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Konzert-Bericht
 
Old Soul, Young Heart

Holly Macve
Brooke Bentham

Köln, Studio 672
01.07.2017

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Holly Macve
Lange bevor die Engländerin Holly Macve ihre Debüt-CD "Golden Eagle" veröffentlicht hatte und sogar bevor sie auf dem letztjährigen Reeperbahn Festival mit ihrer Kandidatur beim Anchor-Award offiziell ihren internationalen Einstand als Live-Künstlerin absolvierte, war sie schon ein Mal in Köln zu Gast gewesen. Komisch also eigentlich, dass der Vorverkauf für ihr Konzert im Studio 672 im Rahmen der Tour vergleichsweise übersichtlich gelaufen war und so nur wenige informierte Fans den Weg in den Kölner Club fanden. Das mag aber vielleicht auch an Hollys Zielgruppenproblematik gelegen haben: Generell ist es (zumindest hierzulande) ja so, dass Männer sich durchaus gerne Geschlechtsgenossen, die mit klagender Stimme ihren Schmerz in die Welt singen, anschauen - während sie andererseits der Meinung sind, dass Frauen das besser unterlassen sollten. Frauen hingegen suchen - anders als im richtigen Leben - auf der Bühne bei ihren Geschlechtsgenossinnen weniger Leidensvorbilder als starke Persönlichkeiten, denen zu folgen es sich zumindest emotional lohnt. Da sich Holly Macve mit ihren relativ orthodoxen Country-Balladen und düsteren Themen für die Klage-Richtung entschieden hat, ist sie halt nun mal auf den Zuspruch aufgeklärter, offenherziger Fans angewiesen. Denn: Holly wohnt zwar ein junges Herz, aber auch eine alte Seele inne - was sie durch ihre Songs eben mit einer gewissen Abgeklärtheit und Melancholie zum Ausdruck bringt.
Wie dem auch sein mag: Bevor die zierliche Britin ihre aktuelle Tour in Köln beendete, betrat ihre junge Londoner Kollegin Brooke Bentham die Bühne, die den Titel ihrer erst nach der Tour veröffentlichten Debüt-EP "The Room Swayed" mit Klebeband auf ihrer Gitarre aufgeklebt hatte. Brooke und ihre Band stehen erkennbar noch am Anfang ihrer Laufbahn - und machten gleich mehrere kapitale Fehler bei ihrem Live-Debüt. Denn es ist so, dass die Songs von Brooke Bentham weniger durch ihre kompositorische Rafinesse, sondern von geschickt gestaffelten Arrangements leben, die in den Studioversionen durchaus ein gewisses Eigenleben entwickeln, aber von einem bestimmten Sounddesign abhängig sind, um die eher spröden Songs Brookes mit einer gewissen Dynamik zu unterfüttern. Das klappt auf der EP recht gut und sorgt für angenehm temperierte und auch lebhafte Art- und New Wave-Pop-Momente - zum Beispiel in den vorab veröffentlichten Songs "I Need Your Body" und "Heavy & Ephemeral". Diese Songs funktionierten auch im Live-Kontext am Besten - Aber: Bei der Einstellung ihres Gitarrensounds war Brooke Bentham nicht gut beraten, jegliches Körpergefühl aus dem Soundspektrum herauszufiltern, so dass nur ein schrilles, nerviges und dünnes Klanggerüst übrig blieb, in dem Akkordfolgen kaum mehr auszumachen waren. Das änderte sich auch nicht, als sie ein Mal von der ansonsten bevorzugten Fender- auf eine Gretsch-Gitarre wechselte - und das will schon was heißen. Auch die eigentlich gute Idee, mit einem E-Bow zu hantieren, ging nach hinten los, da sie hiermit nur einen durchgängigen Grundton erzeugte. Erst als die Band sich bemühte, mit Druck einzusteigen, entwickelten die Live-Versionen dann auch ein gewisses Eigenleben. Das mag sich nach Erbsenzählerei anhören - machte aber den Unterschied zu einem angenehmen Hörerlebnis aus.
Wie man das klangtechnisch besser hätte lösen können, zeigten im Anschluss Holly Macve und ihre Band. Hier bot alleine Hollys Akustikgitarre mehr Klangvolumen als zuvor Brookes E-Gitarren und ihr Effektpedal. Zu Beginn ihrer Laufbahn war Holly ähnlich unsicher und schüchtern wie Brooke Bentham bei ihrem Auftritt. Das hat sich im Laufe des letzten Jahres aber gründlich geändert. Eine Rampensau oder Plaudertasche ist Holly Macve zwar immer noch nicht geworden, aber anders als im letzten Jahr sucht sie jetzt zumindest Ansatzweise den Kontakt zum Publikum und bemüht sich auch, ihre Songs anzusagen und teilweise zu erläutern. Dass Holly zuletzt unermüdlich getourt ist, kann man ihren Performances heute durchaus ansehen. Hinzu kommt in diesem Fall noch ein interessanter Aspekt: Erscheinen die dramatisch exakt austarierten Songs Hollys auf der Konserve eigentlich als definitive Versionen ihrer selbst, so entpuppten sie sich bei dieser Show - nicht zuletzt aufgrund der Beiträge des neuen Gitarristen Tommy Ashby - teilweise als echte Live-Epen, bei denen auch gerne mal der eine oder andere Akkord drangehängt werden durfte. Holly selbst ist auch als Performerin gewachsen. Zunächst ein Mal hat ihre Stimme gegenüber der Anfangstagen noch ein Mal an Durchsetzungskraft gewonnen. So hat sie ihre charakteristische Jodel-Technik (bei der die Stimme im Kehlkopf je nach Bedarf mal hierhin und mal dorthin kippt) eindrucksvoll perfektioniert und schafft es auch mühelos, diese gewiss anstrengende Technik bis zum Schluss durchzuhalten. Dann fixiert sie auch nicht mehr unbedingt nur einen einzigen, imaginären Punkt an der Decke, sondern lässt ihren Blick auch mal wandern, sucht Blickkontakt oder schließt zur Betonung die Augen. Das sind zwar nur Kleinigkeiten, die sich aber allgemein positiv auswirkten.

Die Highlights der Show kamen dabei allerdings aus eher unerwarteten Richtungen: Da gab es zum Beispiel einen neuen Song namens "Iris", den Holly noch nicht mal aufgenommen hat und den sie solo darbot. Den Titeltrack "Golden Eagle" präsentierte Holly dann am Piano (das sie sich zuvor noch on the fly von Bassist Michael Blackwell einrichten ließ). Ein wichtiger Teil von Hollys musikalischer Selbstdarstellung sind auch Coverversionen, die oft auch ihre Einflüsse aufzeigen. So spielte sie zuletzt Leonard Cohens "Suzanne" oder veröffentlichte zur Tour eine EP mit vier Cover-Versionen. Auch bei der Show in Köln gab es eine Coverversion - und zwar ausgerechnet "Crazy" - jener Titel, mit dem Patsy Cline (mit der Holly des Öfteren verglichen wird) ihren größten Erfolg feierte. "Der Titel wurde - wie ich erst später erfahren habe - von Willie Nelson geschrieben", erklärte Holly eingangs noch - nur um sich den Song dann mit ihrer spezifischen Gesangstechnik dann doch ganz zu eigen zu machen; gerade so, wie es ja auch sein soll. Zwar gab es im Anschluss an die relativ kurze Show dann keine Zugabe mehr - dafür gesellten sich Holly, Tommy Ashby und Drummer David Dyson dann noch zu den Fans, um die mitgebrachten CDs und Vinylscheiben zu signieren und bei Bedarf auch ein wenig zu plaudern. Letzteres zeigte dann auch, dass Holly & Co. nicht einfach nur gute Miene zum bösen Spiel gemacht hatten, sondern - trotz des überschaubaren Zuspruches - auch selbst Spaß an der Show gehabt hatten. Nun ja: Zumindest in England und in den USA kann sich Holly ja auf eine solide Fangemeinde und diverse ausverkaufte Shows freuen, da sollte so ein Event wie in Köln dann ja auch zu verkraften sein.

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Surfempfehlung:
www.hollymacve.com
www.facebook.com/HollyMacveMusic
www.brookebentham.co.uk
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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