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Konzert-Bericht
 
The Kings Of Thunder

Savoy Grand
The Furthurs

Köln, Gebäude 9
10.04.2002

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Savoy Grand
"Wo bleiben denn die Leute?" meinte der Tourmanager gegen 21 Uhr, als sich gerade mal 10 Mann im Vorhof des Gebäude 9 verliefen. Doch Gemach: Eine Band, die wie Savoy Grand mit der Ästhetik des Langsamen kokettiert, zieht offensichtlich auch ein solches Publikum nach sich. Gaaanz allmählich tröpfelten die Zuschauer ein, unter anderem sicherlich angelockt durch eine überhaupt nicht erklärliche, sich vor Begeisterung überschlagende Presse für die Slow-Motion-Engländer. Die von ihren Labelchefs zärtlich "Kings Of Thunder" titulierten Savoy Grand werden jedenfalls allenthalben als die neuen Könige des Zeitlupen-Rock gefeiert. An diesem Abend ging es darum zu zeigen, warum das so ist.
Als Vorgruppe spielten hierzu die in Köln halblegendären Furthurs auf. Bandleader Kurt Kreikenbom hatte seine Kumpels aus vergangenen Tagen wieder um sich geschart und gab - verstärkt von zwei Back-Up-Mädels (den "Cry Cats") - das erste Furthurs-Konzert seit Jahren. Hierzu muß man noch wissen, daß die Furthurs tempomäßig eigentlich recht gut zum Thema des Abends passen. Als die Band mit dem legendären Kramer ihr inzwischen verschollenes Album aufnahmen, war auch keines der Stücke schneller als etwa 10 BPM. Da fragt man sich ja eigentlich schon, warum es da Background-Mädels braucht. Insbesondere, da Kurt mit den gewohnt kontemplativen Endlos-Balladen nach altem Strickmuster begann. Dann jedoch brach plötzlich der Bobby Fuller aus ihm heraus und mit einem Mal spielten die Furthurs echten Rock'n'Roll. Man muß sich das ungefähr so vorstellen, daß Robbie Krieger (=Jan Schlagenhauf) ein Gastspiel bei Velvet Underground gegeben hätte, man sich vorher aber nicht darüber unterhalten hatte, welche Stücke gespielt werden sollten. In diesem Sinne steigerte man sich dann in äußerst sympathisch-scheppernde Rocknummern - eben auch vom seligen Bobby Fuller (Let Her Dance), den Kurt sehr verehrt - und es wurde tatsächlich so laut, daß man sich besser Stöpsel in die Ohren steckte. Die Cry Cats versetzten dem Ganzen dann schrill, laut und gekonnt den Todesstoß bei einer sehr mitreißenden Version eines Flaming Groovies-Tracks. Da konnte man nur mit offenem Mund Respekt zollen. Wenn man nicht wüßte, daß Kurt auch heimlich in einer Punk-Combo trommelt, hätte man das eh für einen Traum gehalten.
Nach einer dann doch zu langen Umbaupause betraten Savoy Grand die Bühne. Ein zögerliches Gitarrengestimme ging hierbei nahtlos in das erste Stück, "Moonlit", über. Die Ohrenstöpsel leichtfertig zu entfernen war indes ein Fehler. Denn Savoy Grand live sind nicht Savoy Grand Konserve! Was die Engländer auf CD an Überraschungsmomenten ermangeln lassen, machen sie live durch Intensität wett. Zunächst mal hat man sicherlich selten eine Band gesehen, bei der KONZENTRATION so groß geschrieben wurde. Wie die Jazz-Profis belauerten sich die Jungs, um auch ja jeden Einsatz konzertiert hinzubekommen. Das ist insofern erklärlich, als daß der Rhythmus, der ja ansonsten solcherlei Gehabe überflüssig macht, bei Savoy Grand nun wirklich keine Rolle spielt. Sänger und Gitarrenmann Graham Langley gab - trotz englischen Mutterwitzes ziemlich introvertiert - das Schema vor, nach dem sich die Band dann in ihre z.T. epischen Sound-Exkursionen stürzte (oder besser: schlich). Das Klangspektrum wurde sorgsam erweitert um Trompete, Akkordeon, Vibraphon und einige Keyboard-Parts. Auch das gab mehr Kurzweil als auf den CDs, wo im Vergleich zum Live-Vortrag doch alles eher egalisiert daherkömmt. Darum braucht man sich bei dieser Show nun wirklich keine Sorgen zu machen. Es hätte schon zu denken geben sollen, daß Graham einen POD-Verzerrer auf seinem Verstärker liegen hatte, denn als er plötzlich nach diesem Griff, brach tatsächlich ein Soundgewitter über das verdutzte Publikum herein. Mittels mächtig Feedback und unerhört laut holten Savoy Grand das letzte aus dem Begriff "Dynamik" heraus. Das war allerdings eine Art kinetischer Soundenergie, die hier freigesetzt wurde, denn geschwindigkeitsmäßig änderte sich nichts. Wenn also diese Art zu musizieren das ist, was Savoy Grand bei Schreiberlingen so populär macht, dann sammelten sie hier gehörig Pluspunkte. Zugegeben: Savoy Grand live sind allemal unterhaltsamer als vom Tonträger - allerdings erklärt das immer noch nicht, warum das Quartett darauf verzichtet, sich zu richtigen Melodien durchzuringen. So konnte man sich dann des Eindrucks nicht erwehren, daß die Savoy Grand Show - im Gegensatz etwa zu anderen Zeitlupen-Bands wie Low oder Dirty Three - vor allen Dingen aus dem Kopf und weniger aus dem Bauch kam. Die Frage also, warum Savoy Grand zur Zeit die Titelseiten der Musikmagazine schmücken, ließ sich an diesem Abend jedenfalls nicht zweifelsfrei klären.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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