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Konzert-Bericht
 
Zwei auf einen Streich

The Calling
Kane

Köln, Stadtgarten
24.04.2002

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The Calling
Jede Band, die keine Boygroup ist, so sollte man meinen, die bereits vor Veröffentlichung der regulären CD Scharen von Fans anzieht wie Mottenkugeln die Motten, verdient ja gewissermaßen Beachtung. Insbesondere dann, wenn die Protagonisten Gitarren tragen. Wie gesagt: Sollte man meinen. In diesem Fall gab's aber ein Problem der besonderen Art: Sowohl The Calling aus L.A. wie auch Kane aus Holland waren (bis auf den im Gegensatz zu seinen jugendlichen Kumpanen merklich gesetzt wirkenden glatzköpfigen Drummer Martijn Bosman) im Prinzip dann doch Boygroups. Denn wegen der Musik gab es nun wirklich keinen Grund, in Euphorie zu verfallen. Kane emulierten U2 und The Calling Pearl Jam - beide auf eine betont technoktarische Art und mit ungeheurem materiellen Aufwand (Riesen Schlagzeug-Burgen, 6-saitiger Baß und Effektpedal-Boards von der Größe der Provinz Zeeland). Das ist insofern nachzuvollziehen, als daß beide Produkte - pardon Bands - offensichtlich gleich als Stadien-Acts konzipiert sind.
Wie anders sollten sich die grotesken Posen der Sänger (Dinand Westhoff für Kane und Alex Band für The Calling), Gitarristen und auch der Bassisten - die im eher bescheidenen Ambiente und vor geladenen Gästen eher lächerlich wirkten - ansonsten erklären lassen. Große Namen werden auch bei der Produktion der jeweiligen Tonträger aufgeführt: Chris Lord-Alge mischte The Calling und Bob Ludwig masterte bei Kane. Was bei all dem Aufwand live letztlich übrig blieb, waren große musikalische Seifenblasen. Es war deutlich zu erkennen, daß beide Acts bei den o.a. Einflüssen AUFSETZTEN und nicht aufbauten. Die ganze Musikgeschichte bis dahin schien den Jungs nicht bekannt zu sein. Die Bands waren dermaßen weit vom Blues entfernt, daß sie sich auch nicht aus Versehen dorthin verirrten. Nahezu alle Tracks hatten dermaßen wenig innere Motorik, daß die Schlagzeuger gleich Oktopussen bemüht waren, alle Toms, Cymbals und HiHats gleichzeitig zu bedienen - was indes der Dynamik - trotz enormer Lautstärke - nicht zum Durchbruch verhalf. Die Gitarristen (der von Kane spielte gar über zwei Verstärker gleichzeitig) bauten mehr oder minder solide Soundwände auf, in denen Virtuosität oder Spielfreude weder erwünscht noch notwenig waren (wenn man von dem einen oder anderen erkennbaren Riff absah). Es bleibt auch ein Rätsel, wie die Bands ihre eigenen Tracks - die mehr oder minder breiartig ineinandersuppten - auseinander hielten. Ausnahme war jeweils pro Band ein "Hit", der offensichtlich auch bereits bekannt war und besonders enthusiastisch von den Fans abgefeiert wurde. Besonders die mangelnde Variation verwunderte nun doch ein wenig, denn zumindest die CD von Kane - "So Glad You Made It" - ist durchaus abwechslungsreich und soundtechnisch vielseitig aufgebaut. Dort kommt auch das Element der Dynamik zum Tragen, welches live zugunsten der Lautstärke vernachlässigt wurde.
Bei all diesen Vorwürfen darf man jedoch eines nicht vergessen: Das ist die Art von Musik, die man den Kids heutzutage als Rock verkauft (oder verkaufen möchte). Die o.a. Zutaten gehören - will man nicht auf einen Zufallserfolg hoffen - zwingend dazu, um in den Ohren der Redakteure von Viva, MTV und des Formatradios überhaupt Gehör zu finden. Insofern darf man den jugendlichen Musikanten, die sich allesamt wacker schlugen, z.T. eine gute (= dem Klischee entsprechende) Figur machten und sich sicherlich bei dem, was sie tun, ganz sicher sind, daß dieses lauter und richtig ist, keinen Vorwurf machen. Wie gesagt: Am technischen Aspekt kann man ja nicht herummäkeln und gut klingen tut heutzutage alles, was Erfolg haben möchte. Was fehlt ist die eigene Identität, Herzenswärme, Originalität und vor allen Dingen Ecken und Kanten. Wie sehr die ganze Chose in Schemata verfallen ist, konnte man beobachten, als dem Gitarristen von Kane während eines Solos der Gitarrengurt herunterrutschte: Er geriet irritiert vollkommen aus der Fassung - nur um dann, als er sich die Gitarre wieder umgeschnallt hatte, mit exakt denselben Posen weiterzumachen, die im Drehbuch vorgesehen waren. Von solchen kleinen menschlichen Schwächen hätte man gerne mehr erlebt. Gerade solche Haken und Ösen sind es ja, die "richtige" Rockbands, bei denen eben NICHT JEDER TON stimmen muß, interessant machen.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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