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Konzert-Bericht
 
Angriff der Dunkelmänner

Madrugada
C.M. Smith

Köln, Live Music Hall
09.12.2002

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Madrugada
Manchmal muss man sich doch fragen, was und ob die Booker, die Acts wie diese kombinieren, so gedankenmäßig den ganzen Tag treiben. C.M. Smith ist ein New Yorker Kasperle, in dessen Brust - ach - eine englische Seele blubbert. Und so kommt es dann, dass der Mann unnötig extatisch zu seiner aus einem Koffer - dem Casa Electro Novo - quellenden, synthetischen und generischen 80s Pop-Musik auf der Bühne herum hampelt und dazu wirre Stories von Aliens und der Lower Eastside vorträgt. Mit etwa einem Viertel des Flairs und Akzents von Marc Almond etwa. Da Smith trotz der an den Tag gelegten Extase im hell erleuchteten Auditorium vorwiegend belustigtes Amusement hervorrief, gelang es ihm zum Glück, den bis neun Uhr ausgelegten Zeitarbeits-Job angenehm effektiv wegzurationalisieren.
Dann war's erst mal Schluss mit hellem Auditorium. Madrugada aus Norwegen hatten es trotz - oder vielleicht sogar wegen - ihrer musikalischen Kehrtwende zum Härteren auf der neuen CD "Grit" geschafft, ihre Reputation weiter auszubauen und die LMH war erstaunlich gut gefüllt. "Ich kann es kaum erwarten, mit dem neuen Material auf Tour zu gehen", hatte Gitarrero Robert Burås anlässlich des Interviews zur Scheibe noch gesagt und dazu ungeduldig mit den Beinen gezappelt. Und mit genau dieser Einstellung - der wütenden jungen Leute mit Gitarren - gingen Madrugada dann auch zu Werke. Mit ohrenbetäubender Lautstärke, unbändiger Energie und mit von den ruhigen Nordmännern bislang ungewohnter Schnelligkeit (dafür aber ganz ohne Licht) stürzte sich das Quartett ins Abenteuer "Detroit 2002". Dass die Band sich soundmäßig heutzutage sehr an dem orientiert, was Iggy und seine Mannen oder MC 5 damals machten, wird ja weder geleugnet noch schadet es irgendwie. Ganz im Gegenteil: Richtig schön rauh, eckig, schmutzig (notabene: "Grit") kamen die ersten Power-Knaller des neuen Albums - "Try" oder "Seven Seconds" denn auch mit diesem Ansatz zur vollen Entfaltung. Besonders der charismatische Frontmann Sivert Høyem legte sich mächtig ins Zeug und tobte - oft am Rande der Bühne klebend, und wild mit den Armen rudernd - durch das Programm. Schade nur, dass man das alles nicht sehen konnte. Denn nicht nur, dass die Band - wenn überhaupt - bestenfalls von hinten angestrahlt wurde; nein - man machte sich darüber hinaus noch einen Witz daraus, das Publikum mit Stroboskopen und Batterien weiß gleißender Scheinwerfer anzustrahlen. Das gab dann eine infernalische, beinahe dämonische Grundstimmung, die prächtig zu Sivert's grollendem Organ passte. Dazu gaben Robert und der Bassist Frode Jacobson dann die stoischen Sidekicks ab, die ihre Instrumente eher rhythmisch als virtuos bedienten - was aber in dem rauhen Umfeld eher förderlich erschien. Doch Madrugada machten hier noch lange nicht halt und spielten auch die bislang eher überlegt arrangierten Balladen und Mid-Tempo-Nummern der ersten beiden Alben - z.B. "Strange Colour Blue" im brachialen Neil-Young-Modus. Das hatte schon irgendwie seinen morbiden Reiz, obwohl man sich zuweilen dann doch ein wenig mehr Differenzierung gewünscht hätte. (Besonders als nach ca. 1/2 Stunde die Trommelfelle gar nicht mehr aufhören wollten zu flattern). Es folgte dann zum Glück ein mit einem neuen Stück namens "That's What I Was Trained For" beginnender Part, in dem die Band langsame, schleppende, schmirgelnde Talking-Blues Stücke intonierten. Die Sache hat dabei nur einen Haken: Den Blues haben die Norweger nicht eben erfunden. Und so geriet diese Passage - u.a. mit "Nightly Disease" und "Two Black Bones" - dann auch ungefähr eine viertel Stunde zu lang.
Ansonsten nahmen Madrugada an diesem Abend weiters keine Gefangen. Selbst bei der Zugabe - mit einem weiteren unveröffentlichten neuen Stück und einer krachenden Version von "Proxy", bei der Robert und Frode dann noch ihre Instrumente tauschten, wurde Vollgas gefahren. Die einzige lyrische Passage kam dann zum Ausklang der Show, wo Madrugada den einzigen Song spielten, nach dem - so Sivert - das Publikum noch nicht verlangt hatte - und mit den Worten "When You're Gone", die dann auch im ursprünglichen, halbakustischen Setting dargeboten wurden, klang dann der Abend tatsächlich noch versöhnlich aus. Fazit: So macht das Spaß! Es ist erfreulich, dass eine Band mit dieser Art von Musik heutzutage überhaupt Erfolg haben kann (und dabei sogar noch einen erheblichen Anteil an Frauen im Publikum vorzuweisen hat) - und besonders erfreulich ist es, wenn diese Band dann noch aus Norwegen kommt...

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Surfempfehlung:
www.madrugada.net
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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