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Weird, woozy and fuzzywuzzy!

Luna

Köln, Gebäude 9
08.10.2002

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Luna
Harte Zeiten für Dean Wareham, Sean Eden, Lee Wall und Britta Phillips: Vier lange Jahre hatten Luna keine komplette Europa-Tournee mehr gespielt, und trotzdem wollten weniger als 50 Seelen den Tourneestart in Köln sehen. Der lief dann - passend zu den Kartenverkäufen – auch musikalisch etwas schleppend an. Kein Wunder, erzählte Sean Gaesteliste.de doch nach der Show, dass die vier gerade einmal 10 Stunden vor Showtime aus dem Flieger aus New York City gestiegen waren. An der sichtbaren Müdigkeit der vier Helden lag es allerdings dennoch nicht nur: So mancher im überschaubaren Auditorium schien mit den Songs des neuen, im Juni veröffentlichten sechsten Luna-Albums "Romantica" nicht vertraut zu sein, und so hielt sich die Begeisterung anfangs in Grenzen.
Und das obwohl Songs wie das poppige "Lovedust", die für Luna-Verhältnisse ungewöhnlich harte Uptempo-Nummer "1995" (beides bei den US-Konzerten jeweils Garanten für wippende Füße und nickende Köpfe) oder das in der Liveversion etwas simpler als auf der Platte gestrickte "Black Postcards" mit zu Dean Warehams besten Songs überhaupt gehören. Besser erging es da schon den "Oldies" à la "Sideshow By The Seashore", "Tiger Lily" oder "Pup Tent", die von den Zuschauern zumindest mit angeregtem Beifall begrüßt wurden. Apropos Begrüßung: Abgesehen davon, dass Dean von der Bühne aus den Gaesteliste.de-Fotografen persönlich begrüßte, sagte er den ganzen Abend kaum einen Piep. Das hat er sich wohl auch in den USA angewöhnt: Als er beispielsweise im August beim Seaport-Konzert in New York dem Publikum erklären wollte, dass er mal dort um die Ecke gewohnt habe, kam sogleich ein Zwischenruf: "Hey man, that's a concert. Play some music" – so etwas motiviert natürlich nicht eben. Aber spätestens, als die Gitarren ihren Jetlag überwunden hatten (in der ersten Hälfte der rund 80-minütigen Show verbrachten Dean und Sean pro Song oft mehr Zeit mit dem Stimmen als mit dem Spielen), konnten Luna endlich die Musik für sich sprechen lassen und ihre ganze Magie entfalten: "23 Minutes In Brussels" konnte mit einem großartigen Solo von zuerst Sean und dann Dean aufwarten, wobei überhaupt auffiel, dass die Soli der beiden zwar oft recht lang, aber stets interessant und zumeist anders als auf den bekannten Plattenversionen waren. Vor allen Dingen Sean Eden holte dabei immer wieder neue, überraschende, aber stets passende Sounds aus seinen Effektgeräten hervor. Weil der Tourstart in Deutschland stattfand, gab es dann - natürlich! - auch noch den deutschsprachigen "Slow Song" über die Senfkörner des Wahnsinns und für das große Finale die grandiose Coverversion von "Bonnie & Clyde" (en français, naturellement!), bei der Neu-Bassistin Britta den Plattenpart von Laetitia Sadier übernahm – wie schon auf der Live-Scheibe zu hören. Britta erwies sich zudem als äußerst empathische Bassistin. Insbesondere der Umstand, dass sie "viele Töne spielte" – ansonsten ein absolutes "No-No" und Grundlage vieler Bassistenwitze – wirkte sich aufgrund der sehr abwechslungsreichen und intuitiven Spielweise als deutlicher Pluspunkt aus. Da sie daneben eine richtig schöne, mädchenhafte Stimme hat, bewies sie zudem bei dem Duett "Mermaid Eyes" – und das sie das mit der unüberheblichen Contenance wirklich schöner Menschen tat, schadete auch nicht eben. Für die Zugaben fragten Luna dann im Publikum nach Wünschen und hätten beinahe "Ride Into The Sun" von The Velvet Underground gespielt - wenn Sean sich denn bloß hätte erinnern können, wie der Song anfängt! Als - mehr als gleichwertigen - Ersatz gab es das ebenfalls lautstark verlangte "California (All The Way)", die wohl schönste Luna-Nummer, nicht nur, weil das Stück es sogar zur Calvin-Klein-Werbemusik gebracht hat! Doch damit noch nicht genug: Kaum war der letzte Ton des Stücks verklungen, stimmte Dean einen letzten Song an, eine (Fast-) Coverversion, die - den versteinerten Minen im Publikum nach zu urteilen - erstaunlicherweise niemand erkannte. Dabei war es doch "Fourth Of July" von Deans alter Band Galaxie 500, das Luna in einer episch langen Version in Köln wesentlich besser brachten als in der etwas schwachbrüstigen Version auf ihrem "Live"-Album.
Fazit? Goldstaub regnete nicht gerade von der Decke, denn dazu war die Band wohl noch zu sehr von der Atlantiküberquerung geschafft. Das war wohl auch der Grund, warum sie in Köln – abgesehen von Seans gelegentlicher Grimassenschneiderei - besonders stoisch und desolat wirkten. Wichtig zu wissen: Hinter der schroffen Oberfläche stecken im Prinzip aber doch recht freundliche und kurzweilige Menschen. Das Publikum war im Gebäude 9 aufgrund fehlender Menge auch nicht enthusiastisch genug, um die Sache herauszureißen - aber alleine mit den letzten vier Nummern bewiesen Luna, dass sie in ihrer Gewichtsklasse immer noch ganz vorne mitspielen!

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Text: -Carsten Wohlfeld & Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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