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Calextasyco

Calexico

Köln, E-Werk
21.04.2003

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Calexico
Die offizielle Alternativ-Veranstaltung zum Ostereier-Suchen ließ sich betont gelassen an. Was die Elektronik-Frickler von ISO 68 da an mehr oder minder simplen, großteils instrumentalen und wie selbstverständlich überwiegend perkussiv ausgelegten Soundstrukturen aufbauten, hätte nun wahrlich kaum einen Osterhasen unter dem Nest hervorgelockt. Auch das Publikum war nicht sonderlich erbaut von dieser seltsam emotionslosen Chillout-Musik, bei der absolut nicht einzusehen war, warum diese jemals das Studio hatte verlassen müssen - und die absolut nicht zum Ansatz von Calexico passen wollte. Irgendwie schien sich das auch auf die Band übertragen zu haben. Geradezu ungeduldig zerrte Joey Burns an den Kabeln seiner Gitarrensammlung, um diese für das Set vorzubereiten, noch während die Elektro-Münchner ihre Computeranlagen abbauten.
Der Beginn des Konzertes war dann indes erst mal malerisch. Zu den üblichen mexikanisch angehauchten Eröffnungs-Intros versteckte sich Trompeter Jacob Valenzuela auf der der Bühne gegenüber liegende (und für's Publikum geöffneten) Galerie und spielte zunächst mit Joey und dann mit Martin Wenk an der zweiten Trompete ein paar schöne, seufzende und herzzerreißend traurige Soli. Dann ging's aber auch gleich los: Mindestens doppelt so schnell wie sonst (und wenigstens vier mal so schnell wie beim schönen Trio Konzert in der Kölner Christus-Kirche Anfang des Jahres) rasten Joey und seine Mannen durch das Programm. Tracks wie "The Ride Pt. II", "Through The Wire" oder "Not Only Stevie Nicks" bekam das natürlich recht gut. Auch einige der eher auf Spannung aufbauenden Tracks wie "La Frontera" zehrten von den ungewöhnlich energischen Vibes, die immer wieder von Burns ausgingen. Andere, balladeske Stücke freilich - etwa "Woven Hands" und "Black Hearts" (bei dem Martin Wenk das Streicherquartett erstaunlich effektiv mit seinem Akkordeon emulierte) - mit die stärksten Nummern des neuen Albums "Feast Of Wire" gerieten zu seltsamen Hybriden - denn auch wenn sich Joey zeitweise im Neil Young Mode befand: So eine rechte Rock-Truppe sind Calexico nach wie vor nicht. A propos Neil Young: Bei der Zugabe überraschten die Jungs doch tatsächlich mit einer recht ruppigen Version von "Ohio" als Einleitung zum bereits angesprochenen "Black Heart". Das war natürlich politisch gemeint, denn gleich darauf stellte Joey fest, dass immer noch die Losung "No More War" gelte. Eines machte dieser Abend wieder mal deutlich: Calexico haben keinen besonders schnieken Masterplan, sondern entwickeln sich ziemlich natürlich weiter. Anders noch als bei der Tour im letzten Jahr, wo Paul Niehaus z.B. mit seiner Steel Guitar schlicht und ergreifend dominierte, war er dieses Mal unglaublich gut integriert. Sei es, dass er sich mit Joey den Lead-Gitarren-Part ziemlich effektiv (und eben nicht aufdringlich) teilte, oder aber an gewissen Stellen mit kurzen, aber ungemein treffenden Soli aufwartete - z.B. beim ansonsten unveränderten "Sunken Waltz" (was dann dem Track einen ungeahnten Kick versetzte). Niehaus war auch des öfteren an der "normalen Gitarre" zu beobachten. Über John Convertino oder Volker Zander noch großartige Worte zu verlieren, kann man sich sparen. Hier hat sich mittlerweile ein Team gefunden, das der Kombination von Burns / Convertino in nichts nachsteht. Gerade die rasche Gangart kam den beiden Rhythmus-Künstlern sichtlich entgegen - und mancher Impuls kam aus dieser Richtung. Geschickt nutzten Calexico den eh schon vorhandenen Rock-Drive, um auch Schmankerl wie das selten gespielte "Lost In Space" einzustreuen. (Warum gibt es diesen Monster-Track eigentlich nicht auf einer offiziellen CD?). Es war schon irgendwie Klasse, welche satten Sounds Burns seinen voluminösen Gitarren entlockte. Das dauernde Vollgas-Geben führte dann allerdings dazu, dass die Details litten - so blieb den Trompetern zuweile echt die Spucke weg. Aber irgendwie hatte das auch was; zeigte es doch, dass die Band hier bis an ihre Grenzen ging. Leider war der Sound im hinteren Teil der Halle längst nicht so fett, wie es dem Anlass angemessen gewesen wäre, so dass das Vergnügen eher den Bereichen vor der Bühne vorbehalten blieb. Die Leute dortselbst werden es indes genossen haben. Neben einem kurzen Gastspiel von Sängerin Kathleen Brown gab es dieses Mal keine zusätzlichen Gastauftritte zu verzeichnen - was aber auch nicht wirklich nötig erschien. Auch wenn diese Show nicht unbedingt zum Besten gehörte, zu dem Calexico im Stande sind: Die Jungs wagten was und zeigten sich an diesem Abend mit einer neuen Nuance. Mehr braucht man eigentlich von einer guten Live-Show auch nicht zu erwarten, oder?

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Surfempfehlung:
www.cascadecalexico.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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