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Alex Lahey
Kolars

Köln, Blue Shell
30.10.2017

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Alex Lahey
Gleich zwei Bundes-Live-Debüts gab es im Kölner Blue Shell am Halloween-Vorabend zu bestaunen: Das aus Rob Kolar und Lauren Brown bestehende Rock'n'Roll-Duo Kolars aus Los Angeles und die australische Power-Pop-Queen Alex Lahey und ihre blutjunge Band spielten ihre jeweils ersten Gigs auf deutschem Boden zum Auftakt der jeweiligen Touren. (Kolars und Alex Lahey trafen eher zufällig im Blue Shell aufeinander, da die beiden Shows kurzfristig dort zusammengelegt worden waren).
Musikalisch passte das Ganze zwar nicht 100%ig zueinander - jedoch insbesondere die von Rob Kolar und Alex Lahey gleichermaßen vorgetragene Euphorie für die "Bühnenentjungferung" auf deutschem Boden und das gut aufgelegte, feierlaunige Publikum, sowie der von beiden Acts demonstrierte unbedingte Begeisterungswille für das eigene Tun (und die damit verbundenen Energie-Ausbrüche) sprachen dann für sich.

Im Grunde genommen machen die Kolars klassischen (Schweine)-Rock - entweder im reinen Duo-Setting mit Gitarre und Drums, oder aber mit zugespielten Basslinien. Es ist aber lustiger, die musikalischen Genres zu zitieren, die sie sich selbst für das exaltierte Darbietungsformat ausgesucht haben: "Desert Disco" nennen sie das etwa - oder "R'n'Beyond" oder "Space Blues" oder "Glam-a-Billy". Und Elemente dieser Klassifizierung finden sich tatsächlich in der Show des Pärchens. So lässt Rob Kolar mit Rockabilly-Tolle, Cowboy Boots und Glitzer-Jacke keine Gelegenheit aus, mit weit ausholenden Stadien-Gesten und indem er sich zuweilen mit Gitarre spielend ins Auditorium begibt, zu demonstrieren, dass die Musik der Kolars definitiv größer als das Leben angelegt ist. Nicht unbedingt allerdings größer als Laure Brown. Diese steht zwar auf einer Bassdrum, die sie mittels Step-Schritten auch als solche einsetzt, ist aber selbst dann nicht größer als der ebenerdig agierende Kolar, wenn sie mit komischen Grimassen in die Luft springt, um die um sie herum aufgebauten Tom Toms mit wilden Gesten zu bearbeiten. Mal abgesehen davon, dass die Show für einen Support-Act ein wenig lang geraten war, überzeugten die Kolars am Ende mit einer kurzweiligen, durchgestylten (und durchgeknallten) Rock-Show mit hohem Unterhaltungswert, einer Prise Glam-Ästhetik und jener Attitüde, die schon die Gründerväter und -Mütter dieses Nischen-Genres dereinst groß gemacht hatten.

Im Vergleich zu dieser Show war dann das, was Alex Lahey und ihre Jungs boten, eine ziemlich geradlinige No-Nonsense-Veranstaltung. Alex begann ihr Set gleich mit "Everyday's The Weekend", dem Opener und ersten der unzähligen Rausschmeißer ihres Debütalbums "Love You Like A Brother". Aber auch wenn sich Alex & Co. relativ eng an den vorgegebenen musikalischen Rahmen hielten, hieß das nicht, dass das ohne Finesse geschah. So arbeiteten Alex und ihr Gitarrist häufig mit psychedelischen Effekten, die die Gitarren zuweilen wie Keyboards klingen ließen und den eher unerbittlichen Power-Pop-Modus aus knackigen Hooklines und Gitarrenriffs ein wenig variabler rüberkommen ließen. In ihren Songs macht sich Alex Gedanken über philosophische und psychologische Themen, reflektiert über Gespräche mit ihrer Mutter oder nimmt Bezug auf ihre australische Heimat. "Der nächste Song handelt von Perth" kündigte sie das witzig betitelte "Perth Traumatic Stress Disorder" an, "das ist eine nette Stadt, ihr solltet da unbedingt mal hingehen - aber dann besser nicht das machen, was ich gemacht habe." Was immer das dann sein mag. Wortspielereien mit unberechenbaren Wendungen und Bedeutungskniffen haben es Alex überhaupt angetan. "Der nächste Song handelt von Risiken, die man eingeht, die sich dann aber nicht auszahlen", kündigte sie zum Beispiel den Track "Lotto In Reverse" an. Da geht es dann häufig um die psychologische Perspektive - wie auch in "You Don't Think You Like People Like Me", das Alex als Quasi-Zugabe zuletzt spielte - und natürlich dem Titeltrack "I Love You Like A Brother". An anderer Stelle kommt Alex ziemlich knapp auf den Punkt: "I Want You" ist zum Beispiel ein Liebeslied. Leider geht es aber in "Wes Anderson" nicht einfach um den gleichnamigen Regisseur, sondern um einen Typen, den sie mal gedated hat. Ein besonderes Schmankerl hatte sich Alex bis kurz vor dem Schluss aufgehoben: Ein Cover von Natalie Imbruglias "Torn", das sie kurzerhand vom Folk-Pop- ins Power-Pop-Setting transponierte - was dann auch erstaunlich gut klappte. Insgesamt hat sich Alex Lahey komfortabel in der Power-Pop-Nische eingerichtet und präsentierte diese Art von Musik auch genau mit der richtigen Mischung aus professioneller musikalischer Abgeklärtheit (denn selbstverständlich weiß Alex Lahey, dass sie da nichts wirklich Neues macht) und der dem Alter geschuldeten jugendlichen Frische und Begeisterung für das eigene Tun, die diese Abgeklärtheit dann auch gleich wieder vergessen macht - und darauf kommt es ja an.

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Surfempfehlung:
alexlahey.com.au
www.facebook.com/alexlaheymusic
kolarsband.com
www.facebook.com/kolarstheband
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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