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A Hard Pan's Night

Hardpan

Bonn, Harmonie
29.09.2002

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Hardpan
Die Idee hörte sich ja nicht schlecht an: Vier Songwriter, die alleine jeweils einen recht spezifischen Stil haben, tun sich zusammen, um so neue Gefilde zu erkunden. Angesichts der logistischen und systembedingten Schwierigkeiten war jedoch Skepsis angebracht, ob das wohl funktionieren könnte. Diese Skepsis war dann wie weggeblasen, als Terry Lee Hale, Joseph Parsons, Chris Burroughs und Todd Thibaud (in keiner bestimmten Reihenfolge) mit "Closer To The Border" das Konzert in der Harmonie zu Bonn begannen. Die Jungs hatten nämlich nicht den Fehler gemacht, der des Öfteren bei solcherlei Konstrukten zu beobachten ist: Dass sich nämlich die Protagonisten mit vier akustischen Gitarren hinstellen und dann den jeweiligen Vortragenden mehr oder minder lustlos begleiten, bis sie selbst an der Reihe sind. Nein: Hardpan präsentierten sich als experimentierfreudige Band, bei der alle Beteiligten reihum auch alle Instrumente spielten.
Neben akustischen Gitarren waren das Bass, Dobro, 12-Saitige, E-Gitarre und sogar ein "Schlagzeug", welches allerdings aus einer Art Schuhkarton bestand, der mit Besen bearbeitet wurde. "Mehr wollte die Plattenfirma nicht rausrücken", meinte Todd grinsend. Natürlich gab es bei all dem Hin und Her auf der Bühne allerlei lustige Situationen - wenn z.B. sich die Kabel verknoteten oder die Stecker nicht gefunden werden konnten. Da stand man aber als Profi drüber. Die Stimm-Pausen wurden mit allerlei Palaver überbrückt... Terry: "Neil Young hat Leute, die ihm die Gitarren stimmen. Vielleicht sollten wir das auch mal fordern." Todd: "Kann Edgar [Label-Chef von Blue Rose] das nicht machen?" Joseph: "Fragen kostet ja nichts" Chris: "Edgar kann Gitarre spielen?" Oder aber... Terry: "I would like to play a little bass." Chis: "Sorry, we only have a big one." Musikalisch gab es natürlich keine allzu großen Überraschungen - außer der, dass dafür, dass die vier vor der Tour praktisch keine Zeit zum üben hatten und noch nie vorher zusammen aufgetreten waren und dieses erst die sechste Show war, alles verdammt rund und geschlossen klang. Natürlich gab es vorwiegend die Stücke von der ersten und einzigen "Hardpan"-Scheibe - angereichert mit kleinen Gags - wie z.B. einer waschechten "Doo-Wop"-Einlage bei "Dead City". Aber Chris und Todd hatten jeweils kurzfristig noch neue Stücke geschrieben - wobei besonders Todd's "Don't Need It Anymore" zu einem Überraschungshit geriet, zu dem sich die "Band" in einen rechten Rausch spielte. Und mit "Difference" von THE Band gab es auch eine gepflegte Cover-Version, die sich nahtlos in das musikalische Gefüge einpasste.
Besonders lustig wurde es, wenn jemand ein Instrument bediente, auf dem er offensichtlich nicht gerade ein Virtuose war - wie z.B. Terry Lee Hale auf dem Bass - dann gab's z.B. Funk der Extraklasse. Ein Grund, warum Hardpan als Band funktionierte, war der Umstand, dass jeder mit seinen Stärken brillieren durfte, ohne dass die anderen deswegen blass aussahen. So überzeugte Chris Burroughs mit brillianten, treffsicheren Soli auf der Telecaster, die z.T. sogar Szenenapplaus hervorbrachten, Joseph Parsons strahlte als bester Sänger des Abends, Terry Lee Hale als bester Multinstrumentalist und Todd Thibaud verlor sich im ungewohnten vollakustischem Umfeld (er selber spielte keine elektrische Gitarre) besonders intensiv in den jeweiligen Songs. Hin und wieder - wie bei Parson's "Crocodiles" gab es auch eine Jam-Session, bei der auch mal die eine oder andere Saite riss und bei einem Song bemühte Terry gar einen Pod-Verstärker-Simulator für seine akustische Gitarre. Überhaupt durfte man attestieren, dass - trotz der beschränkten Mittel - einige Stücke recht gut rockten (vorzugsweise die von Chris Burroughs). Dafür musste man merkwürdigerweise gerade bei den Balladen zuweilen Abstriche machen. Obwohl Todd's "To Bury An Angel" als "Lieblingsstück" der Band auserkoren wurde, kam gerade dieses doch ein wenig beliebig daher. Wahrscheinlich lag das vor allem daran, dass auf der CD keine echten Balladen-Knaller enthalten sind. Nachdem dann tatsächlich die ganze Hardpan Scheibe (und einiges mehr) abgearbeitet war, durfte man als Fazit festhalten, dass das Konzept - trotz aller Bedenken - tragfähig erscheint. Was nämlich niemand für möglich gehalten hatte, trat ein: Es kamen tatsächlich wesentlich mehr Zuschauer zur Hardpan-Show, als zu denen der einzelnen Artisten. Schade, dass es solche Geschichten nicht öfter gibt.

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Surfempfehlung:
www.terryleehale.com/hardpan/intro.html
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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