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Konzert-Bericht
 
Im Licht des sterbenden Mondes

Gordon Gano
The Rolling Blackouts

Köln, Gebäude 9
02.12.2002
Gordon Gano
"Die Wahlen sind vorbei", meinte Gordon Gano lakonisch, "jetzt ist mal es an der Zeit, ein paar Steuern zu zahlen." Präsident Bush habe ihn beauftragt, die Sache mit der aus dem Gleichgewicht geratenen Deutsch-Amerikanischen Freundschaft wieder hinzubiegen - was er dann dazu nutzte, diese Freundschaft anzumahnen - und dabei mit Kenntnissen unsere innenpolitischen Lage protzte. Wenn er will, dann kann er ein richtiger kleiner Scherzkeks sein, der überhaupt nicht charismatische dafür aber ungemein freundliche Frontmann der Violent Femmes, der sich hier als Solo-Künstler vorstellte (und das praktisch während einer quasi noch laufenden Femmes-Tournee). D.h: Ganz solo war er nicht. Seine Band nannte sich The Rolling Blackouts und das waren junge alte Rock 'n' Roll-Haudegen, wie sie im Buche stehen. Bereits bei der ersten Strophe des ersten Songs riss Frontmann Lukas eine Saite - ein Schlag, von dem er sich so schnell nicht wieder erholen sollte. "Ach wäre das schön, wenn wir einen Roadie hätten", witzelte er.
The Rolling Black Owls
Das Problem war nur, dass es einen Roadie gab. Willie war sein Name und der machte gemächlich seine Arbeit - z.B. mitten in der Show die Kabel am Boden festkleben. "Aber - äh - mir ist eine Saite gerissen", gestand Lukas - wodurch sich Willie nicht aus dem Konzept bringen ließ. Irgendwann kam dann zwar doch eine reparierte Gitarre - aber darum ging es eigentlich ja gar nicht. Die Blackouts wollten nur rum rocken. Und das hatte seinen Grund: "Wollt ihr ein schnelles Stück oder ein langsames?" fragte Lukas das Publikum des öfteren. Natürlich wurden immer die schnelleren gefordert. Und als das Trio dann mal ein langsameres spielte, war das - gegenüber der gewiß nicht schlechten Up-Tempo-Nummern - auch eher langweilig. Lukas hat eine sehr angenehme Singstimme, der Drummer, Brad, ist ein Tier und der Bassist, Ron konnte sich vor Begeisterung kaum halten. "Was machen wir denn jetzt?" überlegte Lukas, "mögt ihr die Ramones?" Und kaum war das ausgesprochen, gab es "I Wanna Be Sedated". Das machte Spaß, brachte aber die Musikgeschichte nicht wesentlich weiter.
Gordon Gano
Das ist ja ein Vorwurf, den man Herrn Gano auch machen kann, wenn man möchte. Aber ihm ging es ja auch eher darum, sich an diesem Abend als gediegener Songwriter zu präsentieren, was er dann auch tat: Praktisch das ganze Album "Hitting The Ground" wurde gespielt, wobei sich der Meister dann als Conferencier verstand und zwischendurch erklärte, wer das jeweilige Stück auf der Scheibe gesungen hatte. Auf der CD werden die Songs ja von zum Teil recht illustren Kollegen vorgetragen. Erst an diesem Abend bemerkte man dann, dass dies praktisch nur ein Bonus gewesen war: Denn auf Gordons Solo-Debüt befinden sich zugleich auch einige der besten Tracks, die der Mann je geschrieben hat. Dies wurde besonders deutlich im spartanischen No-Nonsense-Trio-Ansatz, der Gano ja auch von den Femmes her bekannt sein dürfte. Besonders spannend wurde die Angelegenheit, wenn Gano Stücke sang, die auf der CD von Frauen gesungen wurden - Mary Lou Lords "Oh Wonder" oder den Track, den seine Schwester, Cynthia Gayneau sang - "Merry Christmas Brother" (was zu einer lustigen Swing-Nummer geriet). Auch schön war John Cales "Don't Pretend" - weil es auf CD ja mit Piano dargeboten wird - und Frank Blacks "Run" - der schieren Energie wegen. Dass sich dann auch irgendwann Elvis in die Reihe der Kollaborateure einschlich, war ein aus dem Publikum herangetragener Gag, den Gano gerne aufgriff. Eine Sache geriet besonders witzig: Bei Lou Reeds "Catch 'Em In The Act" klang Gano auch stimmlich mehr nach Reed als dieser selber. Was insofern seltsam ist, als dass es der einzige Song war, den Gano so nicht gesehen hatte (Reed nahm sich hier wohl Freiheiten mit den Gitarrenparts und Lyrics heraus, woran Gano zu knausern hatte). Ansonsten war dies aber eine sehr kurzweilige und auch kurze Show, in der sich Gano bewusst von den Femmes abgrenzte und das Publikum lobte, dass es dabei so geduldig mitgemacht habe. Des weiteren überraschte Gordon durch einige kurze, aber ziemlich passgenau sitzende Rockgitarren-Soli. Klasse! Ein Stück in Spanisch beendete dann den offiziellen Teil und es folgte das eher seltsame Zugaben-Kapitel. Dort spielte Gordon dann auch das einzige Femmes-Stück (bezeichnenderweise "American Music"), was im Publikum natürlich Verzückung auslöste. Konsternierung indes verursachten mehrere Songs - oder sagen wir Fragmente - die Gano in gut verständlichem, aber zuweilen sinnlosem Deutsch vortrug. Es schienen dies vertonte romantische Gedichte zu sein (Rilke oder so was), die von totem Mondlicht, tragischen Kahnfahrten und liebestrunkenen Geigern erzählten. Bzw. erzählen wollten - denn irgendwann gab Gordon im zusammenhanglosen Wirrwarr auf. Um es mal so zu sagen: Das hatte in etwa die Qualität von Dean Warehams "Senfkörnern des Wahnsinns". Trotzdem: Schön, dass es Leute gibt, die solche Witze mit ihrem Publikum machen (können). Was Gaesteliste.de mal interessieren würde: Macht Gano so was eigentlich häufiger? Leider ist das kollektive Gedächtnis diesbezüglich vernebelt. Für Rückmeldungen wären wir dankbar.
Surfempfehlung:
www.cookingvinyl.com/gordon_gano/index.php
www.vfemmes.com
Text: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-


 
 

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