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So much Spaß!

The Donnas
White Light Motorcade

Düsseldorf, Zakk
25.09.2003

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The Donnas
Wenn es so etwas geben sollte, wie das musikalische Äquivalent zu einem Maschinengewehr, dann wären die Donnas mit Sicherheit die ersten Anwärterrinnen auf diesen Titel. Mit unerbittlicher Konsequenz hauten die Mädels dem Düsseldorfer Publikum ihre Punk-Glam-Rock-Pop-Hits um die Ohren, dass es krachte - und nach einer knappen Stunde war der Spuk nach lediglich einer Zugabe auch schon wieder vorbei. So etwas nennt man effektive Konzertgestaltung. Nun ja, vor dem Konzert ließ die Band gegenüber Gaesteliste.de verlauten, dass Drummerin Torry an einer beginnenden Sehnenscheidenentzündung herumlaboriert (was übrigens keineswegs verwundert, so wie die sich hinter ihrem Drumkit aufführt) und Sängerin Brett hatte ein Fläschlein mit Nasentropfen auf der Bühne stehen. Das erklärte das stramme Programm so ein bisschen.
Außerdem wäre es vielleicht auch nicht unbedingt besser gewesen, wenn die Donnas länger gespielt hätten. Denn deren Ziel, die hardest working Girl Band im Rockbusiness zu sein, kann ja nur dann erreicht werden, wenn sie dem Mob 100%ig das geben, wonach ihm dürstet: Und das ist der pure Rock'n'Roll schlechthin. A propos Mob: Die Donnas können sich mittlerweile auf eine ungemein enthusiastische und auch sympathische Fangemeinde aus jugendlichen Rockfreunden verlassen, die - wie das so die Art von Metal-Fans ist - alle total in ihrer Musik aufgehen, dabei aber (ungleich Punks) auch immer lieb und nett bleiben und selbst beim Stage-Diving aufpassen, dass nichts Schlimmes passiert. Das sah am Anfang noch ganz anders aus, als die Fans der Donnas vorwiegend aus "älteren Männern" bestanden (wie Brett damals leicht angewidert einräumen musste), die sich am knackigen Retro-Sound der Girls ergötzten. Doch selbst die Donnas entwickeln sich weiter. Nicht nur, dass die Band jetzt bei einem Major-Label gelandet ist, nein, auch das neue Album, "Spend The Night", ist wesentlich differenzierter und spannender ausgefallen als das, was bislang den Weg auf Tonträger fand. War man noch zu Zeiten von "Turn 21" damit zufrieden, wenn der Bass lauter war als bislang (wie sich Donna Maya freute) und sich niemand verspielte, so dürfen es heute auch knackige Riffs, "geile" Hooklines und gute Melodien sein. Das bloße Emulieren von Ramones Songs war dann auf die Dauer wohl doch nicht so befriedigend. Das kommt natürlich einer Live-Show immens zu Gute.
"Wir sind zum ersten Mal in Düsseldorf", erklärte Brett zu Beginn (und mehrmals während des Konzertes), "and it's so much Spaß!" Stimmt. Langweilig wurde es zu keiner Sekunde. Und das, obwohl man immer noch die Stücke kaum auseinanderhalten kann, weil alles mit dieser Go-Go-Go-Mentalität herausgehauen wird. Bloß keine überflüssigen Pausen zulassen! Der Sound ist über die Jahre wesentlich konkreter und knackiger geworden. "Heute gab's eher AC/DC als die Ramones", meinte Kollege Wohlfeld nach der Show. Das ist wohl nur bedingt zu unterschreiben, denn wenn AC/DC so schnell wie die Donnas spielten, dann wäre Angus Young schon längst der Kopf beim Wackeln abgefallen. Nein, das, was Gitarristin Allison da macht, hat eher ein unbestimmtes 70s Feeling, wo man alles Mögliche heraushören kann - von Johnny Thunders über die Stooges bis hin zum geliebten Glam-Rock à la Kiss. Das Wichtige dabei ist zweifelsohne, dass es funktioniert, Spaß macht und mit beeindruckender Energie dargeboten wird. Allison entfachte dann auch ein wahres Gitarrengewitter aus Riffs, Hooks und Licks - für richtige Soli blieb natürlich keine Zeit, denn es musste ja weiter gehen. Übrigens: Brett und Allison hatten neue Frisuren, die für das dauernde Headbanging exzellent geeignet erschienen. Ein eigenartiges Detail, was bei einer Damen-Truppe aber durchaus Sinn macht - denn gut aussehen sollte so ein archaischer Rock'n'Roll ja schließlich auch. Und an den Details hatten die Mädels auch gearbeitet. Kämpfte Brett z.B. auf der "21"-Tour noch mit den Fans um die Vorherrschaft um die Monitore, so arbeitete sie dieses Mal mit kabellosem In-Ear-Monitoring - was natürlich dazu führte, dass die ganze Bühnenbreite für bewegungsfreudige Exkursionen zur Verfügung stand (und das Ausweichen von Stagedivern ermöglichte). Ansonsten schien es wichtig zu sein, das Publikum auf kurzweilige Art zu verachten und Spaß dabei zu haben.

Ach ja: Die Stücke der neuen Scheibe kamen natürlich auch live gut rüber. Tracks wie "Take If Off" fügten sich dann nahtlos an die älteren Sachen wie "Midnite Snack" von "Turn 21" oder "Hyperactive" von "Get Skintight" - nur mal so als Beispiel. Witzigerweise haben sich die Donnas übrigens inhaltlich nicht wesentlich weiterentwickelt - da geht es immer noch um Highschool-Probleme, Alkohol und Sex & Drugs & Rock'n'Roll - aber, hey, man macht das ja schließlich nicht zum Spaß. Kurz und gut: Die Donnas liefern immer noch eine exzellente Rock'n'Roll-Show und sind das, was die Runaways immer sein wollen: Eine respektable Rock'n'Roll-Band. Unterstützt wurden die Donnas von White Light Motorcade, einer neuen Truppe aus New York. Das Quartett um Frontmann Harley Dinardos (was für ein Name) überzeugten mit einer ziemlich direkten, hemmungslos mit Referenzen gespickten, harten Rock-Show. Wie bei vielen US-Bands (auch solchen, die noch keine CDs veröffentlicht haben) gefielen die durch langes Üben angeeigneten technischen Fertigkeiten, der ausgesucht exquisite Gesang, das durchgestylte Outfit und die großen, Stadien-geeigneten Posen. Besonders Bassist Tommy Salmoris, ein geborener Headbanger wie er im Buche steht, sammelte hier Pluspunkte. Ansonsten geriet es dann doch etwas außer Kontrolle, als die Jungs zum Schluss auf dem Schlagzeug herumstiegen und ihre Gitarren auf den Boden werfen. Da schüttelte selbst der hartgesottene Roadie mitleidig den Kopf. Immerhin leben wir ja nicht mehr in den 60s, oder?

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Surfempfehlung:
www.the-donnas.de
www.thedonnas.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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