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Asche auf sein Haupt

Badly Drawn Boy

Köln, Bürgerhaus Stollwerck
19.09.2002
Badly Drawn Boy
England's momentan bester Mann, Damon Gough, alias Badly Drawn Boy, war wieder in Köln, um die Songs seines aktuellen Albums "About A Boy" live vorzustellen. "Ich werde mich nicht dafür entschuldigen, dass ich den Soundtrack zu 'About A Boy' gemacht habe", stellte er gleich zu Anfang mit bierernster Miene klar - nur um dann hinzuzufügen: "Und ich möchte mich bei Hugh Grant bedanken. Er hat es wirklich gut weggesteckt als sich auf dem Set herausstellte, dass ich sehr viel besser aussehe, als er." Nein, unter mangelndem Selbstbewusstsein leidet Damon wirklich nicht. Das zeigte sich z.B. auch daran, dass er das Konzert mit lauter neuen Stücken eröffnete, die sich erst auf dem nächsten Album finden werden. Das heißt: Eigentlich fing er das Konzert mit einem seltsamen Mundharmonika-Solo an, das erst besser wurde, als er merkte, dass er das Instrument verkehrt herum blies. Das ist typisch BDB!
"40 Days And 40 Fights" oder "What Is It Now" erwiesen sich dann als solide Mid-Tempo Songs, die hervorragend geeignet erschienen, Goughs Faible für ausgedehnte Instrumental-Eskapaden zu bedienen. Wollen wir mal hoffen, dass wir die neuen Stücke auf der fertigen CD dann auch wiedererkennen können. Denn nach wie vor gilt: Außer "Disillusion" haben die Live-Versionen für gewöhnlich nichts mit den Studio-Arrangements zu tun, sondern hängen einzig und alleine von Goughs momentaner Stimmung oder Eingebung ab. Und dieses führt dann dazu, dass er einen Song so lange ausprobiert, bis ihm die Muse die richtige Eingebung schenkt. So kann es denn sein, dass er mitten im Flow das Tempo wechselt, einen Song bis zu vier Mal ansetzt, nach zwei Strophen abbricht, um dann solo weiterzuspielen, die Band mal eine ganze Strophe instrumental spielen lässt - etc., etc., etc. Niemand kann Damon Gough vorwerfen, seine Shows seien langweilig. Zumal er das Publikum auf sympathische Art mit einbezieht. So hält er die Leute über den Entwicklungsstand seiner Familie auf dem Laufenden (ja, es gibt ein zweites Kind), verschenkt impulsiv die Hälfte seiner Plektrons, trinkt Bier mit der ersten Reihe oder schüttet sich den Inhalt seines Aschenbechers über die obligatorische Wollmütze, die er keine Sekunde ablegt. Dabei macht Gough nicht nur Kasperletheater, sondern zeigt sich auch immer als wagemutiger und experimentierfreudiger Instrumentalist. Solch inspirierte Soli würde Lenny Kravitz auch immer gerne spielen - wenn er nicht so mit dem Posen beschäftigt wäre. Im Gegensatz zu Kravitz bleibt Damon dabei allerdings originär cool - was heißt, dass er keine Bange hat, bei seinen Experimenten auch mal auf den Hosenboden zu fallen (was oft und gerne passiert). Dazu führt er dann spezielle "Manchester-Kunststückchen" mit brennenden Streichhölzern vor und raucht wie ein Schlot. "Ich rauche doch gar nicht", stellt er indes konsterniert fest, "ich zünde die Zigaretten doch nur an und schmeiße sie weg." Was im Prinzip stimmt.
Badly Drawn Boy
Zwischen all dem impulsiven Herumagieren kam immer genau dann, wenn man sich wieder mal fragte, warum BDB eigentlich eine Setlist erstellt hatte, eine schöne Überraschung, wie z.B. eine ausufernde Version von "Fall In A River" (das auf "Bewilderbeast" ja nur ein obskures Experiment darstellt) oder "Something To Talk About", dem Titeltrack von "About A Boy", den das Publikum natürlich besonders enthusiastisch aufnahm. Es war schon erstaunlich, wie die Band immer rechtzeitig herausfand, ob der Meister bloß im Material herumstocherte oder doch das Stück straight spielen wollte. Das war bei seinem ersten Besuch noch ganz anders. Immer wieder zwischen drin baute Gough auch neue Stücke ein - wie z.B. das Doppelpack "I Was Wrong" und "You Were Right" - letzteres wird dann die vielversprechende neue Single sein, oder die interessant aufgebaute Ballade "How". Zwischendurch wurde es auch mal besinnlich: "A Minor Incident" wurde akustisch oder "Silent Sigh" am Piano dargeboten. Dennoch zeigte Gough vor allen Dingen, dass er - mit einer soliden Band wie der aktuellen im Rücken - auch richtig rocken kann. Zum Beispiel, als er bei der Zugabe eine Weltpremiere präsentierte - ein beeindruckender, mächtig rollender Rock-Drone, der bei dieser Show zum ersten Mal aufgeführt wurde - und mit einem extatischen "Everybody's Stalking" gleich noch eins drauf setzte. Natürlich durften auch seine Hits "Stone On The Water" und "Donna & Blitzen" nicht fehlen - auch wenn er sich für letzteres ziemlich lange bitten ließ. Überhaupt war es eine merkwürdige Idee, mehrmals "Requests zu taken" und dann keinen einzigen zu erfüllen. Aber das Publikum nahm ihm das nicht übel. Das Publikum nahm Damon überhaupt nichts übel. Auch nicht, dass er mitten im Set einfach eine Pause einlegte, bei der seine Band dann einen Verlegenheitswalzer spielte. Oder dass er bei dem Versuch, den 20-Sekunden-Opener von "Boy" als Instrumentalversion auf fünf Minuten auszuwalzen und dabei nicht immer passende Soli ausprobierte. Bei einer besonders schönen Version von "Pissing In The Wind" waren sich dann alle einig: Musikalisch kann Damon Gough zur Zeit in England niemand das Wasser reichen. Das Einzige, was man dem kleinen Mann vielleicht anlasten könnte, ist die Tatsache, dass seine gesanglichen Fähigkeiten bei weitem nicht an seine kompositorischen heranreichen. Im Studio lässt sich so was ja noch kaschieren, live indes macht sich dieses Manko schon bemerkbar. Aber wie gesagt: Übelnehmen tat ihm sowieso keiner etwas. Die Hauptsache war sowieso, dass man wieder mal die Gelegenheit hatte, den Guten live beobachten zu können - denn das ist schon eine Welt für sich, die sich auch nur durch unmittelbares Erleben erschließt. Ja man muss aufgrund der erratischen Qualität des Vortrages sogar hoffen, dass es niemals eine Live-Scheibe von BDB geben wird. Das wäre nämlich ein ganz starker Tobak...
Surfempfehlung:
www.badlydrawnboy.co.uk
Text: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-


 
 

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