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Die beste Band der Welt

Low
Tom Liwa

Köln, Gebäude 9
03.12.2002

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Low
Natürlich hat sich nicht Gaesteliste.de beflissen gesehen, die sympathische Band aus Duluth mit dem Prädikat "besonders wertvoll" auszuzeichnen - das tat Tom Liwa, der das Vorprogramm bestritt und dann "viel Spaß mit der besten Band der Welt" wünschte. Wir sind indes geneigt, uns dem anzuschließen. Schließlich kommt es nicht alle Tage vor, dass jemand wie Tom seine eigene Tour (zur akustischen Hälfte seiner neuen Doppel-CD "Ich reite ein Pferd auf dem sonst nur Frauen reiten") unterbricht, um dann das Vorprogramm von musikalisch prinzipiell anders gelagerten Kollegen zu bestreiten. In dem Fall - und das betonte der Meister ausdrücklich - tat er das aber gerne. Zunächst mal durfte man sich wundern: Als sich die Türen zum Auditorium öffneten, war Tom nämlich tot. Jedenfalls sah das so aus, als er da schweigend auf der Bühne lag, um ein wenig vor dem Auftritt zu meditieren. Doch nach einiger Zeit sprang der Mann auf, in seinen Show-Anzug hinein und auf die Bühne.
Was ist anders, wenn Tom Liwa den Anheizer spielt? Zunächst mal braucht es eine Weile, um drauf zu kommen, denn augenscheinlich zieht er seine Nummer ungerührt durch. Doch dann bemerkt man kleine Änderungen: Statt der vertraglich ausgebetenen Flasche Wein trinkt er Orangensaft. Er erzählt kaum Geschichten. Und er spielt fast alle Stücke ungefähr doppelt so schnell wie auf Konserve. So intensiv hat man z.B. "Herz aus Stein" selten aufgenötigt bekommen. Durch diesen Umstand fällt auch auf, dass so mancher Liwa Song mehr Worte hat als ganze CDs von geringeren Kollegen und dass Tom ein äußerst behender Gitarrenspieler ist. Liwa wäre indes nicht Liwa, wenn es ihm nicht gelungen wäre, dieses Durchasten vollkommen ohne Veränderung der Tonhöhe (im übertragenen Sinne) zu ermöglichen: Da geht keine Nuance, kein Detail und letztlich auch kein Gefühl bei hops. Lediglich der Umstand, dass die gewohnten Dialoge mit dem Publikum zeitbedingt etwas spärlich ausfielen, lenkte den Blick auf die Tatsache, dass so viel Liwa in so kurzer Zeit doch etwas mondaminmäßig zusammenzubacken scheint. Will meinen: In diesem Format erkennt man doch die zuweilen recht ähnlichen Strukturen, mit denen Tom arbeitet. Dennoch: Eine Zugabe musste Tom noch spielen, was anzeigt, dass man sich im Dreieck Liwa-Low-Publikum gut verstand. Eine kleine Beobachtung am Rande noch: Die militanten Hinsetzer, die Tom in seinem Publikumskreis heranzüchtet, hatten es hier ziemlich schwer, und nutzten jede Lücke auf dem Boden und die Bühne für ihre Liwa-spezifische Körperhaltung.
Dann kam aber auch schon "die beste Band der Welt" – die sich später auch artig bei Tom bedankte und darauf hinwies, dass Tom mehr CDs verkauft habe als sie selber. Gründe, warum Low die beste Band der Welt – oder doch zumindest die beste Slow-Core Band der Welt sind - gibt es einige. Wo viele Kollegen sich noch zu bemühen scheinen, ihr eigenes Konzept zu verwirklichen – oder zumindest zu verstehen – sind Low längst über diesen Punkt hinaus und spielen mit einer Leichtigkeit mit dem Genre, so dass es einfach nur noch Spaß macht. Da gibt's keine konstruierte Langeweile, keine abgehobenen Kunstpausen – und nur weil Low vorwiegend langsame Tracks spielen, heißt das weder, dass sie leise, noch rhythmisch eintönig daherkommen. Bester Beleg für diese These ist das neue Album, "Trust", das dann bei dieser Tour auch heavily gefeatured wurde. Zugegeben: Low sahen noch müder aus, als sie das sonst schon tun, aber irgendwie stimmte auch dieses Mal wieder die Magie. Gleich der Opener, das grandiose "Amazing Grace", zeigte, wo's lang geht: Keine Kompromisse, keine Experimente (nun ja: Eine 12-saitige Danelectro-Gitarre gab's dieses Mal) und ansonsten nur Songs. Da der Humor der drei so trocken ist, dass er zuweilen versteinert erscheint, arten die kleinen Anekdoten, die Zak und Alan zuweilen lostreten (und die von Mimi regelmäßig mit Blicken und Worten gemaßregelt werden) in z.T. unverständliche Abstrakte aus – wie z.B. eine (eben unverständliche Zote) über Lenny Kravitz. "Das nächste Stück heißt 'Germany'" kündigte Zak dann das ungewöhnlich orkanartige "Canada" an – nur um nachher einzugestehen, dass dies eine Lüge gewesen sei, die dazu gedient habe, das Publikum dazu zu bewegen, die Band zu mögen. Was nicht wirklich notwendig war. Denn ein Low-Konzert ist auch immer so etwas wie eine Messe. Jedenfalls fehlte der ansonsten bei Konzerten dieser Art beinahe übliche Plapperpegel sich lautstark unterhaltender Nerver fast vollständig. Wenn dann z.B. zum "La La Song" trotz Vorgabe durch Mimi und Zak niemand mitklatscht, ist das auch weniger ein Zeichen von Geringschätzung, sondern eher von Hochachtung. Man möchte die zauberhafte Stimmung einfach nicht durch – ggf. unrhythmische – Ergüsse stören. Thematisch beschäftigten sich Alan & Co. – wie angedeutet – vorwiegend mit den Songs von "Trust". Ältere Stücke, wie "2-Step" oder "Over The Ocean" waren die Ausnahme. Dafür gab es noch eine Pink Floyd Coverversion – "Fearless" von "Meddle" – ein Track, den aufgrund des übermächtigen Titeltracks der Spät-Hippie Scheibe sicherlich nicht mal eingeweihte Fans mitsingen konnten – und den Low auch auf der aktuellen Single – eben "Canada" – auflegten. Natürlich ist die beste Band der Welt nicht ohne Makel. Das wäre nämlich perfekt – und perfekt ist nicht gut genug, wie schon Steve Wynn sagte. Alan wackelte bei einigen Tracks ganz gehörig. Dass z.B. "In The Drugs" ein schwieriges Riff hat, ahnte man auf der CD bestenfalls. Alan bewies dies, indem er es live ziemlich verhagelte. Und die Idee, das Ein-Ton-Solo von "Over The Ocean" schräg aufzubrechen, war auch nicht so toll (da wäre es schon besser gewesen, das Stück ganz ohne Gitarre zu bringen, wie er das zwischenzeitlich auch tat). Doch solcherlei Unstimmigkeiten wurden durch andere Passagen wieder wettgemacht, wie z.B. das wunderschön gelungene "Sunflower". Auch wenn man das mit der besten Band der Welt so und so sehen kann: Low sind schon eine Klasse-Combo, denn sie lassen die Menschen glücklich und zufrieden nach Hause gehen. Und das wiegt doch schon mal die eine oder andere Nachricht aus Regierungskreisen auf, oder?

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www.chairkickers.com
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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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