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Konzert-Bericht
 
Children Of The 80s

Lava Baby
Bree Sharp

New York, Pier 17
22.08.2002

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Lava Baby
1980 sang ausgerechnet Joan Baez ein Stück mit dem Titel "Children Of The 80's" - was nun Humbug war, da die gute Joan ja mit Sicherheit eher ein Kind der 60er ist. Lange Rede kurzer Sinn: Mit dem gleichen Sinn für's Sentimentale wenden sich nun junge Musikanten allmählich dem Jahrzehnt zu, welches für sie so eine Art der 60s zu sein scheint: Die 80er nämlich. Diesen Trend konnte man z.B. bei einem Free-Konzert zweier Lokalmatadoren am berühmten Pier 17 im Southstreet Seaport in New York verifizieren. Dass dieses Ereignis letztes Jahr noch am World Trade Center stattgefunden hätte, spricht wohl für sich. Insofern war die Veranstaltung denn auch eher mäßig besucht. Zu dem abgelegeneren Standort finden eben nur Fans hin. Und für die zufällig anwesenden Touristen war die angebotene Mischung wohl etwas zu eklektisch geraten.
Bree Sharp aus Brooklyn ist so etwas wie eine Britney Spears des Gitarrenpop. Jedenfalls sieht sie nicht nur so aus, sondern hat z.T. die gleichen Manierismen drauf wie ihre berühmtere Kollegin. Anders als diese aber weiß sie, was eine Gitarre ist, bzw. wozu diese gut ist. So lassen sich ihre Songs, die irgendwo zwischen angenehmem Gute-Laune-Pop und respektablem Songwriting liegen, denn auch problemlos akustisch präsentieren. Begleitet wurde Bree Sharp bei diesem Konzert von ihrem Produzenten und Gitarristen Don DiLego, der nun auch weiß, wozu eine Gitarre gut ist. Bree's Songs, die alle recht gefällig daherplätschern, könnte man als "mittelprächtig gelungen" bezeichnen - wenn sie nicht eine für diese Art von Musik genau passende Stimme hätte und auch immer wieder musikalisch immer wieder Momente der Inspiration aufblitzen täten. Stücke wie "Everyone Feels Wrong" hätte Sheryl Crow auch nicht besser hinbekommen. Darüberhinaus weisen die Texte immer wieder überraschende und originelle Zeilen auf - wie etwa: "David Duchovny - Why Don't You Love Me?" oder "I Got No Big Plans, I Ain't No Beauty Queen - I Just Want To Be In A Dirty Magazine" oder "I've Been In The Gutter, Been In A Latrine - I've Been In The Back Of A Black Limousine" - das grenzt schon an Poesie! Mit "America" hat die Gute zudem einen - auf dieses Umfeld bezogenen - adäquaten sozialkritischen Titel im Gepäck (der indes natürlich von Gelegenheitstouristen im Springsteenschen Sinne missverstanden und mitgegrölt wird, weil halt nun mal das Wort "America" drin vorkommt). Auf ihren bisher zwei CDs (wovon die zweite, "More B.S.", soeben erschien) wird der Schalter auch immer wieder gerne in Richtung Rock umgelegt. Bei diesem Live-Auftritt musste man sich dafür mit einigen stadienreifen Gesten und der guten Absicht zufrieden geben. "Wouldn't be a proper concert if I didn't flirt with the audience, wouldn't it?" war dabei der peinlichste Ausrutscher. Immerhin - Bree ist für ihre Fans da. Obwohl das Konzert um 18 Uhr stattfand und sie bereits um 21 Uhr in Philadelphia wieder auf der Bühne stehen musste, ließ sie es sich nicht nehmen, jedem der es wünschte und vielen anderen obendrein Autogramme auf die frisch erworbenen Tonträger zu kritzeln. Ach ja: Höhepunkt des Konzertes war eine recht überzeugende Coverversion von Don Henley's "Boys Of Summer" - einer ihrer Lieblings-Songs aus den 80s (und ebenfalls auf "More B.S." zu hören).
Lava Baby geben sich gar nicht erst die Mühe, vorgeben zu wollen etwas anderes zu sein, als eine New-Wave-Fun-Pop-Band. Obwohl die Truppe um Frontfrau Robyn Banks gar nicht mehr soooo jugendlich aussieht, ist die Zielrichtung - der Teenie Markt - jedenfalls klar umrissen. Insofern liefert die Band dann auch - trotz des modisch adäquat auf Crossover gestylten Bassisten Peter Cole - straighten, gut verdaubaren 80s Pop mit aufgesetztem Schockfaktor. Stücke wie "Sex Junkie", obligatorische Tattoos und authoritätsverachtende Attitüde gehören dabei ebenso zum Programm wie quietschende Synthesizer, akzentuierte Harmoniegesänge sowie mit vielen Effekten verzierte Popgitarrenläufe. Im Prinzip machen Lava Baby vollkommen unbefangen da weiter, wo Blondie einst aufhörten. Insofern machte es denn natürlich auch Sinn, dass eine Coverversion von "Rapture" das Rückgrat der Show bildete. Die aktuelle Single heißt "I Got You" und befindet sich auch auf dem eben veröffentlichten Album "Big Muff" (augenscheinlich wieder Shock-Value - jedoch ist bei näherem Hinsehen das gleichnamige Gitarreneffektgerät gemeint). "I Got You" ist nun ein Stück von Neil Finn - allerdings nicht von Crowded House, sondern noch aus Split Enz-Zeiten - also ebenfalls aus den 80s. Daneben gab es noch ein paar eingestreute Madonna-Zitate und viel Gute-Laune-Getue (z.T. mit drei gleichzeitig geschwungenen Tambourins). Aber auch ohne diese strahlte das ganze Konzert eine angenehm lustige Retro-Stimmung aus. Als zum Schluss dann allerdings Robyn's Schwester - ehemals auch bei Lava Baby aktiv - begann, T-Shirts ins Publikum zu werfen, kippte die Stimmung eher ins Lächerliche um. Da es sich aber um ein Free-Konzert handelte, war das ja nicht weiter schlimm - was jeder New Yorker bestätigen wird, der mal etwas umsonst bekommt.

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Surfempfehlung:
www.lavababy.com
www.breesharp.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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