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Konzert-Bericht
 
Gembremstes Vollgas

Cracker

Köln, Gebäude 9
25.02.2002
Cracker
Cracker haben ein Problem: Sie klingen auf Konserve bereits dermaßen kraftvoll und lebendig, daß es kaum möglich ist, dies live noch zu toppen. Das ist eben der Nachteil, wenn es einem möglich ist, die Live-Energie auch im Studio einzufangen - eine Sache, mit der sich viele andere Bands schwer tun. Irgendwie ist das auch David Lowery und seinen Kumpels klar. Anstatt allerdings zu versuchen, diesen Umstand irgendwie zu kompensieren, machen sie ihn zur Tugend. Ohne Showeffekte (sieht man mal von Davids Strohhut ab) arbeiten sich Cracker an diesem Abend durch das gesamte Oeuvre. Das Stichwort ist hierbei: Kontinuierliche Dynamik.
Das meint: Das Konzert beginnt mit Mid-Tempo-Songs - z.B. "Brides Of Neptune" vom neuen Album oder dem endlosen "Euro-Trash-Girl" mit einem endlosen Gitarren-Intro von Johnny Hickman und steigert sich dann langsam in Tempo und Lautstärke ("Shine" vom neuen Album war der erste Höhepunkt). Das bedeutete auch, daß die Band aufwachte (bis auf den Keyboard-Virtuosen Kenny Margolis - der schien im Stehen und Spielen zu schlafen). Bassistin Brandy Wood - die, wie sich herausstellte, David Lowerys Cousine ist - zeigte auf einmal gar wahre Headbanger-Qualitäten und turnte wie eine Heavy Metal Braut über die Bühne. Johnny Hickman gefiel sich derweil als der coole Gitarrist, der er ist. Besonders zeigte sich das im sympathisch ausufernden "One Fine Day", in dem er den Neil Young spielte. Schade nur, daß er den ganzen Abend mit einem einzigen Sound-Preset vorlieb nahm, was die Sache dann doch ein wenig uniform klingen ließ. Im Mittelteil des Sets kamen dann einige der gloriosen, epischen Cracker-Balladen zum Tragen. Auch Brandy Wood durfte ein eigenes Stück - eine schöne Country Ballade - vortragen. Es gab dann noch eine Tex-Mex-Polka (David Lowery ist in Schurz geboren - mitten im deutschen Teil von Texas), ein Überbleibsel aus der Zusammenarbeit mit FSK und eher ein gespielter Witz. Den eigentlichen Cracker-Hit, das MTV-erprobte "Low", hob man sich bis zum Schluß des offiziellen Gigs auf.
Cracker
Bei den Zugaben gab es dann noch eine Comedy-Einlage, indem nämlich alle Bandmember beim Spaß-Rap "What You're Missing" lustig die Instrumente tauschten und jeder mal eine Strophe singen durfte. Ansonsten wäre noch zu erwähnen, daß einige Streicherparts von Mini-Disc abgerufen wurden und Kenny Margolis eigentlich an der Ziehharmonika wesentlich kurzweiliger und effektiver war, als am eher langweiligen Keyboard. Was fast vollständig fehlte - und das war schade - waren die auf dem aktuellen Album angedeuteten Referenzen an Sly & The Family Stone. Funky waren Cracker in Köln definitiv nicht. An diesen Schilderungen kann man erkennen, daß dieses Konzert - obwohl von einer kleinen, aber hartnäckigen Gruppe von Hardcore Fans tüchtig bejubelt - eher so eine Art Arbeitssieg war. Cracker hatten jede Menge Spaß und sind tatsächlich jener Haufen von begeisterten Musikfans, als die sie sich immer ausgeben. Die magischen Momente scheinen sie sich indes für ihre Plattenaufnahmen aufzuheben. Das ist nicht schlecht - denn so hat schließlich jeder was davon - nur ungewöhnlich. Aber eine gewöhnliche Band sind Cracker ja nun auch wieder nicht.
Text: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-


 
 

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