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Boygroups haben's schwer

Plainsong

Dinslaken, KuKa
14.05.2003
Plainsong
"Boygroups wie wir haben es schwer", witzelte Julian Dawson, als er den Werdegang von Plainsong und die einzelnen Verdienste der jeweiligen Members auflistete. Das mag wohl auch eine Anspielung auf das nicht eben zahlreich erschienene Publikum gewesen sein, zeigte aber andererseits ungewollt ein anderes Problem auf: Projekte wie Plainsong sind halt nun mal Altherren-Acts, denen es - ungeachtet der musikalischen Qualität - nicht möglich ist, ein jüngeres Publikum zu aktivieren. Deswegen ist der vereinzelte Mitt-Zwanziger im Publikum auch schon die Ausnahme. Ansonsten scheint es, dass die älteren Herren im Auditorium (die vereinzelt natürlich schon ihre Damen mitgebracht hatten) in den Liedern des Quartetts einen Teil ihrer Jugend wiederzufinden hofften. "Einige von euch habe ich in den 70ern noch nicht gesehen", versuchte Dawson die Situation ein wenig ungelenk zu beschönigen.
Egal: Was Plainsong - neben Dawson natürlich der Gründervater Iain Matthews sowie Multi-Instrumentalist Andy Roberts und Bassist Mark Griffith (an diesem Abend noch unterstützt von Dawsons Bruder Matt an der Pedal Steel) - bei dieser Show boten, war dann der übliche Mix aus alten und neuen Songs plus einige Cover-Versionen. Was nun den Erfolg eines Plainsong-Konzertes ausmacht, ist schlicht wie gut die Jungs an dem jeweiligen Abend drauf und bei Stimme sind. Denn - so erklärte Andy Roberts nach dem Konzert - wie bei den Beach Boys und anderen auf vokales Entertainment begründeten Gesangsvereinen geht es auch bei Plainsong einzig nur ums Singen und das gemeinsame Präsentieren. Diesen Aspekt verliert man ja bei Plainsong-Alben schon mal schnell aus den Augen - einfach da hier natürlich alles im "normalen" Band-Sound gestrickt ist, was den simplen, so ganz auf den Gesang ausgerichteten Stücken nicht immer bekommt; aber: Bei Plainsong-Konzerten kommt alles auf magische Weise zusammen und stimmt einfach besser. Das meint: Plainsong kann man eigentlich nur verstehen, wenn man weiß, was die Jungs live machen. Und das ist ihre Sicht der anglizistischen kontemporären Folk-Musik darbieten, behutsam instrumentiert (mit akustischen Gitarren, Bass, Dulcimer, Bouzouki und ein wenig E-Gitarre von Julian) und eben immer ausgerichtet auf den geschickt gestaffelten Harmoniegesang aller vier Protagonisten - wobei sich Dawson und Matthews den Löwenanteil als Lead-Vokalisten teilen.
Plainsong
Dennoch darf gesagt werden, dass die Stücke, die ein wenig mehr auf Hooklines aufbauen und entweder ihre Folkbasis betonen oder aber mit dem Pop liebäugeln, letztlich auch die unterhaltsameren sind. So sind z.B. die Songs aus dem Amelia Earhardt-Zyklus meist spannender und auch textlich spannender, als etwa das a cappella dargebotene "Same Old Man At The Mill", so macht es mehr Spaß dem (immerhin von '72 stammenden) "Yo Yo" Song zu lauschen (und mitzuwippen), als z.B. dem betont unauffälligen (aber eben gut klingenden) "All New People" vom aktuellen Album "Pangolins". Untermalt wurde der Vortrag dann von zahlreichen spaßigen Erklärungen: "Pangolins", so erfuhren wir, ist ein weiteres Anagramm (Iain Matthews ist ein begeisterter Anhänger dieser Wortspielereien) aus dem Wort "Plainsong", "In a 100 years there's all new people" ist ein Ausspruch von Gene Parsons, den dieser anwendet, wenn es Schwierigkeiten zu geben droht, die wichtiger erscheinen, als sie sind. Und letztlich erklärten Matthews und Roberts auch, dass er es langsam mal drangeben wollten, Songs über Amelia Earhardt zu schreiben (was Julian Dawson dann zum Anlass nahm, vorzuschlagen, das geplante kommende Plainsong-Album vielleicht doch "Amelia Earhardt - The Bitch Is Back" zu nennen).

Abgerundet wurde das Set noch durch die obligatorische Fairport Convention Cover-Version ("From Galway To Graceland"), einige weitere A-Capella-Einlagen (z.B. "Cloud 9", ein weiterer Earhardt-Song sowie durch Julian Dawsons Mundharmonika-Spiel - das in diesem Setting weit weniger dominant wirkte, als etwa auf "Pangolins". Die Gastspiele von Matt Dawson waren zwar kurz, saßen aber z.B. besser, als noch auf Julians letzter Solo-Tour. Das Konzert fand übrigens in einem relativ neuen Club statt - der KuKa (Kulturkantine). Das ist eben eine umgebaute Kantine eines Metallwerkes im Dinslakener Industriezentrum. Leider war das nun nicht unbedingt die richtige Umgebung, um dem Konzert so etwas wie Atmosphäre zu verleihen. Hier müssen die Veranstalter noch etwas dran arbeiten, der Sache die durch viele ungelenke Ausstattungsdetails anhaftende Aura eines Jugendheimes zu nehmen. Dass die Chose - trotz mäßiger Besucherzahlen und des eher ernüchternden Ambientes dennoch nicht zu einem Reinfall wurde, lag einfach daran, dass hier alte Hasen zu Gange waren, die alles schon erlebt und gesehen haben, die sich mögen, und die sich die Seele aus dem Leibe sangen. Und darauf kommt es ja an, denn - wie meinte Andy Roberts noch - es bringt alles nichts, wenn es sich nicht "wirklich" anfühlt. Recht hat er!

Surfempfehlung:
www.uktouring.org.uk/plainsong/
Text: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-


 
 

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