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Besser geht's nicht!

Grant-Lee Phillips

Köln, Prime Club
21.04.2002
Grant-Lee Phillips
Als wir wenige Minuten vor der ursprünglich angedachten Auftrittszeit den Prime Club betraten, verloren sich vielleicht fünfzig Gestalten in dem Kölner Club. Das paßte zwar zur Bühne, auf der neben einem seltsamerweise in der äußersten Ecke versteckten Keyboard, einer 12-saitigen Akustikgitarre und je einer Violine und einer Viola nichts zu sehen war, aber die richtige Atmosphäre für ein großes Konzert war das nicht. Als wir dann auch noch hörten, daß Grant alle Fototermine am Nachmittag abgesagt hatte, schien fast schon festzustehen: Das wird heute eine ziemlich finstere Veranstaltung. Jedenfalls konnte man zu diesem Zeitpunkt wirklich nicht erahnen, daß - woher auch immer - plötzlich doch noch eine sehr ansehnliche Zahl sehr enthusiastischer Zuschauer auftauchen würde und Grant nach der Show erzählen würde, daß dieser Auftritt in Köln wohl der bisher beste der ganzen Tour gewesen sei! Doch er war es ohne Zweifel.
Los ging's wie auf seinem neuen Album "Mobilize", dem ersten auch offiziell in Europa veröffentlichten Tonträger seit der Trennung von Grant Lee Buffalo, mit "See America", und spätestens, als Grant schon früh im Set beim größten Ohrwurm der Platte, "Spring Released", angekommen war, hatten er und sein einziger Mitstreiter Eric Gorfain das Publikum im Sturm erobert. Nicht nur mit seiner emotionsgeladenen Performance übrigens, sondern auch mit seinen schrägen Geschichten zwischen den Songs. Als er beispielsweise ewig das Banjo stimmte, auf dem er eine grandiose Version des The-Band-Klassikers "Rock Of Ages" spielen wollte, meinte er nur trocken: "Wäre ich jetzt Ravi Shankar, wäre dieses Geklimper schon die Hälfte der Show!" Aber eigentlich hatte er solche Mätzchen gar nicht nötig, denn egal ob an der Gitarre oder am Klavier, konnte der Mann aus Los Angeles restlos überzeugen. Gerade bei den Piano-Nummern wirkte er wie der jüngere Doppelgänger von Tom Waits und machte aus "St. Expedite" (aus seinem Internet-only Solodebüt "Ladies' Love Oracle") ein echtes Highlight. Mit seiner großartig rauen Stimme erzählte er die Geschichten seiner Songs mit so viel Hingabe, als würde er sie in Köln alle zum ersten Mal singen. Dabei spielte er fast zur Hälfte alte Songs von Grant Lee Buffalo und sorgte so mit "Mighty Joe Moon", "Mockingbirds" oder einem rasant-perfekten "Honey Don't Think" im Publikum für einen wahren Freudentaumel. Bei "Demon Called Deception" brach er mitten im Song von einem Feedback gestört ab, weil das keins von den guten Jimi-Hendrix-Feedbacks gewesen sei, sondern eins von den lästigen! Die besten zehn Minuten der Show aber kamen mit "Jupiter And Teardrop" aus dem ersten GLB-Album von 1993. Nicht nur, daß Grant den Song meisterhaft spielte, große Teile des Publikums sangen begeistert mit, und Grant war ob des "Chors" sichtlich ergriffen. So sehr sogar, daß er nur kurz sagte: "Let's try this" und - zum ersten Mal an diesem Abend ohne seinen Geiger - ein paar SEHR bekannte Akkorde spielte. Und als ob er selbst nicht ganz glauben könnte, was er dort gerade tat, sagte er noch vor der ersten Zeile des Songs: "Ich spiele den Song heute zum allerersten Mal seit sechs Jahren!" Das fragliche Stück war natürlich nicht irgendein Song, sondern Grants unbestritten bestes, die bekannteste GLB-Hyme überhaupt - "America's Snoring"!
Mit dem "Lone Star Song", bei dem Geiger Eric zu guter letzt dann endlich auch mal ein längeres Solo spielen durfte, nachdem er die ganze Show über im Schatten seines Herrn und Meisters gestanden hatte, ging dann der offizielle Teil stilvoll zu Ende. Im Publikum brachen daraufhin alle Dämme, und Grant kehrte gleich zweimal für Zugaben zurück und spielte - teilweise auf Wunsch des Publikums - noch eine Handvoll Klassiker aus dem ersten GLB-Album wie "The Hook", "Fuzzy" oder das immer wieder großartige "The Shining Hour", bevor er sich dann mit der schönen David-Bowie-Coverversion "Ashes To Ashes" nach gut anderthalb Stunden verabschiedete. Fazit: Besser geht's nicht. Das "Erschreckende" ist nur: Mit seiner kompletten Band soll er sogar noch besser sein!
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Pressefreigabe-


 
 

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