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Konzert-Bericht
 
Sozialkompetenz und Mittebrei

Fink
Operator/ Ragazzi

Köln, Gebäude 9
13.08.2003

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Fink
Eine eklektische Mischung hatten die Mädels vom Musikmagazin Intro dieses Mal zur Einstimmung auf die PopKomm zusammengestellt. Und so richtig intim war die Veranstaltung dann doch nicht. Aber der Reihe nach. Die auf der Bühne des Gebäude 9 freigeschlagene Projektionsfläche kam bei dieser Veranstaltung jedenfalls eindrucksvoll zum Einsatz. Während die Elektronik-Acts Ragazzi und Operator diese effektvoll für mehr oder weniger gelungene psychedelische Projektionsspielereien nutzten, wurde zur Einstimmung eine Dokumentation über die Entstehung des neuen Elbow-Albums "Cast Of Thousands" gezeigt.
Mit richtiger Live-Musik ging es dann gegen 21 Uhr los mit Ragazzi aus Berlin. Die Herren, deren CD "T.G.Y. Friday" (das ist der Name einer US-Steakhouse-Kette) demnächst veröffentlicht wird, stellten ihr höchst urbanes Elektronik-Konzept bei dieser Show live vor. Mit anspruchsvoll verkopften Songs zu den Themen "kulturelle Kompetenz" oder "seltsam editierte News-Tapes" gab man sich allergrößte Mühe, in größtmögliche Nähe von Kraftwerk & Co. zu gelangen, ohne ein eigenes Profil dabei zu vernachlässigen. Das gelang nur teilweise. Denn obgleich der Gedanke, die Show mit schematischen Videoprojektionen zu ergänzen und auch nicht nur auf die Elektronik zu setzen (zuweilen befanden sich bis zu vier Leute mit Saiteninstrumenten auf der Bühne), kam die Sache zuweilen doch nicht über das Level einer Karaoke-Veranstaltung heraus, denn ein Großteil der Basic-Tracks kamen schlicht von der Harddisk (was auch zu einigen Programmier- und Setup-Pausen führte). Da konnte dann auch der zum Teil recht empathische 2-stimmige Lead-Gesang nicht viel ändern. Großartig indes die Schlussphase. Da setzten sich die fünf Protagonisten Masken ihrer selbst auf und posten dann robotermäßig zu einer mitreißenden instrumentalen Disko-Nummer, während im Hintergrund ein schematischer Schlipsträger-Yuppie mit Makita-Koffer auf die Leinwand projiziert wurde.

Operator ist schließlich eines der Side-Projects von Girls Against Boys Mastermind Scott McCloud. Zusammen mit seinem italienischen Partner Teho Teardo und seiner akustischen (!) Gitarre produzierte er einen hochenergischen, pulsierenden Mischmasch aus Dancefloor-Rhythmik und Alternative-Attitüde. Die wie Slogans rausgerotzten Texte unterlegte er dabei mit coolen Posen, während sich Teardo an den Sequenzern und Turntables schaffte. Es ist kein Wunder, dass diese Melange den Zuspruch von Brian Molko gefunden hat und Operator so ein paar Support-Slots bei Placebo-Konzerten einbrachte: Energiemäßig agieren McCloud und Teardo auf dem gleichen Level wie Placebo. "Ballade" ist für McCloud ebenso ein Fremdwort wie "Kompromiss". Selten hat man die konsequentere Umsetzung einer formalen Idee erleben dürfen wie in diesem Fall. Das einzige Problem bei dieser prinzipiell beeindruckenden Show war, dass die extrem hohen und tiefen Frequenzen der elektronischen Sounds in der dargebotenen Lautstärke doch sehr an den Nerven zehrten.

Überhaupt indes hatte die Soundcrew an diesem Abend große Schwierigkeiten mit dem Sound. Denn als Fink - immerhin eine reine Gitarrenband - dann ihren Set mit "Wo geht das Licht an" eröffneten, versank alles in einem indifferenten und matschigen Soundbrei, in dem besonders Nils' akustische Gitarre kaum auszumachen war und auch die Stimme erschrecken dünn gegen den sonstigen Mittenbrei ankämpfen musste. Was schade war, denn Fink präsentierten sich nach der Trennung von Drummer Henning und Gitarrist Dinesh erstmalig mit dem neuen Konzept dem Publikum. Letzteres besagte, dass man zunächst mal mit einer Gruppe von Freunden weiterarbeiten und nicht unbedingt ein weiteres demokratisches Band-Konzept verwirklichen wolle. So begrüßte man denn Kollegen von Veranda Music und Missouri als Gastmusikanten - wobei indes Nils Koppruch und Andreas Voss - das Fink-Kern-Duo ganz eindeutig den stilistischen Ton angaben. Besonders Andreas, der "alte Krautrocker" (wie Nils ihn auch nennt), hatte sich mit seinen Vorstellungen wohl durchgesetzt und lenkte das Fink-Schiff mit voluminösen Bass-Grooves in Richtung treibender, organischer Tanzboden-Füller. Und so setzten Fink dann an diesem Abend weniger auf die zweifelsohne vorhandene Wirkung ihrer bloßen Songs, sondern vielmehr auf die Macht der besagten Grooves und des allgemeinen, natürlichen Flows. Wie die Tracks ihres neuen Albums "Haiku Ambulanz", das Ende des Monats erscheint, (und die natürlich prominent gefeatured wurden) arteten auch die anderen Fink-Klassiker wie "Loch in der Welt" eher in - sagen wir mal - inspirierte Jam-Sessions aus als etwa tongenau Lesungen der Plattenaufnahmen. Das war zum einen sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung um drohender Stagnation vorzubeugen. In dem gegebenen Umfeld und mit den Problemen beim Sound geriet dies indes zu einem zweifelhaften Vergnügen. Denn so ließen sich z.B. Melodien (wie z.B. beim bemerkenswert unpeinlichen Liebeslied "Wohin du gehst" bestenfalls erahnen. Und auch die Dynamik, die z.B. Tracks wie "Kein schönes Lied" auf der Scheibe erst den richtigen Kick verleihen, ging hier ein wenig flöten. Am besten funktionierte die Sache noch bei Songs, die - wie "Fliegen" oder "Shuffle und Kompott" - eh schon als halbe Kraut-Rock-Jam-Session angelegt sind.

Um es aber deutlich zu sagen: Dass dieses Konzert nicht so besonders gut gelang, lag weniger an Fink, sondern am Sound. Alles in allem sollte man vielleicht erwägen, zunächst einmal in die neue CD "Haiku Ambulanz" hereinzuhören, und erst dann ein Konzert der anstehenden Herbsttour zu besuchen - dann macht die Sache wirklich Sinn. Ein besonderes Lob übrigens noch für die Idee, zu "Wo geht das Licht an" mit scheinwerferbesetzten Brillen im Kunstnebelgewaber auf die Bühne zu steigen. Sehr spaßig, das! Ausklingen durfte der Abend - der zu diesem Zeitpunkt aber bereits weit in den nächsten Tag hinangeschritten war, mit einem Set der Computerjockeys, die Material vorstellten, für das bislang noch kein Label gefunden war. Der Gedanke, die PopKomm inoffiziell mit einem Intro Intim zu eröffnen, ist sicherlich kein schlechter. Denn so kann man - noch ohne Messestress - einen entspannten Konzertabend genießen, der zudem hilft, das Programm der kommenden Tage zu entzerren. Und noch ein Gedanke: So etwas könnte man ja eigentlich auch im nächsten Jahr wieder an gleicher Stelle - dann ganz ohne PopKomm - durchführen...

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Surfempfehlung:
www.finkmusik.de
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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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