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Die Anonymen Musikfreunde e.V.

The Furthurs
Brink

Köln, MTC
26.06.2002
The Furthurs
Endlich gibt es wieder eine Basis für gitarrenorientierte Singer-Songwriter-Musik in Köln! Kurt Kreikenbom, seines Zeichens Solo-Künstler und Vorsitzender solcher Kölner Legenden wie der Furthurs, der Heathers oder Leatherette, hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Szene eigenhändig wieder in Gang zu setzen. Hierzu hat er seine ehemalige DJ-Reihe "Die dunkle Seite des Kuschelrock" um den Live-Aspekt erweitert und ins Kölner MTC transferiert, wo die Sache jetzt ihre Heimat gefunden hat. Der Gedanke ist dabei, die Zuschauer mit Live-Musik der Furthurs zu beglücken, wobei dann wechselnde Acts als zweiter Gang hinzustoßen. Musikkonserven der seltsamen Sorte (zum Beispiel 20 Minuten lange Grateful Dead Tracks oder ganz gespielte Jennifer Jackson CDs) gibt es natürlich auch vom "Furthurs Sound System". Moment mal - kommt uns das nicht bekannt vor? Richtig: Da gab es doch diese Reihe "Honky Tonk Attack" von Gerry Lee & The Wanted Men & Special Guests (meist Hank McCoy). Das Problem bei beiden Reihen scheint indes identisch schwer zu lösen: Wie schafft man es, auch Außenstehende zu bewegen, sich diese Dröhnung zu geben, damit nicht immer die selben 10 Männekes sich im Auditorium verlieren? Nun, wenn Kurt weiß, wie das geht, dann wird er sicher in Kürze ein reicher Mann sein. Bis dahin wünschen wir dieser neuerlichen Kölner Selbsthilfeaktion erst mal viel Glück.
Brink
Immerhin ist es ja dankenswert, daß sich überhaupt jemand der Sache annimmt. Zum Musikalischen: Am 26.06. traten neben den (momentan um einen Schlagzeuger dezimierten) Furthurs noch Brink auf. Ganz klar und unmißverständlich: BRINK und nicht BRINGS! Brink ist ein Projekt um Songschreiber Thorsten Reichelt. Zumindest an diesem Abend war die Sache als Trio angelegt (Baß, Gesang + 2 x Gitarre). Reichelt ist ein großer, schlaksiger Typ mit einem enorm trockenen Humor und einer seltsamen Art, die Gitarre ganz ungelenk zu halten. Das paßt aber irgendwie zur Musik, denn Thorsten klingt so ähnlich wie ein Kölscher Lou Reed. Der Mann sprechsingt sich aber schon in englisch durch seine halbdüsteren Americana-Balladen, die trotz Kuschelrock so gar nicht weichgespült scheinen. Die Band muß aber noch etwas üben, was die Bühnenpräsenz betrifft. Das gilt besonders für Reichels Mitstreiter, Bassist Oliver, der ständig Noten las und Gitarristin Dorea, die beim Singen immer so aussah, als wäre sie eigentlich lieber ganz wo anders. Der Meister selbst rettete sich mittels seiner recht abstrakten Sprüche recht charmant über die Runden. Die Songs indes sind echt Klasse und erinnern in ihrem spröden Charme zuweilen sogar an die legendären Feelies - zumindest, wenn (wie in diesem Falle) Kurt Kreikenbom am Schlagzeug anschieben half.
The Furthurs
Zu den Furthurs selbst muß man ja mittlerweile kaum noch was sagen. Seit dem legendären Auftritt im Vorprogramm von Savoy Grand hat die Truppe wieder zu ihrer alten Form gefunden. Es ist allerdings immer ein Problem, wenn der Schlagzeuger fehlt. Kurt rettete das Ganze so, daß er im ersten Set (vor Brink) Akustisches zum Besten gab und sich im zweiten Teil dann selbst am Schlagzeug plazierte und von den Cry Cats sangestechnisch unterstützen ließ. Nachdem zunächst dann die typischen Kreikenbom-traurigen Balladen geboten wurden - z.B. "Results May Vary" oder "Hidden Track", gings im zweiten Teil dann experimenteller zu. Neben den üblichen Bobby Fuller Reminiszenzen bemühte der Meister dann Pink Floyd ("Interstellar Overdrive" - ein Song, der zugegebenermaßen wie für die Furthurs gemacht zu sein scheint) oder Tim Rose. Obskures Liedgut liegt dem Kurt ja stets am Herzen. Viel herumzunörgeln gab es eigentlich an der ganzen Veranstaltung nicht - außer vielleicht, daß man erwägen sollte, den DJ-Teil HINTER die Live Konzerte zu verlegen. Nicht jeder kann Wochentags ja bis in die Puppen aufbleiben. Daß Kurts Stücke nach wie vor jeweils ca. drei Minuten zu lang sind, weiß er ja bestimmt selbst. Das Wichtigste aber ist, daß es jetzt wieder eine Möglichkeit gibt, geplant die Kölner Alternative-Szene anzuchecken. (Von Nachwuchsszene kann man ja wirklich nicht mehr reden). Am 24.07. geht es weiter - dann mit den Doomtown Rockers - das ist die neue Band von Ex-Jewellers Mann Ralf Schneider. Im Herbst sollen dann folgen: Harald "Sack" Ziegler, die Locas In Love und eventuell Barbara Manning - natürlich jeweils eingebettet in einen dunkel kuschelnden Furthurs Set. So, und hier vielleicht noch mal ein Argument, warum man sich das mal antun sollte: Der Eintritt wird jeweils acht Euro nicht überschreiten. Dafür bekommt man in mancher Disco gerade mal eine Cola!
Text: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-


 
 

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