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Konzert-Bericht
 
Mehr Smog als Slayer

Low

New York, NY, Mercury Lounge
09.04.1999
Low
In der Mercury Lounge konnte man fast eine Stecknadel fallen hören, so still war es. Dabei stand vor uns auf der Bühne eine vierköpfige Gruppe, und die Veranstaltung lief unter dem Titel "Rockkonzert". Doch diese Band, Low aus Duluth, Minnesota, ist alles andere als normal, und das nicht nur, weil an diesem Abend neben Sänger / Gitarrist Alan Sparhawk, Schlagzeugerin / Sängerin Mimi Parker und Bassist Zak Sally auch Geigerin Ida Pearle als Gast mit auf der Bühne stand und rein optisch für nette Velvet-Underground-Reminiszenzen sorgte.
In Amerika scheinen sie nur noch ein paar Schritte vom großen Erfolg entfernt zu sein. Wenn hingegen in Europa jemand von Low spricht - was bisher nicht allzu häufig vorgekommen ist, obwohl ihr großartiges neues Werk "Secret Name" bereits ihre sechste Platte ist - geschieht das zumeist in einem Atemzug mit der Willard Grant Conspiracy, Smog, Scud Mountain Boys, The Walkabouts oder sogar Mojave 3. Manchmal, wie bei "Two-Step", schweben ihre Songs nur so dahin. Elegant und melancholisch wurde an diesem Abend musikalischer Minimalismus mit maximaler Wirkung zelebriert und gerade die Tatsache, dass die Songs von Low schon fast ein Stück ZU düster sind, macht die Band auf der Bühne wie auf Platte so hörenswert. Das kennen wir doch alles schon von den bereits erwähnten Smog, mögen da einige sagen. Stimmt, aber Smog fehlt im Vergleich zu Low eine wesentliche Komponente: Die Lockerheit, zumal auf der Bühne. Als ausgerechnet während eines der ruhigsten Songs des Sets, "Soon", im Publikum ein Handy klingelte, mussten die drei von Low nämlich herzhaft lachen. Smog-Chef Bill Callahan wäre in einer ähnlichen Situation vermutlich nur wütend geworden, und eine Nummer wie das leider bisher nicht auf Platte veröffentlichte "Lice", mit der nicht nur für Schulkinder lehrreichen Botschaft "So please be nice to people with lice", würde Mister Callahan wohl im Gegensatz zu Low auch nicht über die Lippen kommen. Ein großartiges Konzert!

Text: -Carsten Wohlfeld-

BACKSTAGE WITH: LOW

Nach dem Konzert sprachen Low in den Katakomben der Mercury Lounge noch einige Worte mit Gaesteliste.de.

Low
GL: Schmeicheln euch die ständigen Vergleiche mit Smog, oder seid ihr inzwischen davon etwas genervt?

Alan: "Naja, es stimmt schon. Wir klingen eher nach Smog als nach Slayer. Die Leute brauchen eben ihre Schubladen, in denen sie alles verstauen können. Was uns von Smog unterscheidet, ist die Tatsache, dass wir mehr auf unser Zusammenspiel mit unseren drei Instrumenten und den Gesang achten. Bill Callahan scheint dagegen offen für ALLES zu sein. Er spielt einen Song auf der Gitarre und wechselt dann ans Klavier. Er ist eben eher ein Solo-Künstler, wir haben bestimmte Eckpunkte, die wir stets in unsere Songs einbauen."

GL: Auffällig war heute Abend, wie gut ihr den Sound des Albums auch live reproduzieren konntet…

Alan: "Auf unserer neuen Platte gibt es zwar ein paar Streicher und Keyboards, aber die Basis der Songs können wir trotzdem noch zu dritt spielen. Das ist einfach eine der Beschränkungen, die wir uns bewusst auferlegen. Denn genau darum geht es uns: Indem wir uns selbst beschränken, stellen wir sicher, dass wir das Bestmögliche aus den uns gegebenen Mitteln schöpfen."

GL: Und da war Steve Albini, als Produzent eh ein Fan von Live-Atmosphäre, genau der Richtige, oder?

Alan: "Als wir die Songs für die neue Platte geschrieben hatten, setzten wir uns zusammen, um zu überlegen, wer sie wohl am besten umsetzen könnte. Steve Albini schien uns die beste Wahl zu sein, nicht zuletzt, weil wir in den Aufnahmen auch eine Herausforderung sahen. Wir wollten einfach wissen, was ein Mann, der Bush oder Nirvana produziert hat, aus einer eher als leise eingestuften Band wie uns machen würde."

GL: Trotzdem galt auch heute Abend: Die Songs waren wichtiger als die Atmosphäre. Das ist neu für euch, oder?

Alan: "Da gebe ich dir völlig Recht. Uns ist aufgefallen, dass in den letzten fünf oder zehn Jahren, sei es durch elektronische Musik oder andere Umstände, immer weniger Leute daran interessiert sind, echte Songs zu schreiben. Das heißt nicht, dass ich keine experimentelle Musik mag, im Gegenteil, ich liebe sie, aber für uns als Band haben wir einfach festgestellt, dass ein toller Song auch etwas für sich hat. Ein interessantes Arrangement und eine schöne Atmosphäre können sehr schön sein, aber ein guter Song ist etwas für die Ewigkeit. Ein guter Song hat einfach mehr Bedeutung als ein guter Sound. Roy Orbison oder Hank Williams haben großartige Sachen geschrieben, und inzwischen interessiert uns dieses Feld einfach mehr. Nicht zuletzt, weil wir inzwischen einfach [als Musiker und Songschreiber] besser geworden sind. "

GL: Erwartet ihr euch von diesem Album einen größeren Popularitätsschub, gerade in Europa, wo "Secret Name" schon tolle Kritiken erhielt?

Alan: "Es wäre schon schön, wenn uns die Tourneen ein bisschen mehr Geld einbringen würden, denn wegen der vielen Konzerte können wir ja zu Hause keine echten 'adult jobs' annehmen, aber was die Pläne, reich und berühmt zu werden, angeht - die haben wir aufgegeben!"

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Text: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Adam Strider-


 
 

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