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Burlesque Grotesque

Big John Bates & The Voodoo Dollz

Köln, Underground
18.03.2003

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Big John Bates & The Voodoo Dollz
Die Rockabilly-Show der etwas anderen Art boten Big John Bates & The Voodoo Dollz an diesem Abend im zunächst eher unauffällig ausgeleuchteten Underground zu Köln. Dabei fing alles ganz harmlos an. Zu Konzertbeginn verliefen sich gerade mal 10 hartgesottene Neugierige auf der Tanzfläche vor der Bühne. Die Vorgruppe, eine Rockabilly-Truppe aus dem Bergischen Land namens Free Bears machte das, was eine Rockabilly-Truppe aus dem Bergischen Land eben macht: Rockabilly aus dem Bergischen Land.
Das soll auf etwas zaunpfählerische Weise assoziieren, dass musikalisch nicht viel variiert wurde. Der Neid muss es der Truppe indes lassen, dass die Show - bei ungefähr halber Laufzeit - ziemlich cool gewesen wäre. Denn die Jungs - allen voran der aufrechte Bassist Michael - legten sich mächtig ins Zeug um zu beweisen, dass sie all das können, was andere Rockabilly-Truppen auch drauf haben. Das war dann zwar alles nicht besonders originell oder neu, aber zumindest unterhaltsam.
Nach einer kurzen Pause stürzten sich dann Big John Bates und seine beiden Partners in Crime - Drummer Little Bastard und Bassistin sCare-oline - ins Geschehen. Big John - "The fastes Gretsch in the West" - begann die Show mit dem Instrumental "Flamethrower" vom ersten Album der Kanadier. Ach ja: Muss man erwähnen - auch in Kanada kann man offensichtlich den Südstaatler raushängen lassen. Doch schon beim zweiten Stück bekam man dann einen Eindruck davon, warum die Musik bei Big John nur ein Teil des Deals ist. Die Voodoo Dollz sind zwei Go-Go Tänzerinnen namens Bombshell Betty und L'il Baby Chaos, die so etwas machen wie Striptease-Parodien zur Auslotung der Grenzbereiche des Jugendschutzes. Anerkennend erwähnen muss man dabei, dass sich die "Bad Girls" dabei unglaublich variabel umziehen können und einige beeindruckende Tricks drauf haben. Der Hut Trick z.B: Hut - aber nicht auf dem Kopf, keine Hände und keine BHs, oder der Trick mit den Wunderkerzen - auch ohne Hände. Man sollte sich das gelegentlich mal selber ansehen - eigentlich sprengt so was den Rahmen der seriösen Musikberichterstattung. Insofern war der Ausdruck "Rock'n'Roll Burlesque", der auf den Plakaten prangte auch nicht ganz falsch gewählt. ABER: Trotz allen unterhaltungstechnischen Hallodris - der den mittlerweile eingetroffenen hartgesottenen Rockabilly-Fans ganz prächtig zusagte - machten Big John & Co. auch noch coole Musik. Obwohl die Songs - großteils vom neuen Album "Mystiki" - durchaus auf eigenem Mist gewachsen waren, definierte sich das musikalische Spektrum, welches das Trio abdeckte, interessanterweise mittels der beiden Cover-Versionen: "Dieser Song ist zwar schon oft gecovered worden", meinte Big John, "aber bestimmt noch nicht so cool wie von uns." Und dann gab's "Tainted Love" in einer rauhen, schnellen Rockabilly-Version. Das andere Extrem war "Too Drunk To Fuck" von den Dead Kennedys (aus der Phase, wo sie langsam zu besoffen waren, um gute Songs zu schreiben, wie die Zeitschrift Sounds damals meinte). "Ich bin hoffentlich nicht der einzige heute abend, der auf Punk steht", sagte Big John unnötigerweise als er den Song ankündigte. Einige Punks im Publikum ließen es sich dann auch nicht nehmen, zu dem Stück den Pogo loszulassen. Zwischen diesen beiden Eckpfeilern gab es eine krude Mischung aus Rock'n'Roll, Rockabilly und einer Portion Voodoo-Swamp ("Lying In The Swamp"), die das Ganze davor bewahrte allzu monoton zu klingen (ein Gruß an die Support Band). Und dass Big John nun mal eben die Gretsch Gitarre als DIE Rock-Gitarre schlechthin auslobte - laut, rauh, mit Overdrive und Feedback - gab der ganzen Sache dann noch einen Schuss Schmackes hinzu. Was gab's sonst noch? Ach ja: Einen Bauchtanz von Bassistin sCare-oline, die eben nicht nur verdammt flink und mit Nachdruck ihr Instrument traktierte, sondern obendrein auch noch singen konnte und eben auch Bauchtanzen. Auch wenn man die ganze Sache auch als musikalisch gelungen durchgehen lassen konnte - so richtig ernst nahm diesen Aspekt an diesem Abend wohl niemand. Titel wie "Pocket Full Of Weasels", "Crankenstein", "Vampire Lezbos" oder "Tombstone Twist" zeugen ja wohl mehr als eindeutig davon, dass Big John das Entertainment wichtiger ist als inhaltliche Finesse. Und wenn man einen der Anwesenden etwa gefragt hätte, was sie von diesem Abend in besonderer Erinnerung behalten würden, dann hätte das gewiss nichts mit Musik zu tun gehabt. Trotzdem: Geringere als Big John Bates hätten diese Show auch mit deutlich unoriginelleren musikalischen Zutaten über die Runden gerettet.

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Surfempfehlung:
www.bigjohnbates.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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