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Kein E von Traurigkeit

Eels

Köln, Stadtgarten
24.06.2003

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The Eels
"Manchmal kommen die Leute auf mich zu und sagen 'Mr. E, du wirkst immer so traurig.'", erklärte besagter Mark Oliver Everett dem Publikum im ausverkauften Stadtgarten, "das mag so sein, aber heute Abend fühle ich mich überhaupt nicht traurig." Und besser kann man die Atmosphäre dieses Konzertes der süffisant benannten "Tour Of Duty" (das ist in den USA eine militärische Etappe) wahrlich nicht beschreiben. Gut gelaunt und voller Energie stürzte sich E mit seiner Tourband - erstmals ohne Butch, der momentan für Tracy Chapman arbeitet - in ein buntes Potpourri von ca. 200 Songs der letzten beiden Alben "Souljacker" und "Shotenanny" im Punk Modus. Nun - das ist zwar übertrieben, aber so kam es dem Betrachter jedenfalls vor.
Gegeben wurde energetischer Power-Pop-Rock - kurz, knapp, scharf und schockierend - von den ersten Tönen des brachialen Blues "All In A Day's Work" vom neuen Album bis hin zum letzten Feedback des zum Abschluss vorgetragenen Instrumental-Medleys, das die Jungs - wie üblich - 10 Minuten nach dem Ende der offiziellen Show abbrannten, als die House-Lights bereits wieder an waren. Im Umfeld gab es natürlich auch wieder jene subtilen Spielereien, die E zuweilen aus reiner Lust an der Provokation auszustreuen scheint. Dazu gehörten eine speziell zur Täuschung der Hardcore-Fans angebrachte Setlist - die absolut nichts mit dem zu tun hatte, was tatsächlich gespielt wurde und die von hilfsbereiten Roadies nach der Show ohne mit der Wimper zu zucken an ausgewählte Opfer verteilt wurden. Wie auch die scheinbaren Backstage-Passes, die der Support Act M.C.-Honky ausgab, und die die erstaunten Empfänger als Eels-Groupies auswiesen. Ansonsten hielten sich die Show-Elemente dieses mal in Grenzen: Während die Band bereits den "Work"-Blues anstimmte, arbeitete sich E Mundharmonika-spielend durch das Publikum, dann gab es noch ein paar ausgesuchte Rock-Posen, eine E-Einlage am Wurlitzer-Piano - und das war's dann auch schon. Aber: Auch wenn das gegenüber vorangegangener Touren eher sparsam erschien: Fehlen wollte an diesem Abend so recht nichts. Denn all das, was die Eels als Live-Act eigentlich auszeichnet, gab es zu Hauf: Spaß an der Freude, jede Menge Power und einen mittlerweile beinahe unüberschaubaren Fundus an exzellenten Songs.

Nicht nur eigenen, übrigens: Gleich zu beginn spielte E "I'm A Loser" von dem Beatles (und damit auch mit den Erwartungshaltungen: Schließlich hätte er ja z.B. statt dessen "Lone Wolf" geben können, was er aber aussparte) sowie den Working-Man's Blues Klassiker "16 Tons". Ansonsten gab's aber Eelmania komplett. Ein Grund, warum die Chose so richtig gut abging, war wohl, dass E allen Ballast abgeworfen und die Songs auf die rudimentären Bestandteile reduziert hatte. Anstatt von Samples, Lisa Germano, Keyboards oder Bläsern gab es also knappe Gitarrenriffs - simpel, aber mit Effét dargeboten und ungemein kraftvoll (und laut) inszeniert. Die Band - allen voran der hyperaktive Durchmarsch-Drummer - machte sich dabei willig zum Vollzugsorgan der E'schen Dramaturgie und lieferte den perfekten Backdrop für dessen Gefühlsausbrüche. Moment mal: Gefühlsausbrüche? Nun ja, gewissermaßen und sehr kontrolliert. Denn selbstverständlich verlor der Mann niemals die Contenance, geriet auch nicht etwa ins Schwitzen, in Ekstase oder setzte gar die Sonnenbrille ab - aber verglichen mit so mancher anderen Show, ließ er schon ein wenig die Sau raus. "I Love Birds" hätte Iggy Pop z.B. auch nicht plötzlicher darbieten können und "Novocaine" - einer der wenigen älteren Songs - geriet zum schmirgelnden, wummernden Schweine-Blues. Dafür überraschte E auch umgekehrt: Seine auf Scheibe flott rockende Ode an die Defizite der Hollywood-Industrie "Rock Hard Times" spielte er als Zugabe mit seinem Gitarristen Joe Gore (und sonst nix) als folkig perlenden elektrischen Pop Song.

Zu den Kernstücken der Show gerieten dann die etwas ausgewalzten Tracks "Souljacker" (mit dem längsten Ein-Ton-Feedback-Solo der Eels Geschichte) und "Love The Loveless", bei dem E - wie andeutungsweise bei anderen Tracks auch - seine Version des Blues raushängen ließ. Dass E kein großer Kommunikator vor dem Herrn ist, wissen die Fans ja - und nehmen ihm das wohl auch nicht übel; dennoch bedankte er sich beim Kölner Publikum auf eine niedliche Art: "Vielen Dank, dass ihr heute hergekommen seid", meinte er nämlich, "und weil ihr alle so nett seid, möchte ich, dass ihr etwas für euch tut: Wenn ihr diesen Pullover seht, der nicht in euer Budget passt: Kauft ihn euch. Wenn ihr diesen Banana-Split seht, der nicht in den Diät Plan passt, esst ihn - denn das habt ihr euch heute abend verdient." Es schloss sich ein herzerwärmendes und besonders versöhnliches "Somebody Loves You" - der Hymne des Abends - an. Mit der der Tour Of Duty 2003 zeigte E der Welt, dass es auch ohne großen Aufwand möglich ist, die Eels Song auf immer wieder neue Weise mit Leben zu erfüllen - und dass die Eels immer noch zu den besten Live-Acts weit und breit gehören. Ein Wort noch zu M.C. Honky: Es gibt ihn wohl wirklich, auch wenn immer wieder Gerüchte herumschwirren, dass besagter Honky eigentlich E sei. Aber nach wie vor mag man nicht so recht glauben, dass da alles koscher ist. M.C. Honky ist nämlich ein offensichtlich stummer. pummeliger, Pfeife rauchender älterer Herr mit Oberlehrer-Glatze, Strickjacke und Hut, der im Vorfeld ein mittelprächtiges DJ-Set hinlegte (und nachher die besagten Eels Pässe ausgab). Auf der Eels Homepage steht ja, dass Honky mal mit Sinatra gearbeitet habe daß das Töpfern seine große Passion sei: Das kauft man ihm schon eher ab.

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Surfempfehlung:
www.eelstheband.com
www.eelsmusic.de
www.eelsfan.de
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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