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Konzert-Bericht
 
Dreamtime im Stadtgarten

Mardi Gras. BB

Köln, Stadtgarten
24.03.2002
Mardi Gras. BB
Wer einmal in New Orleans gewesen ist, der weiß, daß das, was man hierzulande als "Dixieland" präsentiert bekommt, eher eine unfreiwillige Parodie dieses Genres darstellt. (Vor allen Dingen gibt es dieses durchgängige Humpa-Humpa Schlagzeug beim richtigen Dixie nicht). Ein Teil der Faszination, die dieser Musik zugrunde liegt, ist die Interaktion der Band und des Publikums. Reverend Krug weiß das. Und insofern ist es auch durchaus logisch, daß die "Mardis", wie sie von ihren Fans zärtlich gerufen werden, auch aus dem Publikum heraus ihre Show beginnen. Ganz ohne Verstärker und nur mit reiner Lungenkraft veranstalteten die Mardis mitten im Auditorium eine Art Aufwärmparty. Gekleidet in edle beige Anzüge - der Reverend in rot - und mit jeder Menge Pfeffer unter dem Allerwertesten spielten die Jungs ein paar Instrumentals, bevor es dann zur Bühne ging.
Es wäre allerdings kaum notwendig gewesen, das Publikum anzuheizen, denn die altersmäßig breitgefächerte Menschenschar arbeitete geradezu verbissen mit der Band zusammen. Die Mardis erwiesen sich dabei auch als Meister der Agitation. Beim traumhaft schönen Track "Dreamtime in Memphis" z.B. gingen alle in die Knie, als Doc Wenz, der sich später und in schwarz gewandet zur Truppe gesellt hatte, "Going down, down, down" anstimmte. und das Publikum folgte artig. Da wurde dann im folgenden getanzt, gewunken, geklatscht und Feuerzeuge geschwenkt, was das Zeug hielt. Nun ja, es war ja auch immerhin Köln, die Hochburg des organisierten Frohsinns - da nimmt man so was schon sehr ernst. Als besonders effektiv im Live-Geschehen erwies sich der mitgeführte DJ aus Istanbul. Mittels scratching und geschickt eingespielten Samples lockerte er den Klangkörper erheblich auf. Auch Doc Wenzens Gitarre sorgte an einigen Stellen für so eine Art Rock-Feeling. Aber auch ohne diese Zutaten sind Mardi Gras meilenweit entfernt von dem, was man im Lande der Marschierer und Blaskapellen musikalisch sonst so mit diesem Thema assoziiert. Vielleicht liegt das ja einfach daran, daß die Mardis nicht marschieren, sondern tanzen. Oder hüpfen. Zuweilen auch alle zusammen. Daneben durfte jeder der insgesamt 11 Protagonisten dann zu gegebener Zeit auch mit Solo-Einlagen glänzen. Stilistisch legen sich die Mardis nun überhaupt nicht fest. Neben den Dixie Einflüssen findet sich alles, was man mit Blasmusik sonst so realisieren kann - vor allen Dingen Funk und Soul - und auch vieles, was eigentlich nicht geht (zum Beispiel Rock-Balladen oder Country & Western, zugegebenermaßen "of the complicated kind", wie Doc Wenz meinte). Wichtig hierbei zu erwähnen ist, daß die Mardis jedes Klischee vermeiden - bzw. wenn es sich nicht vermeiden läßt, dieses geschickt für sich zu nutzen wissen. Wenn es denn mal eine 70s Seicht-Funk-Einlage sein muß, dann wurde diese aber auch gleich mit Gusto präsentiert. Beeindruckend dabei ist vor allen Dingen, daß alles vollkommen unpeinlich 'rüberkommt. Selbst wenn Reverend Krug im roten Anzug und mit Cowboyhut zum Tuba-Solo ansetzt, muß man doch die musikalische Ernsthaftigkeit attestieren, mit der das alles vonstatten geht.
Trotzdem steht natürlich der Spaß- und Unterhaltungsfaktor im Vordergrund. Doc Wenz erweist sich hierbei als charmant-intelligenter Conferencier und führt das Publikum durch die verschiedenen Soundwelten. Die Stücke des neuen Albums - allen voran "Kung Fu Fighting" und "Hop Sin" - gerieten zwar zu Highlights, waren jedoch erst spät im Programm zu finden. Angesichts des intensiven Körpereinsatzes war es denn auch nicht sooo verwunderlich, daß das Konzert vergleichsweise kurz war, jedoch ließen es sich die Mardis nicht nehmen, das Konzert mit einer weiteren Party im Publikum zu beenden. Insgesamt war das doch wirklich mal was anderes. Besonders gefiel, daß mit solch einem vergleichsweise radikalen Ansatz offensichtlich Publikums-Schichten zu aktivieren sind, die sich sonst jedweder musikalischen Darbietung verweigern.
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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