nicon

Essen, Grend
26.01.2002

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Maximilian Hecker
"Quiet is the new loud" hieß letztes Jahr der Schlachtruf einer ganzen Brigade, zu der man zumindest am Rande auch Maximilian Hecker zählen durfte. Nun fügte der Berliner Wunderknabe bei seinen Konzerten äußerst geschickt eine ganz neue Dimension hinzu: "Sad is the new funny". Jedenfalls amüsierte sich das Publikum - besonders die in erstaunlich großer Zahl erschienenen jungen Damen - im restlos ausverkauften Grend köstlich über Maximilians Ansagen, egal, ob sie nun lediglich aus einem hingehauchten "Ja!" bestanden oder aus Bemerkungen wie "Ich bin nicht mehr in der Stimmung, Witze zu erzählen so wie bei früheren Konzerten". Brüller!
Zuvor jedoch gab es Nicon, und das Quintett wirkte im Vergleich mit Hecker geradezu hypermodern. Die fünf Münsteraner mit einer besonderen Vorliebe für melancholische Momente präsentierten uns sphärische, relaxt groovende Sounds, die man vor Jahren in die Schublade TripHop gesteckt hätte, aber auch, wenn sie das bereits schon in den 1Live-Heimatkult und ins Vorprogramm von Paula gebracht hat, schienen sich Nicon trotz eines beachtlichen Auftritts an diesem Band etwas auf die falsche Baustelle verirrt zu haben. So gab es dann auch artigen Applaus des Publikums, aber nicht mehr.
Eine "Weltverweigerungsperformance" hatte uns Maximilian letzten Sommer beim Interview mit Gaesteliste.de versprochen und das Image als Außenseiter kultivierte der junge Mann aus der Hauptstadt an diesem Abend eindrucksvoll. Ähnlich wie der an dieser Stelle ja bekanntlich auch in höchsten Tönen gelobte Ken Stringfellow benötigte auch Hecker auf der Bühne nicht mehr als eine Stromgitarre, ein Keyboard, eine Beatbox und gut ein Dutzend außergewöhnlich gute Songs, um sein Publikum zu fesseln. Im krassen Gegensatz zu Stringfellow, der auf der Bühne in der Regel Tequila oder Bourbon konsumiert, hielt sich Hecker allerdings während der gesamten Show an einer Flasche Mineralwasser und einer Tasse Tee fest! Mit minimaler Lautstärke (der Ausdruck Leisestärke erschien fast angebrachter - der einzige echte Ausbruch kam erwartungsgemäß bei "Cold Wind Blowing") zwang der deutsche Shooting Star die Zuschauer zum Hinhören - und das lohnte sich: Zwar war das Set, das logischerweise fast ausschließlich aus Songs des letztjährigen Debüts "Infinite Love Songs" bestand, arm an Überraschungen, aber dennoch reich an Höhepunkten. Interessant vor allem, daß die abgespeckten Arrangements völlig neue Glanzlichter zu Tage förderten. Statt eines offensichtlichen Highlights wie der Single "Polyester" war im Grend nämlich "Sunburnt Dreams" die ergreifendste Nummer, und selbst die Tatsache, daß Hecker mitten im Set kurz "Sweet Home Alabama" von Lynard Skynard anspielte und sich anschließend über die Starallüren von Stadionbands lustig machte, änderte nichts daran, daß wohl so manche/r im Publikum am liebsten auf die Bühne gegangen wäre, um Hecker zu trösten, schließlich spielte er Songs mit Titeln wie "The Days Are Long And Filled With Pain" ohne sichtbare Ironie. Aber genau diese angebliche Schwäche ist ja auch gleichzeitig die Stärke des Berliners. Denn wie auch Tilman Rossmy hat Hecker begriffen, daß das Wort "Leiden" nicht nur zufällig in "Leidenschaft" steckt. Und bei solch guten Konzerten wie diesem von Maximilian Hecker in Essen leidet man zweifelsohne gerne mit!

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Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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