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Konzert-Bericht
 
Berlin Wall Of Sound

Waxahatchee
Allison Crutchfied And The Fizz

Berlin, Musik & Frieden
28.09.2017
Waxahatchee
Das Gastspiel von Waxahatchee in Berlin ist der drittletzte Auftritt einer dreimonatigen Mammuttournee beiderseits des Atlantiks, und ein bisschen merkt man das Frontfrau Katie Crutchfield und ihrer Zwillingsschwester Allison, die auch das Vorprogramm bestreitet, auch an. Denn obwohl die beiden Amerikanerinnen in der Vergangenheit Berlin-Episoden in Songs verewigt haben (Allison in "Berlin", Katie in "Sparks Fly") und auf der Bühne unabhängig voneinander betonen, wie gerne sie in der deutschen Hauptstadt sind, fehlt doch ein wenig das i-Tüpfelchen, das aus guten besondere Abende macht.
Allison Crutchfield
Angekündigt ist das Vorprogramm als "Allison Crutchfield And The Fizz", vermutlich, weil das schöner klingt als "Waxahatchee minus Katie", wenngleich auch das nicht gelogen gewesen wäre. In den knappen 30 Minuten Bühnenzeit konzentriert sich Allison mit ihren drei Mitstreiterinnen vor allem auf die Lieder ihrer aktuellen Solo-LP "Tourist In This Town", aber anders als im Studio, wo der 80er-Jahre-Pop-Einschlag deutlich spürbar wurde, setzt sie live stärker auf den Lo-Fi-Garagen-Rock, der schon ihre alte Band Swearin' ausgezeichnet hatte. Zwar tauscht sie des Öfteren ihre Stromgitarre gegen den Synth ein, doch der Sound bleibt - nicht nur beim heimlichen Highlight "I Don't Ever Wanna Leave California" - angenehm rau.

Ein Umbau ist danach nicht nötig, wohl aber ein Umkleiden: Als die Damen zurück auf die Bühne kommen, tragen sie dunkle Anzüge, weiße Hemden und Krawatten, während Katie ein knallrotes Kleid trägt. Musikalisch geht es derweil weniger förmlich zu, denn Katie hat aufgeräumt in ihrem Leben, und das kann man ihren neuen Liedern anhören. Mit vor Kraft strotzendem Indierock, frisch getanktem Selbstvertrauen und ihren bisher persönlichsten Texten zeichnet sie auf dem mitreißenden aktuellen Waxahatchee-Album "Out In The Storm" die für sie nicht immer leichten letzten Jahre nach und klingt dabei wie eine Frau, die ihren Platz im Leben gefunden hat.

Leise, fast bedächtig der Einstieg mit "Recite Remorse", wenn die Band mit Allison am Synthesizer Katies Reflektion einer gescheiterten Beziehung zunächst nur mit einem sanft gewebten, ätherischen Soundteppich unterlegt, doch die klangliche Besinnlichkeit hält nicht lange an. Schließlich haben Waxahatchee im Jahre 2017 bei vielen Songs gleich drei Gitarristinnen, und das sorgt, einen Steinwurf von der ehemaligen Berliner Mauer, entfernt für einen oft turmhohen Wall of Sound, dem die Anlage im Musik & Frieden nicht immer vollends gewachsen zu sein scheint. Bisweilen scheppert es unbeabsichtigt fast wie in den seligen Tagen von Katies und Allisons alter Pop-Punk-Band P.S. Eliot, und die wunderbar harmonierenden Gesangsstimmen der beiden Schwestern gehen ein wenig in der instrumentalen Wucht verloren.

Waxahatchee
So mitreißend die alten ("Poison“, "Coast To Coast") wie neuen ("Silver", "Never Been Wrong") Power-Hymnen auch sind - die echten Highlights an diesem Abend sind vor allem die ruhigeren Momente, wenn Katie zur Akustikgitarre greift und die Band sich merklich zurückhält, etwa beim bereits erwähnten "Sparks Fly", "A Little More" oder "La Loose" bei der Zugabe. Symptomatischerweise haben Waxahatchee bereits vor der Show gleich drei Songs von der Setlist gestrichen und sind so trotz inzwischen vier Alben nach weniger als einer Stunde schon wieder verschwunden. Am Ende hat man deswegen ein wenig das Gefühl, eine großartige Band, aber nicht unbedingt einen großartigen Auftritt erlebt zu haben.
Surfempfehlung:
facebook.com/waxahatchee
www.mergerecords.com/waxahatchee
facebook.com/allisoncrutchfieldandthefizz
www.mergerecords.com/allison-crutchfield
Text: -Simon Mahler-
Fotos: -Simon Mahler-


 
 

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