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Musikalischer Streichelzoo

Jennifer Terran

Groningen, Prinsentheater
25.10.2002

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Jennifer Terran
Das Prinsentheater in Groningen ist ein eher unauffälliges Kleinkunst-Theater, malerisch gelegen am Rande der grachtendurchzogenen Innenstadt. Ein idealer Ort also für ein kleines, gemütliches Konzert in eher intimen Rahmen. Jennifer Terran aus Los Angeles eröffnete ihre Europa-Tour nicht umsonst in Holland: Dort hat sie aufgrund eines Artikels in dem recht populären Magazin "Heaven" eine vergleichsweise solide Anhängerschaft. (Ihr Album, "The Musician", ist soeben auch europaweit auf dem holländischen Label Continental Records erschienen). Aber der Holländer als solches ist auch irgendwie aufgeschlossener, was "unbekannte" Musik angeht. Eine unrepräsentative Umfrage im Publikum ergab, dass etliche der Anwesenden selbst durch stöbern im Internet auf Jennifer's Musik gestoßen waren und diese jetzt mal live antesten wollten. So etwas ist bei uns ja beinahe undenkbar.
Die Show begann mit einem kurzen Monolog aus dem Off, in dem Jennifer Barbie und Ken vorstellte. Natürlich handelt es sich hierbei nicht einfach um die bekannten Standard-Püppchen, sondern um "enhanced Versions" mit allerlei pikanten geschlechtsspezifischen Zutaten. Das war nur ein kleiner Witz am Rande, der aber ungefähr aufzeigte, wie man besser denken sollte, wenn man Jennifer Terran goutieren möchte. (Während des Vortrags durften Barbie und Ken es hinter dem CD-Köfferchen treiben). Jennifer war mit ihrem Bassisten und Gatten, Brendan Statom angereist. Sie selbst sang und spielte Piano (und eine winzig kleine Trommel). Statom entpuppte sich bei dieser Show zweifelsohne als einer der besten Bassisten der westlichen Welt. Auf Konserve scheinen seine Beiträge ja stets subtil und eher hintergründig. Dieser Eindruck erwies sich im Live-Kontext allerdings als falsch. Selten findet man nämlich Bassisten, die - ohne dem Kardinalfehler des "zu viel spielens" zu verfallen - dermaßen einfühlsam, vielseitig und spontan reagieren wie Statom. Dies betraf nicht nur die eigentliche Bass-Begleitung, sondern auch die Parts, in denen Statom mit dem Bogen ganze Streicherparts emulierte. Das warf auch ein ganz neues Licht auf die String-Arrangements auf der Scheibe. Besonders überzeugend kam hierbei zu Gute, dass Statom keineswegs das Heil in der Virtuosität suchte, sondern sich stets Jennifer's Vorgaben unterordnete - was nicht ganz einfach war, da diese doch ziemlich impulsiv von einer Eingebung zur nächsten sprang. Man kann sogar so weit gehen, anzunehmen, dass Jennifer und Brendan schlicht dieselben Gedanken dachten - nur so war das nahtlose ineinander greifen von Vortrag und Begleitung zu erklären. "Brendan is mine" sagte Jennifer an einer Stelle eher scherzhaft in Anspielung auf einen Songtext. Ganz sicher konnte man sich indes nicht sein, ob dies wirklich nur ein Spaß sein sollte. Brendan indes trug's mit stoischer Gelassenheit.
Es sollte ein Abend aus geplanten und impulsiven Teilen werden, kündigte Jennifer vorab an. Und so waren Wünsche aus dem Publikum ebenso willkommen, wie plötzliche Eingebungen, die Jennifer mit sich selbst aushandelte. Das Material stammte von ihren drei CDs - "Rabbit", "Cruel" und "The Musician" - mit einem Schwerpunkt auf letzterem, da die Tour auch als "Mad Magdalin" Tour angekündigt war. "Mad Magdalin" ist ein fiktiver Charakter, der auf "The Musician" sein Unwesen treibt (und in Stellvertreter manches wohl oft gedachten Gedankens und metaphorisch verbrämt den Chef der Plattenfirma umbringt). Daneben gab es allerdings - jeweils untermalt von allerlei seltsamen Erklärungen und Ansagen allerdings auch thematisch vollkommen anders gelagerte Stücke, wie z.B. "Rabbit" oder "Kitty" - ein Song über die geliebte Katze oder aber "Brown Trout", ein neuer Song zu Ehren von Brendan's Vorliebe für's Forellen-Angeln. Ein wenig viel Tiergeschichten? Mag sein. Aber dies ist typisch für die eigene Logik, mit der Jennifer ihre Songs konstruiert. Wichtig ist dabei vor allen Dingen, dass nichts vorhersehbar scheint und immer auch Platz für die kleinen Freuden des Lebens gefunden wird. Wie z.B. die "Stroopwaffels" (das sind holländische Sirupwaffeln), die Jennifer an diesem Abend nicht nur gesanglich auslobte. Interessant in dem Zusammenhang auch, dass sie stets auch ihre Position als Musikerin in den Songs kommentiert, ja evaluiert. Z.B. in dem Song "America", der die Unterschiede zwischen Europa und den USA aufzeigt, so, wie sie sich einem amerikanischen Musiker auf Durchreise nun mal eben darstellen. Jennifer unterteilte das Set in zwei Teile, um sich in der Pause die Zeit zu nehmen, die Anwesenden persönlich zu begrüßen. Das schaffte natürlich ein interessantes Vertrauensverhältnis, das das Publikum zu einem Teil der Performance machte. Zwar ist dies kein Rezept für größere Veranstaltungen - in dem Rahmen war es jedoch genau das richtige. Beendet wurde die Show mit einem Stück, das zu einem Drum-Pattern von CD vorgetragen wurde. Hier zeigte sich dann noch einmal - im Wechsel zwischen strukturiertem Song und inspirierter Improvisation - wie man auch mit solch simplen Mitteln Beeindruckendes schaffen kann. In dem o.a. Artikel aus dem Heaven-Magazin heißt es, dass der Rezensent all seine Tori Amos-Scheiben leichten Herzens gegen Jennifer's CDs eintauschen würde - und nach diesem Konzert kann man dem Mann nur beipflichten. Denn im Gegensatz zur berühmteren Namensvetterin erreicht Jennifer mit weniger wesentlich mehr - und bleibt dabei trotz aller spinnerten Einfälle stets noch greifbar und menschlich. Wenn es sich lohnt, einmal aktiv nach anderer, origineller Musik zu suchen, dann bietet Jennifer Terran hierzu den bestmöglichen Anreiz.

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Surfempfehlung:
www.jenniferterran.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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