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Konzert-Bericht
 
Little Boy Lost

Joseph Arthur

Köln, Stadtgarten
17.04.2000
Joseph Arthur
"Das ist ja beinahe unheimlich", meinte Joseph Arthur und meinte damit die ungefähr 30 Männeken, die sich zum mit großem Aufwand geheimgehaltenen Showcase dann doch noch in den Stadtgarten verirrt hatten. Dann deutete er noch seine Unzufriedenheit mit der Plattenfirma an. Immerhin, in den Staaten und in Frankreich spielt der Mann vor 5.000 Leuten - da war die Stadtgarten-Frequenz schon eher ernüchternd. Arthur ist einer jener Sonderlinge, die es zum Glück doch immer mal wieder gibt. Alleine mit seiner akustischen Gitarre und jeder Menge Effektgeräte, verstand er es, bis dato absolut noch nie Gehörtes zu fabrizieren.
Joseph Arthur
Das ging im Wesentlichen so: Zunächst mal klopfte er einen mehr oder minder grundlegenden Rhythmus auf dem Klangkörper seiner Gitarre. Diesen sampelte er zunächst und loopte ihn dann. Anschließend spielte eine filigrane Gitarrenfigur hinzu, mit der er gleichermaßen verfuhr. Daraufhin folgten ein paar Gesangstöne und ggf. noch mehr Gitarrenspuren. Das alles lief dann in Endlosschleifen ab, die Arthur durch geschicktes partielles Ein- und Ausschalten und Verfremden (z.B. mit Echo und Delay) kunstvoll zu Songstrukturen aufbaute, über die er dann den eigentlichen Song live vortrug. Natürlich brauchte so was Zeit - die Tracks waren alle so um die 10 Minuten lang - was sich aber auch lohnte. So innovative und dennoch funktionale Sounds hatte man schon lange nicht mehr gehört. Dabei kam die Sache äußerst organisch, spontan und gar nicht verkopft rüber. Arthurs gelang es, die Emotionalität seines Liedgutes mit der Intellektualität seiner Soundtüfteleien zu einem homogenen Ganzen zu verknüpfen. Das erschien aber weniger als Strategie, sondern als vertontes Lebensgefühl. Arthur ist eh jemand, der sehr wenig über seine Songs reflektiert, sondern lieber neue schreibt, wenn ihm etwas am Herzen liegt. Dabei bewahrt er sich die Naive Neugier eines kleinen Kindes - was denn auch live zu abenteuerlichen Ergebnissen führen kann. Sowas macht natürlich sensibel. Und so kam der eher wortkarge Mann denn auch nicht umhin einige rüde Plapperer des Raumes zu verweisen. Für die Dagebliebenen dürfte dieser erfrischend andere Abend allerdings zu einem Highlight im Konzert-Einerlei gehört haben.
Text: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-


 
 

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