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Konzert-Bericht
 
The Lonely Goths

Michael Weston King
Mick Thomas

Köln, Underground
30.05.2002

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Michael Weston King
Entgegen der Ankündigungen auf den Plakaten kam der Australier Mick Thomas NICHT mit seiner Band The Sure Thing auf Tour, sondern solo. Insofern machte die Aufteilung in Haupt- und Support Act auch keinen Sinn mehr. Das Konzert im Underground wurde jedenfalls kurzerhand als Double Bill ausgelegt. Am Ende der beiden Auftritte spielten die beiden Protagonisten jeweils ein paar Songs zusammen. Zunächst mal gab es aber eine böse Überraschung. Als man nämlich vom Tageslicht ins total abgedüsterte Underground taumelte, gab es erst mal blaugeschlagene Schienbeine en Masse: Die Veranstalter hatten - in der nicht ganz falschen Annahme, daß sich die Menschenmassen anders nicht bändigen ließen - pittoreske Sitzbänke ins punkige Rund gestellt. Das Underground bestuhlt! Nun gut: Man darf sich den Entwicklungen der Neuzeit nicht verschließen.
Zum Schluß doch immerhin wackere 40 Freunde handgemachten Liedgutes versammelten sich schließlich, um den Stories der beiden Troubadoure zu lauschen. Mick ist ein massiver, solider und robuster Australier mit beeindruckenden Koteletten und einem unglaublich breitgetretenen Akzent. Trotzdem, wenn man sich da erst mal reingehört hatte, offenbarte sich Wissenswertes und Lehrreiches über sein Heimatland. Mick ist tatsächlich jemand, der beim Songwriting sowas wie einen gesunden Patriotismus entwickelt und weniger omniglobal relevante Themen analysiert, sondern einfach Geschichten erzählt, die ihm am Herzen liegen. So erfuhr man zum Beispiel von Tom Wills, dem Mann, der den Australian Football erfunden hatte (die härtere Abart des Rugby), ein Idealist, der sich für die Rechte der Aborigines einsetzte und ein grausliges Ende in den heruntergekommenen Vororten von Melbourne fand. Dann war da Darrel Arnold, ein romantischer Schriftsteller, der mit seiner Version der Musketiergeschichte, angereichert mit vielen Rosengirlanden, dem jungen Mick Thomas ein ganz falsches Weltbild vermittelte. Und natürlich der "Lonely Goth" aus dem gleichnamigen Song. Solcherlei Erläuterungen machen Spaß, sind aufschlußreich und vermitteln einen ganz neuen Blick auf einen bereits erschlossen geglaubten Veteranen des australischen Folkrock. Natürlich hat Thomas auch einen besonders australischen Humor: Der unveröffentlichte Song "Half A Dog" war seine Antwort auf die Bitte der Plattenfirma, mit einer Kopie seines einzigen Radio-Hits aufzuwarten. Musikalisch geht Thomas dabei eher burschikos vor. Mit seinen tellergroßen, wuchtigen Schwerarbeiterhänden haut er dermaßen beherzt in die Saiten, daß man sich wundert, daß diese eben NICHT reißen. Und ganz schön laut ist er für einen gestandenen Akustiker auch.
Die lauten Töne sind es ja nicht eben, die Michael Weston King auszeichnen. Nachdem die Good Sons (seine Band, die manchmal schon laut werden konnte) offensichtlich das Zeitliche gesegnet haben, bereitete Michael die Fans auf sein kommendes Album vor, das er mit seinem Freund und Kollegen Jackie Leven und dessen Band eingespielt hat und das im Spätsommer erwartet wird. Der Opener, "Where The Sun Don't Shine" und die ergreifende Ballade für alle gescheiterten Songwriter "Always The Bridesmaid Never The Bride" waren schöne Beispiele für Michaels melancholisch reflektierenden Stil und machten Neugierig auf dieses Werk. Daneben huldigte Michael natürlich wieder seinem Idol und verstorbenen Freund Townes Van Zandt. Den Song, den Townes und Michael zusammen aufnahmen, "Riding The Range", spielte er an diesem Abaned zusammen mit Mick, der einige schöne Solo-Passagen einbaute. Daneben brachte Michael noch seine eigenen Standards und einen Song von Nick Lowe. Michael ist halt vor allen Dingen auch ein Fan. (Z.B. leuchteten seine Augen im Dunkel vor Begeisterung, als er erzählte, daß er in einem holländischen Plattenladen eine alte Brinsley Schwartz-Scheibe ergattert hatte). Die Zugaben spielten Mick und Michael dann zusammen - vor vergrößertem Auditorium. Die zu früh gekommenen Disco Kids, die darauf warteten, endlich wieder ordentliche Musik aus der Konserve hören zu können, staunten andächtig, daß die Musik der beiden Männer auf der Bühne nicht aus kleinen schwarzen Kästchen, sondern aus diesen komisch geformten Holzkisten kam, die sich die beiden vor den Bauch geschnallt hatten. Na, da gabs ja wohl was zum Erzählen am nächsten Tag in der Schule! Immerhin: Es wurden Leute aus dieser Klientel beobachtet, die sich CDs der beiden Protagonisten kauften. Resümierend kann man sagen, daß dieser Abend irgendwo so gar nichts besonderes gewesen war und dennoch irgendwie schön. Es ist jedenfalls gut, daß sich trotz aller Unbillen immer noch Leute die Mühe machen, übersichtliche und konkrete akustische Musik zu machen - auch wenn dies quasi gezwungenermaßen geschieht.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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