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Konzert-Bericht
 
Bretthart, aber herzlich!

Fidget
Cho-Jin/ Belasco

Köln, MTC
14.08.2003

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Fidget
Der von Gaesteliste.de präsentierte Showcase des Supermusic Labels versprach eine heiße Angelegenheit zu werden: Die versammelten jugendlichen Fans der Düsseldorfer Bands Cho-Jin und Fidget trugen auffällig viele 3/4 Hosen - was ein sehr hüpffreudiges Geschehen und sinnlose Energieausbrüche beim Konzert vermuten ließ. Dies bestätigte sich dann im Folgenden auch. Relativ gemächlich eröffneten dann aber zunächst mal Belasco aus England den bunten Reigen. Die Band, die von weitem aussieht wie ein Marketing-Manager mit zwei Fußballspielern, war gerade am Ende einer recht langen Tour-Phase angekommen. Und irgendwie merkte man ihnen dies auch an.
Sänger Tim Brownlow (der Manager) erschien ausgelaugt und irgendwie distanziert. Das wirkte sich dann dergestalt auf die Performance, dass diese quasi im Autopilot-Modus ablief - wodurch so keine rechte Herzenswärme aufkommen mochte. Da half es auch nicht, dass Bassist Duff Battye wie ein wildgewordener Handfeger auf der Bühne umhertitschte und jeden Song mit markigen (und für den kleinen Club viel zu großen) Brunst- und Besitzstandsgesten untermalte. Hinzu kommt, dass viele der Tracks des Trios - so etwa die heimlichen Hits im Stile von "15 Seconds" eher auf zwei denn auf drei Akkorden aufgebaut sind (was im Studio mit dessen Möglichkeiten noch funktionieren mag), wodurch sich schnell eine gewisse Eintönigkeit einstellte. Diese konnte auch so schnell auch nicht aufgebrochen werden, denn die Variation ist - trotz gelegentlich eingesetzter Akustik-Gitarre - nicht gerade die Stärke von Belasco. Dass es dennoch möglich gewesen war, bewiesen z.B. Tracks wie "Hunter's Song" - eine überraschend melodische Folk-Nummer, die von Tim solo vorgetragen wurde. Also: Gönnen wir den Jungs eine Erholungspause und warten wir die nächste Tour im Herbst ab - denn nach Ohrenzeugenberichten können Belasco bei einer Headliner-Show doch wesentlich mehr überzeugen, als dies bei diesem Show-Case möglich war.

Cho-Jin, die Band, die sich nach einem japanischen Comic-Charakter benannt hatte, kam dann zwar ganz ohne Comedy, dafür aber mit jeder Menge geballter Power daher. Von der ersten Sekunde an hatten Sänger Mike und seine Mannen das Geschehen voll im Griff. Geprägt vom Sendungsbewusstsein der Nu-Metal-Lingo, in der "ohne Brett" nichts zu gehen scheint, gab das Quintett sofort Vollgas und schaltete dann bei Bedarf sogar eher noch den Turbo-Booster zu. Natürlich interessierte es niemandem im Publikum, dass man nicht ein Wort der guttural herausgeblökten deutschen Texte verstehen konnte (wozu gibt es schließlich Leaflets und Homepages?), sondern lediglich, dass die abwechslungsreich zusammengeschusterten Tracks zwischen hartem Rock und Hardrock bestens dazu geeignet waren, menschliches Autoscooter zu spielen. Das führte dann zu einem wogenden, springenden und tobendem Pulk vor der Bühne, dem die Infrastruktur des MTC nur in Ansätzen gewachsen war. Als nämlich die ersten Stagediver (darunter Sänger Mike selbst) loslegten, liefen die überraschten Verantwortlichen deutlich kreidebleich an und versuchten - letztlich erfolgreich - zu verhindern, dass die begeisterten Crowdsurfer die Deckenbefestigung der Scheinwerfer oder gar den schwer malträtierten Mirrorball herunterrissen. Was Cho-Jin übrigens an Subtitlität vermissen ließen, machten sie durch Variantenreichtum wieder wett. Für kompromisslose Mucke dieser Art wies der Songfundus erstaunlich viele griffige Hooklines, Melodien oder erkennbare Refrains auf. Das galt sowohl für die inoffiziellen Gassenhauer vom Typus "Stirb nicht", wie auch für neues Material à la "Carpe Diem". Ach ja: Cho-Jin grölen deutsch und dass der Hausgitarrist Ingo wegen Krankheit ausgefallen war und für diesen Gig durch Straight-Gitarrist Adnan ersetzt wurde, merkte man nur an der diesbezüglichen Ansage und der verkürzten Setlist - Respekt!

Die Labelkollegen von Fidget kommen ebenfalls aus Düsseldorf und hatten ihre aktuelle CD "Celebrate Another Day Of Living" im Gepäck. Musikalisch hauen sie in eine ähnliche Kerbe wie Cho-Jin (weswegen man sich wohl auch recht gut versteht), wenngleich hier in englisch und zweistimmig gesungen wird. Im Großen und Ganzen aber konnte das Publikum da weiter machen, wo es bei Cho-Jin aufgehört hatte - was einen weiteren, körperbetonten Rettungseinsatz des Bühnenpersonals notwendig machte. Auch bei Fidget stand nämlich das Verbrennen möglichst großer Kalorienmengen in möglichst kurzer Zeit unter Absonderung möglichst beeindruckender Phon-Zahlen zuallervorderst auf dem Speiseplan. Gitarrist und Sänger Tom ergänzte sich hierbei hervorragend mit Sängerin Darlene. Das ca. 1,20 m große philippinische Energiebündel erwies sich hierbei dann als hauptberuflicher Derwisch und Dreh- und Angelpunkt der Animationsshow, in deren Folge dann nun wirklich niemand vor der Bühne mehr still stand (bzw. still stehen konnte). Das geschickt gestaffelte "Hin- und Her" des Gesangs (manchmal gar "zusammen") machte dabei den eigentlichen Reiz des Vortrages aus. Ergänzt wurde das Soundspektrum durch jede Menge Dynamik und gelegentliche Anleihen bei Pop und Ska. Gas geben konnten also beide Bands - der Witz lag indes (wie so oft) in dem, was man ansonsten noch aus der Materie herausholen konnte. Jedenfalls wiesen sowohl Cho-Jin wie auch Fidget einen enormen Unterhaltungswert auf - vielleicht auch besonders wegen der mitgebrachten Düsseldorfer Fans, auf jeden Fall aber wegen des Spaßes mit dem beide Acts zur Sache gingen. Und das kann man längst nicht von allen (oft stur bierernst agierenden) Bands aus diesem Umfeld sagen.

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Surfempfehlung:
www.supermusic.de
www.belasco.co.uk
www.belasco.de
www.fidget.de
www.cho-jin.de
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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