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Konzert-Bericht
 
Reinschlüpfen und sich wohlfühlen

Dan Bern
Pina

Köln, Studio 672
19.06.2002

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Dan Bern
"Ich bin Pina, das ist mein erstes Konzert in Deutschland... und Peter Gabriel hat mich entdeckt und dann habe ich eine Platte auf seinem Label Real World gemacht", meinte die jetzt in Irland ansässige Österreicherin Pina Kollars ein wenig ungelenk zwischen ihren Stücken. Was die zierliche Frau mit der großen Gitarre aber an Suade vermissen ließ, machte sie mit Stimmgewalt wieder wett. Wenn man erst einmal über Pinas ungewöhnliche Tonlage hinweg war (was nicht vonnöten war, wenn einem die 60s Ikone Melanie Safka geläufig war), dann konnte man sich einfach den folkorientierten, simplen aber hochmelodischen Songs hingeben. Spieltechnisch kam Pina nie über ein rudimentäres Strumming auf der akustischen Gitarre hinaus - darum ging es letztlich auch nicht.
Mit bemerkenswerter Inbrunst (und Lautstärke) sang, schrie, heulte und seufzte sich Pina durch ihr Oeuvre. Im Gegensatz zu ihrer Debüt-CD "Quick Look", auf dem sich die Songs zum Teil hinter (beeindruckenden) komplexen Arrangements verstecken, bewies Pina live, daß diese auch von der Substanz her wahrlich nicht von schlechten Eltern sind. Allerdings zeigte die Dame in der zweiten Hälfte - seltsamerweise beginnend bei einem Folksong, der doch nun eigentlich die Basis ihres Tuns hätte sein müssen - Schwächen im Abschluß, denn hier plazierte sie eher gleichförmig klingendes Material. Egal: Letztlich offenbarte sich an diesem Abend Pina als stimmgewaltige Neuentdeckung am Songwriter-Himmel.

Zum Glück war die Pause zwischen ihrem Auftritt und dem von Dan Bern recht kurz, denn im stickig heißen Club 672 hatten sich erstaunlich viele Freunde handgemachter Musik eingefunden. Dieser Eindruck relativierte sich indes insofern, als daß sich 90% der Zuschauer als amerikanische Studenten herausstellten - Fans von Dan, die gewiß nicht zu anderen Acts dieser Art gehen würden. Um es gleich hinter uns zu bringen: Ja, Dans Stimme klingt auch live nach dem "jungen, neuen Dylan" - aber: Er hat eine ganz andere Frisur und soooo jung ist er auch nicht mehr. Des weiteren hat er so gar nichts von Dylans vielseitiger, filigranen Gitarrentechnik, sondern offenbart sich im Vortrag als zupackender Akkordliebhaber. Für die Feinmechanik hatte er sich einen Gitarristen namens Brian Shaye mitgebracht, der auf einer merkwürdig kleinen Soprangitarre die Finessen der Songs herausarbeitete. "Ich spreche ein wenig Deutsch", sprach Dan ein wenig Deutsch, "weil meine Eltern zu Hause Deutsch gesprochen haben - wenn sie sich stritten. Deswegen bin ich ein bißchen aufgeregt, weil ich das Gefühl habe, daß meine Eltern heute abend hier sind." Witzig ist er schon, der gute Dan (zumindest auf der Bühne - im ernsthaften Gespräch outet er sich auch als ernsthafter Mensch). Nachdem er mit "Black Tornado" vom neuen Album "New American Language" erst mal den Boden bereitet hatte, unterhielt er im Folgenden das Publikum mit einigen seiner - zum Markenzeichen gewordenen - Songs über "household celebrities". So amüsierten insbesondere die Überlegungen, was wohl passiert wäre, wenn Marilyn Monroe HENRY Miller, anstelle von Arthur Miller geheiratet hätte, was wohl passiert wäre, wenn Neil Young zu den Beatles gehört hätte und Richard Starkey "The Needle & The Damage Done" gesungen hätte oder auch die in der Zugabe dargebotene Geschichte vom "Confused Little Girl", in der Bern Abenteuerliches und Verblüffendes mit schottischem, italienischen, französischen und wenigstens fünf weiteren Akzenten vortrug. Die Krönung all diesen Frohsinns waren dabei gewiß die haarsträubenden Überlegungen des Zusammenhangs von dicken Eiern, Cassius Clay und den Schwüngen der Golf-Ikone Tiger Woods. Das war schlicht zum Brüllen. ABER: Mit seinen - zugegeben hochintelligenten - sprachlich aberwitzigen, hintersinnigen und betont auf witzig getrimmten Paradestückchen entzieht sich der Performer Bern ein wenig den Boden, wenn es an nicht ganz so lautes Witzgut geht, wenn es - wie in "New American Language" oder dem Song zum Thema "Talk To Your Kids" auch um ernsthafte Überlegungen, um Zweideutigkeiten und in Wortspielereien verpackte, zynische Seitenhiebe geht. Soll man dann auch losprusten, in sich hineinlächeln oder betroffen dreinschauen? Manchmal weiß man es nicht.

Was man aber Dan Bern auf jeden Fall attestieren muß, ist eine großartige Bühnenpräsenz und eine ungemeine Selbstsicherheit, die z.B. auch darin gipfelte, daß es ihm gelang, dem nun wahrlich ausgelutschten "House Of The Rising Sun" durch eine demonstrativ schnoddrige, schleppende Vortragsweise und ein seltsames Tuning neue Seiten abzugewinnen und dennoch den Inhalt des Songs emotional glaubwürdig auszuleben. Vergleiche braucht Bernstein, wie ihn seine Fans und Freunde rufen, nicht zu scheuen - schon alleine deshalb war es sympathisch, daß er in dem angesprochenen Beatles-Song auch Bob Dylan selbst parodierte. Denn mit seiner Mischung aus Comedy und Sozialkritik, verbunden mit typisch amerikanischen Klischees - sowohl textlicher, wie auch musikalischer Natur - die er sich aber stets zu seinen Bedingungen zu Diensten macht, bot Dan Bern genügend Ansatzpunkte, sich in seiner Musik mühelos zurechtfinden zu können. Nicht zuletzt, weil vieles bereits gewohnt erschien, auch wenn man Bern zum ersten Mal zu Gesicht bekam. Reinschlüpfen und sich wohlfühlen eben!

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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