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Schweinerock im Herbststurm

Locas In Love
The Furthurs

Köln, MTC
20.11.2002

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Locas In Love
Langsam passt das Wetter ja auch zu Kurt Kreikenbom's Serie "Die dunkle Seite des Kuschelrock", die der Mann da unentwegt und in loser Reihenfolge im Kölner MTC praktiziert. Nicht, dass das die Leute etwa bewegte, den z.T. bewegten und bewegenden Events auch tatsächlich beizuwohnen. Dieses Mal waren als Stargäste die geschmeidigen Locas In Love geladen. Diese spielten dann vorwiegend die Songs ihrer neuen, inoffiziellen EP "Musica de la Concha". Sänger und Frontmann Björn war trotz Geburtstag ein wenig von einer Erkältung gebeutelt und hielt so die Ansagen kurz und knapp - was (ehrlich gesagt) auch einmal recht kurzweilig war. Die neuen Stücke - die man natürlich z.T. schon von Konzerten her kennt - gewannen in der neuen Besetzung - mit Furthurs Impresario Kurt Kreikenbom am Schlagwerk - erheblich an Drive. Man könnte sogar so weit gehen und sagen, dass die Locas die Gelegenheit nutzten, die Sau rauszulassen.
Das äußerte sich vor allen Dingen in brachialen Gitarren-Breaks, viel Feedback und jeder Menge heiseren Gebrülls. Auch wenn sich das jetzt nicht gerade wohlwollend anhört: Das hatte etwas. Denn ansonsten sind die Locas ja eher transparent ausgerichtet. Und wenn halt alle laut rumdröhnen, fällt es auch nicht so ins Gewicht, dass die Gitarren wieder mal nicht 100%ig gestimmt waren. (Warum eigentlich nicht? Das würde doch nicht stören). Dafür gab's dann allerdings - quasi als Zugabe - noch ein bisserl Spielzeug-Keyboard von Rene Herrman beigesteuert. (Das Konzert begann sogar mit einer elektronischen Augsburger-Puppenkisten-Version des Shocking Blues' Klassikers "Venus".) Es sind aber - trotz aller lustigen Cover Versionen - vor allen Dingen die eigenen Songs, die die Locas ein ums andere Mal aus der Masse der Gleichgearteten hervorheben. So schön lakonisch und selbstverständlich wie in "Oliver Blue", "Lovesongs gegen das Schweinesystem" oder "Hard Rock Ballad #1" beobachtet und beschreibt kaum jemand seine Umwelt, wie die Locas. Und unpeinlich und dennoch witzig ist's bei genauem Hinhören meistens auch. Dass sich dann musikalisch noch der ein oder andere potentielle Hit darunter befindet, schadet ja auch nicht wirklich. Es wird jetzt langsam bloß mal Zeit, dass die Mädels endlich mal eine "richtige" CD rausbringen. Aber an diesem Abend musste ja zunächst mal die selbst-verlegte Promo-CD gefeatured werden. Um hier mal ein besonders ungelenkes Wortspiel einzubauen und den Titel eines Steve Wynn Songs - "Nothing But The Shell" - zu bemühen: Bei diesem Konzert gab's den Inhalt der Muschel noch mit dazu. Zwar durfte Bassistin Steffi aufgrund der verkürzten Halbwertzeit des Support-Slots nur ein Stück singen - das machte aber nix, weil es einfach zu LAUT für solche Feinheiten war. Zur Zugabe - die mit "Daydream Believer" noch recht überschaubar begann - gab's dann noch Lou Reed's "Waves Of Fear" in einer Version, die der Meister selbst auch mit Elektroschocks nicht besser hinbekommen hätte. Es endete damit, dass sich Björn am Boden wälzte und dabei seine Gitarre traktierte, als gälte es Ozzy Osbourne zu vertreiben. "Ich habe mich richtig erschrocken", meinte Steffi nachher. Ja so ist das mit dem Rock-Klischee: Wenn man es schon ausleben will, dann muss man auch in die Vollen gehen.
Das taten dann auch - und das mag man kaum glauben - die Furthurs selbst. Dieses Mal beschränkte man sich dankenswerterweise nicht darauf, Kurt's Seelenpein zu vertonen, sondern rockte schlicht drauflos was das Zeug hielt. Nicht, dass das jetzt etwa bedeuten soll, dass gar keine Balladen mehr gespielt wurden, aber für Furthurs-Verhältnisse war auch dieses Konzert Schweinerock vom Feinsten. Zudem griff Kurt zu einem interessanten Trick, um die Länge seiner eigenen Elaborate zu relativieren: Man spielte (auch wettertechnisch passend) Gordon Lighfoot's "Wreck Of The Edmond Fitzgerald" (immer schon das bessere Gordon Lightfoot Stück), das dann mit allem drum und dran und allen sieben Strophen ca. 10 Minuten dauerte UND KEINE SEKUNDE ZU LANG WAR!. Danach gab es dann auch wieder einen Gastauftritt der charmanten Cry Cats. Mit Wunderkerzen, Spielzeug-Keyboard (schon wieder), Rasseln und in hart am Wind liegenden Kleidchen gewandet, sorgten die Mädels für mächtig Laune, als Kurt große Teile des Oeuvre's seines Idols Bobby Fuller Revue passieren ließ. Dazu gab's dann auch weitere eigene Stücke - wie z.B. das ausgezeichnete "Red Sun", aber wie immer, war es bei den Furthurs die Mischung, die es letztlich machte. Insgesamt war das aus rocktechnischer Sicht ein hervorragendes Konzert - allerdings fragt sich, wie lange Kurt das Unternehmen unter kommerziellen Gesichtspunkten noch durchhalten kann. Aber wir alle wissen ja, dass es nahezu unmöglich ist, die potentielle Zielgruppe für diese Art von Musik dazu zu bringen, zu einem Konzert von einem Act ohne Blue Rose Plattenvertrag zu gehen. Schade eigentlich.

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Surfempfehlung:
www.locasinlove.de.vu
www.furthur.de
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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